Ronny Wittenwiler
Da stehe ich also an der hippen Kaffeebar und bestelle zwei Cappuccino. In diesem Moment, wie mir scheint, mag mich die Bedienung noch einigermassen.
Aufmerksam sehe ich zu und staune immer wieder, wie viele Handgriffe es braucht: Ein perfekter Cappuccino besteht ...
Ronny Wittenwiler
Da stehe ich also an der hippen Kaffeebar und bestelle zwei Cappuccino. In diesem Moment, wie mir scheint, mag mich die Bedienung noch einigermassen.
Aufmerksam sehe ich zu und staune immer wieder, wie viele Handgriffe es braucht: Ein perfekter Cappuccino besteht aus etwa 30 ml Espresso, feinporigem Milchschaum, idealerweise im Verhältnis 1:1, serviert in einer 160 ml-Tasse, und dann wird die Milch auf 60 bis 65 Grad erhitzt, um eine süssliche, cremige Konsistenz zu erreichen, über einen Espresso gegossen, sodass ein weisses Zentrum mit einem braunen Crema-Rand entsteht und – hoppla Schorsch – als die Bedienung mir die beiden Kunstwerke mit je einem formvollendeten Milchschaum-Herz serviert, muss ich also wirklich sagen: «Sorry, fast vergessen: es sind zwei Cappuccinos zum Mitnehmen.»
Alles nochmals von vorn und mir scheint, nicht nur die Milch im Pappbecher wirkt jetzt gerade etwas überhitzt, wobei, habe ich es eigentlich schon erwähnt?
«Einmal gerne mit laktosefreier Milch.»
Mich dünkt, die Milchschaum-Herzen haben jetzt die Form eines Totenkopfs. Egal. «Wären Sie bitte so nett und würden Sie mit einem Filzstift auf dem Becher markieren, welcher Cappuccino laktosefrei ist?»
Kennen Sie das? Manchmal liegt Ihnen etwas auf der Zunge und Sie können nicht anders. «Wofür steht das L auf dem Becher?»
Jetzt die Bedienung mit dem Verständnis eines Eiswürfels: «Das L steht für laktosefrei.» Aha.
Jetzt ist es aber so, dass so ein «L» rein theoretisch ja auch für «Laktose» stehen könnte, und ich frage deshalb meine Bedienung vorsichtig, ob es vielleicht möglich wäre, die beiden Cappuccinos jeweils unterschiedlich einmal mit «L» für Laktose und einmal mit «LF» für laktosefrei anzuschreiben.
Eine halbe Stunde nach meiner ersten Bestellung und zwei Jahren Hausverbot stehe ich wieder draussen auf der Strasse und halte den Becher für Maus («LF») und den Becher für mich («LMAA!») in der Hand.
Jetzt leck mich am Arsch. Ich hab’ wirklich keine Ahnung, was mir die Bedienung eigentlich sagen wollte.
witte@nfz.ch