Ronny Wittenwiler
Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Bereits am Dienstag kam die Spitex vorbei für eine erste Bestandesaufnahme.
Die Dame setzt sich hin, zückt einen Fragebogen und zeigt sich gleich sehr mitfühlend. «Sind die Schmerzen ...
Ronny Wittenwiler
Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Bereits am Dienstag kam die Spitex vorbei für eine erste Bestandesaufnahme.
Die Dame setzt sich hin, zückt einen Fragebogen und zeigt sich gleich sehr mitfühlend. «Sind die Schmerzen auszuhalten?»
Was soll ich sagen? Der Unfall passierte am Montagabend. Ich kam gerade von der Gemeinschafts-Waschküche und war völlig aus dem Häuschen, weil ich den ganzen Berg schmutziger Kleider auf einmal losgeworden bin. «Mir war bis dato gar nie aufgefallen, dass wir über eine zweite Waschmaschine verfügen», sage ich zur Spitex-Frau.
Maus neben mir bleibt tapfer:
«Nochmal. Das war der Tumbler.» Egal. Die Seifenblasen waren der Knaller.
Wo war ich stehengeblieben? Ach so, der Unfall. Also schildere ich der Spitex-Frau detailgenau fürs Protokoll: «Ich stelle den Wasserkocher an, hole mir eine leere Tasse, einen Teebeutel, nehme zwei Minuten später den Kocher von der Station und dann passiert es: Ich Tubel schütte mir das heisse Wasser aus Versehen über den Finger. Aber wissen Sie», sage ich jetzt zur Spitex-Frau und versuche, nicht zu weinen: «Ich bin hart im Nehmen, ein Stehaufmännchen, ein Kämpfer.»
Ich frage sie kurz, ob ich mein Pflästerchen vielleicht rasch wegnehmen und es ihr zeigen soll.
Sie dann so: «Lieber nicht. Und wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich jetzt weitermachen. Also, Frau Wittenwiler, nochmal: Sind die Schmerzen auszuhalten? So ein Bandscheibenvorfall ist wirklich schlimm.»
Ah, deswegen ist die da.
witte@nfz.ch