Ronny Wittenwiler
Traditionen gilt es zu unterstützen. Und deshalb besuchte auch ich kurz die Fasnachtseröffnung letzte Woche. Es war wie eine Offenbarung. Einmal mehr war ich tief ergriffen, wie sehr uns Ryburgern die kulturelle Brauchtumspflege am Herzen liegt: «Es ...
Ronny Wittenwiler
Traditionen gilt es zu unterstützen. Und deshalb besuchte auch ich kurz die Fasnachtseröffnung letzte Woche. Es war wie eine Offenbarung. Einmal mehr war ich tief ergriffen, wie sehr uns Ryburgern die kulturelle Brauchtumspflege am Herzen liegt: «Es ist Leidenschaft! Es ist der Zusammenhalt eines ganzen Dorfes! Ich liebe euch alle!»
«Halt die Schnauze», ruft jetzt einer vom Fenster auf die Strasse runter, «es ist halb fünf Uhr morgens.» Ich versuche, die vielleicht etwas angespannte Situation zu deeskalorisieren oder sowas in der Art und singe zur Wiedergutmachung das Ryburger Zunftlied, Strophe 1.
Fünf Minuten später steht die Polizei bereits mit dem ersten Faissen auf Platz, sein Kollege immerhin ist etwas sportlicher. Es gehe um den Verdacht der Ruhestörung, was ich vor den Gesetzeshütern jetzt halt nicht abstreiten kann: «Klar hat der da oben am Fenster ziemlich laut geschrien, aber ich sehe das nicht mehr so deutlich und eng. Bin eh auf dem Heimweg.»
Ich will gerade die zweite Strophe vortragen, da strahlt der eine Polizist: «Moment mal. Ich kenn’ dich doch: Du hast an Weihnachten eine fünf Meter lange Mordmann-Tanne im Smart transportiert.»
Darauf sein Kollege: «Not-Fichte. Ich glaub’ es war eine Not-Fichte.»
Ich kann mich zwar kaum noch auf den Beinen halten vor lauter Kultur, aber ein Autogramm für meine zwei alten Freunde liegt gerade noch drin.
witte@nfz.ch