«Wir sind Teile eines grossen Ganzen»

  20.09.2026 Rheinfelden

Laura Klingenberg ist am Sonntag in einem festlichen Gottesdienst in der reformierten Kirche Rheinfelden als neue Pfarrerin eingesetzt worden. Thema war der biblische Gedanke vom einen Leib und den vielen Gliedern.

Andreas Fischer

Sie freue sich, mit der Gemeinde als Hand, Fuss, Kopf, Auge, Darm, Ohrläppchen und Achillessehne unterwegs zu sein, sagte die zu installierende Pfarrerin in ihrer launigen Begrüssungsrede. Dann erklärte sie den merkwürdigen Ausdruck «Installation». Es handle sich gemäss Duden eigentlich um einen Begriff aus dem technischen Bereich. Installiert werden elektrische Leitungen, Lüftungen, sanitäre Anlagen – eine Installation sei also genuin nichts Kirchliches. Als Nebenbedeutung werde aber noch «Einsetzung in ein geistliches Amt» erwähnt, mit der Bemerkung «schweizerisch, sonst veraltet».

Pfarrerin Noemi Breda, Vorsitzende des Dekanats Brugg, zu dem die reformierte Kirchgemeinde Region Rheinfelden gehört, nahm das Motiv der Körperteile auf. Als Pfarrerin, sagte sie, müsse man Ohr sein, wenn einem jemand etwas anvertraut. Hand, wenn es anzupacken gilt. Füsse, wenn man einen Schritt auf jemanden zu machen will. Mund, wenn man predige. «Und», fuhr Breda fort, «im Pfarramt braucht es manchmal auch breite Schultern, gutes Sitzfleisch, eine dicke Haut. Und dann wieder eine ganz dünne, feinfühlige».

Flötenexperiment
Dann nahm sie Laura Klingenberg das Installationsgelöbnis ab: «Ich gelobe vor Gott und den Menschen, das mir anvertraute Amt als Pfarrerin dieser Kirchgemeinde auf Grund des Evangeliums von Jesus Christus gewissenhaft zu erfüllen und verspreche, dabei die Ordnung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau zu beachten.» Schliesslich segnete sie die junge Kollegin und nahm auch die Gemeinde in die Pflicht: Es gelte, der frisch eingesetzten Pfarrerin in ihrer Aufgabe beizustehen und auch für sie zu beten. Der Akt der Einsetzung klang in einer grossen Überraschung aus: Laura Klingenberg spielte gemeinsam mit ihren ebenfalls ganz jungen Pfarrkollegen Felix Berki und Jonas Meier ein Querflötentrio. Sie seien durch den Kirchenpf legepräsidenten Roland Arnold dazu ermutigt worden, Neues zu wagen, sagte Klingenberg in den langanhaltenden Applaus hinein.

In ihrer Kanzelrede stellte Klingenberg das Thema der Körperteile in einen grösseren Zusammenhang. Es leitet sich ab von einem zentralen Text des Neuens Testaments, der vom einen Leib und den vielen Gliedern handelt: «Wie der Körper eine Einheit ist und doch viele Teile hat, alle Teile des Körpers also die Einheit des Körpers ausmachen, so verhält es sich auch mit Christus», sagt der Apostel Paulus im Ersten Koritherbrief (1. Kor. 12).

Klingenberg liess die Anwesenden auf Zettel schreiben, als welchen Körperteil sie sich selber sehen. Dann ging sie durch die Reihen und las die Worte laut vor. Sie skizzierte das multikulturelle Leben in der griechischen Hafenstadt Korinth in der Antike, verwies auf eine Fabel, die Paulus mutmasslich zu seinem Text inspiriert hatte: Einst rebellierten Hände, Mund und Zähne gegen den Magen, der ihrer Meinung nach faul war, und stellten ihre eigenen Aktivitäten ein. Doch dann merkten sie, dass ihre Arbeitsverweigerung nicht nur dem Magen schadet, sondern dem ganzen Leib und auch ihnen selbst. Als Essenz der Botschaft von Paulus destillierte Klingenberg die Sätze heraus: «In Christus seid ihr alle gleich! Ihr alle seid wichtig, unterschiedliche Körperteile eines gros sen Ganzen! Seid also solidarisch und unterstützt einander!» Diese Essenz gelte auch heute noch, schloss Pfarrerin Klingenberg und stellte den Anwesenden die Frage: «Was für ein Geschenk, was für eine Gabe tragen Sie in sich für unsere Gemeinde, für unsere Welt?»

Es war eine packende Predigt; konzentrierte Stille breitete sich aus, die anhielt während des anschliessenden Musikstücks. Tom Steiner, stellvertretender Präsident der Kirchenpflege, überreichte Laura Klingenberg mit warmen Willkommensworten ein Olivenbäumchen, das Frauenquartett trug zum Ausgang «Gottes Segen leite euch» von Johann Sebastian Bach vor. Draussen machten die meisten Gottesdienstbesuchenden rechtsumkehrt und gingen in den Anbau der Kirche, wo Zogo Erdenebat und sein Team vom Restaurant «Sole & Sar» einen Apéro riche mit vielen Köstlichkeiten bereitgestellt hatten.


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