«Wir starten die Stromzukunft»
18.03.2026 RheinfeldenNeuer Verein in Rheinfelden geplant
Seit Anfang Jahr können Besitzer von Photovoltaik-Anlagen ihren selbst produzierten Strom nicht nur für den Eigenbedarf nutzen, sondern ihn über das öffentliche Netz innerhalb eines Quartiers oder einer Gemeinde vermarkten. Um dies ...
Neuer Verein in Rheinfelden geplant
Seit Anfang Jahr können Besitzer von Photovoltaik-Anlagen ihren selbst produzierten Strom nicht nur für den Eigenbedarf nutzen, sondern ihn über das öffentliche Netz innerhalb eines Quartiers oder einer Gemeinde vermarkten. Um dies in Rheinfelden zu fördern, soll ein Verein gegründet werden.
Valentin Zumsteg
Die Energie ist noch vorhanden bei Peter Scholer: «Wir starten die Stromzukunft», sagt der ehemalige Rheinfelder Vizeammann, der in den 1970er-Jahren an vorderster Front gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst gekämpft hat und sich auch heute noch intensiv mit der Energiewende beschäftigt. Wenn er von seinem neusten Projekt berichtet, blitzt der alte Kampfgeist wieder auf. Dank der Revision des Stromversorgungsgesetzes können in der Schweiz seit dem 1. Januar 2026 Eigentümer von Photovoltaik-Anlagen ihren selbst produzierten Strom nicht nur für den Eigenbedarf nutzen, sondern ihn über das öffentliche Netz innerhalb eines Quartiers oder einer Gemeinde vermarkten (die NFZ berichtete). Dazu müssen sich Produzenten und Konsumenten in einer sogenannten Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) zusammenschliessen.
«Das ist phänomenal»
Diese neue Möglichkeit ist eine kleine Revolution, die Scholer begeistert: «Das Stromgesetz ist phänomenal. Jetzt müssen wir es nur umsetzen.» Genau das hat Scholer, der gerne Pionierarbeit leistet, zusammen mit Gleichgesinnten vor. Zu diesem Zweck soll am 1. April (kein Scherz) in Rheinfelden ein neuer Verein unter dem Namen «proLEG» gegründet werden. «Es ist alles parat, jetzt können wir loslegen», sagt Scholer. Kandidaten für den Vorstand seien vorhanden, erklärt er. «Ich denke, dass wir zum Start rund 30 Mitglieder haben werden», so Scholer.
Der neue Verein soll – so die Idee – das Thema LEG vorantreiben und bekannter machen. «Bislang ist das Thema in der breiten Öffentlichkeit noch nicht sehr präsent. Der Verein kann hier als Anschieber wirken, er soll aber auch politischen Druck ausüben.» Scholer hofft, dass sich die Stadt in dieser Sache engagiert. Ideen dazu hat er bereits: «Wenn die Gemeinde zum Beispiel irgendwann das Parkhaus im Schiffacker baut, dann soll dieses nicht nur mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet werden, dort wäre auch ein guter Standort für eine Quartier-Batterie.» Denn idealerweise verfügt eine Lokale Elektrizitätsgemeinschaft auch über Speicher-Möglichkeiten. Aus Sicht von Scholer sollte hier die Gemeinde, die das Label «Energiestadt Gold» mit Stolz trägt, vorangehen.
Eine Petition zur Rheineintiefung
Peter Scholer und seine Mitstreiter haben in jüngster Zeit Einwendungen bei verschiedenen Bauprojekten eingereicht, zum Beispiel beim geplanten Hochregallager von Feldschlösschen, beim Bauprojekt rund um den Bahnhofsaal (Neue Mitte) oder bei einer Wohnüberbauung am Lichsweg. «Es geht nicht darum, die Projekte zu verhindern. Die Photovoltaik soll aber besser berücksichtigt werden», sagt Scholer.
Einsprachen haben sie ebenfalls bei der vorgesehenen Eintiefung des Rheins für eine Leistungssteigerung des bestehenden Rheinfelder Wasserkraftwerks eingereicht; gleichzeitig läuft dazu eine Petition. Ziel ist es dort, dass der neue Rheinstrom für Rheinfelden verwendet werden kann. Scholer: «Zusammen mit dem Solarstrom von den Dächern und Fassaden wäre Rheinfelden damit 100 Prozent autark mit eigenem lokalem Naturstrom versorgt. Diese einmalige Gelegenheit sollten wir unbedingt nutzen. Wir bitten den Stadtrat, beim laufenden Bewilligungsverfahren für die Ausbaggerung diese Möglichkeit zu verhandeln.» Es läuft derzeit also einiges in Sachen Strom in Rheinfelden.
Infos, Ideenaustausch und Vereinsgründung am 1. April, um 19.30 Uhr, im Keller beim Obertorplatz 7.

