Ronny Wittenwiler
Nur allzu gut kann ich mich erinnern, wie es früher immer gewesen ist. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, etwas von alldem zurückzugeben, als mich mein Vater am Vorabend angerufen hatte: «Hättest du morgen Zeit, mich in Pratteln ...
Ronny Wittenwiler
Nur allzu gut kann ich mich erinnern, wie es früher immer gewesen ist. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, etwas von alldem zurückzugeben, als mich mein Vater am Vorabend angerufen hatte: «Hättest du morgen Zeit, mich in Pratteln abzuholen und zurück nach Möhlin zu fahren?»
Aber natürlich. Doch dann dachte ich daran, was meine Eltern für mich immer getan hatten: Kein Weg war ihnen zu viel! Warum also sollte ich meinen Vater bloss abholen, statt ihn zuvor nicht gleich selbst nach Pratteln zu fahren?
Mittwochmorgen, 7 Uhr. Er will bereits los, als ich bei ihm auf den Vorplatz fahre. «Überraschung, steig ein. Ich fahr’ dich!»
Und zack – da haben wir sie wieder. Diese vornehme Zurückhaltung, warum das jetzt also wirklich nicht nötig sei und er selbst fährt: «Du musst mich später wirklich nur abholen kommen.»
«Keine Widerrede», sage ich stur. «Schliesslich hast du mich für meine letzte Darmspiegelung auch hingefahren und dann wieder abgeholt.»
«Das ist doch was anderes.»
Die Sache wird mir langsam zu bunt! «Herrgott nochmal», rufe ich zum Auto raus: «Jetzt lass mich doch auch mal etwas für dich tun und steig endlich ein!»
Jetzt drüllt ein Nachbar die Jalousien hoch: «Genau! Jetzt steig endlich ein, damit der Clown Ruhe gibt.»
Na also, geht doch.
Was für ein Theater, bis ich meinen Vater endlich dazu gebracht habe, sein Auto daheim stehen zu lassen. Eine halbe Stunde später, Autobahnausfahrt, und neumendurch nimmt es mich halt doch Wunder: «Was willst du in Pratteln?»
Er so: «Ich müsste eigentlich mein Auto in den Service bringen.»
witte@nfz.ch