Ronny Wittenwiler
Wir sind in der Buchhandlung. Während Maus bei den Gesundheits-Ratgebern stöbert, frage ich nach einem Klassiker des Kampfsports: Goethes Faust. Man schickt mich notfallmässig in die Kinderabteilung, wo ich jetzt einfach ein bisschen blöd rumstehe, ...
Ronny Wittenwiler
Wir sind in der Buchhandlung. Während Maus bei den Gesundheits-Ratgebern stöbert, frage ich nach einem Klassiker des Kampfsports: Goethes Faust. Man schickt mich notfallmässig in die Kinderabteilung, wo ich jetzt einfach ein bisschen blöd rumstehe, schon kommt Krümel hell begeistert angerannt: «Papi, das müssen wir kaufen.»
Der Verkäufer entzückt: «Das ist in der Tat ein wunderschönes, ausdrucksstarkes Kinderbuch.»
Ich schaue mir den Titel an: Ronny, das Pony, und Gerd, das Pferd
Krümel: «Bitte, Papi!»
Vergiss es. Nicht in tausend Jahren.
Jetzt Brösmeli: «Du weisst ja nicht mal, worum es in dem Buch geht.»
Es ist mir ehrlich gesagt egal, worum es geht, schon labert der Verkäufer wieder dazwischen: «Ronny ist ein kleines, dickes Pony, das im Stehen sogar in einen Pappkarton passt. Gerd hingegen ist gross, elegant, sportlich und wird von allen für sein seidiges Fell bewundert. Süss, nicht?»
Ja, wahnsinnig süss.
Doch es kommt noch besser. «Als im Stall ein Brand ausbricht, beweist der kleine dicke Ronny wahren Heldenmut und rettet die Situation. Die Geschichte vermittelt die wichtige Botschaft, dass wahre Grösse von innen kommt und man nicht gross oder perfekt sein muss, um ein Held zu sein.»
Mir doch egal.
Krümel: «Papi, bitte!»
Verkäufer: «Herrlich der Kleine.»
Brösmeli: «Komm schon, Papi. Das Buch passt perfekt zu dir!»
Jetzt der Verkäufer: «Ach, wirklich. Warum das denn?»
Stille.
Verkäufer: «Na?»
Der kann mich mal.
Verkäufer: «Ach, kommen Sie schon!»
Ich so: «Ich heisse Gerd.»
Jetzt kommt Maus um die Ecke:
«Oh, schau mal, Ronny. Ein Diät-Kochbuch.»
witte@nfz.ch