Ronny Wittenwiler
Krümel hat sich für diesen aufregenden Tag besonders viel vorgenommen. Seit zwei Stunden röntgt er mit einer Taschenlampe den Dreikönigskuchen auf verdächtige Einstichstellen. Aus Gründen der Vernunft würde ich gerne auf eine Teilnahme ...
Ronny Wittenwiler
Krümel hat sich für diesen aufregenden Tag besonders viel vorgenommen. Seit zwei Stunden röntgt er mit einer Taschenlampe den Dreikönigskuchen auf verdächtige Einstichstellen. Aus Gründen der Vernunft würde ich gerne auf eine Teilnahme am Mampf-Wettbewerb verzichten, und ohnehin sehe ich nach den Festtagen noch immer aus wie ein Hefewürfel auf dem Höhepunkt seiner Expansionsphase. Das aber lässt Krümel nicht gelten: «Du nimmst auch ein Stück! Aber wehe, du gewinnst.»
Denn halt. Aber nur ein einziges Stück.
3, 2, 1 – und los!
Irgendwie fühle ich, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird.
Zehn Minuten später macht sich Krümel gerade an seinen achten und letzten Versuch: «Kann man eigentlich die Bäckerei verklagen, wenn sie vergisst, einen König in den Kuchen zu stecken?»
Ich so: «Möglifferweife!»
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie lange ich denn noch diesen Plastik-Melchior i minere Gosche vor meinem Jungen verstecken soll. Maus blickt zu mir rüber und flüstert: «Los. Schluck ihn gefälligst runter!»
Ich so: «Iff will nifft!»
Brösmeli: «Jetzt! Sofort.»
Noch am selben Abend reicht Krümel eine Sammelklage gegen die Dorfbäckerei ein. Und ich wusste es: Diese Geschichte wird nicht gut ausgehen. Am anderen Morgen, ich erwache nach erfolgreicher Halbjahreskontrolle aus dem Delirium, da freut sich mein Gastroenterologe mit mir: «Aha, gestern König geworden?»
Das war die schlimmste Darmspiegelung meines Lebens.
witte@nfz.ch