«Wir schreiben immer und überall»
26.02.2026 MöhlinGabriela Kasperski und Petra Ivanov halten Lesung in Möhlin
Die erfolgreichen Schweizer Autorinnen Gabriela Kasperski und Petra Ivanov sind am 5. März mit «Krimis, Anekdoten und mehr» im SteinliChäller in Möhlin zu Gast – seit drei Jahren halten die ...
Gabriela Kasperski und Petra Ivanov halten Lesung in Möhlin
Die erfolgreichen Schweizer Autorinnen Gabriela Kasperski und Petra Ivanov sind am 5. März mit «Krimis, Anekdoten und mehr» im SteinliChäller in Möhlin zu Gast – seit drei Jahren halten die beiden Autorinnen gemeinsame, interaktive Lesungen.
Lilia Staiger
Die Autorinnen sprechen im Interview über ihre Erzählstile und Hauptfiguren, warum man in der Schweiz manchmal in Schubladen gesteckt wird und wieso sie immer und überall schreiben können.
fricktal.info: Zwei Krimiautorinnen, zwei unterschiedliche Schreibstile – könntet ihr jeweils euren charakteristischen Krimistil beschreiben?
Gabriela Kasperski: Jede von uns hat mehrere Krimireihen. Bei mir sind es unter anderem die «Schnyder & Meier»-Serie, die ganz anders ist als die «Bretonisch»-Romane oder die Libby-A ndersch-Reihe. In der Schweiz ist das manchmal schwierig; man wird gerne in eine Schublade gesteckt, anders als in anderen Ländern, wo Vielseitigkeit bei Autorinnen und Autoren als etwas Positives wahrgenommen wird.
Petra Ivanov: Ich würde auch nicht sagen, dass wir zwei unterschiedliche oder charakteristische Stile haben. Wir schreiben beide Bücher aus ganz verschiedenen Genres, neben Krimis schreibe ich, wie Gabriela auch, unter anderem Jugendbücher sowie Liebesromane. Bei einem «Flint & Cavalli»-Krimi schreibe ich bewusst einen Polizeiroman und möchte, dass der Polizeialltag zum Vorschein tritt, dies auch mit einer gewissen Genauigkeit und Härte. Ich finde das schön, und ich wechsle gerne hin und her. Aber ich erlebe, was Gabriela erwähnte, dass es in der Schweiz nicht so positiv aufgenommen wird. Ich glaube, es ist einfach einfacher, zu sagen: «Die Autorin gehört in diese Schublade».
Versucht ihr also, eure stilistische Bandbreite gezielt beizubehalten?
Gabriela Kasperski: Es hängt immer davon ab, in welcher Welt man sich gerade bewegt. Der Kosmos entwickelt sich und wir ebenso. Ich experimentiere gern mit Sprache, mit Atmosphäre, mit Figuren, wie Petra das auch erwähnte. Jedes Genre eröffnet neue Möglichkeiten. Meine Protagonistin Libby Andersch kann sich andere Dinge erlauben als Tereza Berger. Bei der Schnyder-&- Meier-Reihe wiederum geht es in eine ganz andere Richtung. Ich bin immer dort, wo meine Figuren sind. Und ich schliesse nicht aus, dass ich noch einmal etwas ganz anderes mache. So bleibt es interessant.
Also stehen zuerst die Figuren oder das Thema?
Petra Ivanov: Bei mir steht am Anfang meist das Thema. Zum Beispiel ging es bei der Kryo-Trilogie um ewiges Leben und Unsterblichkeit. Ich wollte mich nicht auf den Schauplatz Zürich beschränken, also habe ich neue Figuren entwickelt. Ich recherchiere zuerst das Thema, suche dann den Einstieg in die Geschichte. Die Figuren treten so stärker in den Mittelpunkt, und von da aus entwickelt sich alles weiter.
Gabriela Kasperski: Mir wird manchmal auch vom Verlag etwas vorgeschlagen, wie «Kannst du etwas am Rheinfall oder am Genfer See schreiben?» Das ist dann wie ein Auftrag, und ich schaue, wie ich Ort und Thema verbinde. Manche Themen durchziehen fast alle meiner Bücher: das Wohnen, beispielsweise. Eine Lektorin hat mich einmal gefragt, warum ich dieses Thema so oft aufgreife. Es ist etwas, das so viele Menschen betrifft und zentral ist. Und ich beleuchte es einfach aus unterschiedlichen Ecken.
Petra, vor Kurzem ist der zehnte Band deiner Krimireihe «Flint und Cavalli ermitteln» erschienen. Wie würdest du die beiden Protagonisten beschreiben? Petra Ivanov: Regina Flint ist Staatsanwältin mit einem starken Gerechtigkeitssinn. Bruno Cavalli ist Kriminalpolizist mit einem eher unkonventionellen Ermittlungsstil (lacht).
Gabriela, dein nächster Roman, «Bretonisch mit Meeresrauschen», erscheint im April. Wer ist die Hauptfigur Tereza Berger und was zeichnet sie aus? Gabriela Kasperski: Tereza ist eine Schweizer Buchhändlerin, die in der Bretagne strandet. Sie muss eine klare Lebenslinie aufgeben – zugunsten von Neugier, Offenheit und Abenteuerlust. In diesem Kosmos erlebt sie Grosses, unter einem endlosen Himmel und vor dem weiten Meer, was ihr wiederum zeigt, wie klein man eigentlich ist.
Gabriela, du warst kürzlich wieder in London. Spielt die Stadt für dein Schreiben eine Rolle?
Gabriela Kasperski: Ja, ich bin sehr gern dort und binde London in jedes Buch ein. Ich kenne die Stadt aus verschiedenen Perspektiven – als Zürcher Studentin, die damals mit ganz grossen Augen durch die fremde Stadt ging, später als Touristin mit meinen kleinen Kindern und durch den Schreiballtag.
Petra, du hast einmal erzählt, dass du morgens früh schreibst oder auch zwischen Terminen, beispielsweise vor Lesungen oder Kursen in Schulklassenzimmern. Muss man das Schreiben auf Knopfdruck trainieren?
Petra Ivanov: Ich weiss nicht, wie es bei anderen ist. Ich lebe einfach immer in der Geschichte. Wenn ich nicht schreibe, ist es, als hätte ich auf Pause gedrückt. Und wenn ich weiterschreibe, läuft es einfach weiter. Wenn man vom Schreiben lebt, muss man flexibel sein. Es gibt viele Termine rund ums Schreiben. Man kann nicht darauf warten, dass perfekte Bedingungen herrschen.
Gabriela Kasperski: Bei mir ist es ähnlich; ich schreibe überall. Das Einzige, was ich brauche, ist meine externe Tastatur, die Tastaturen der Laptops gehen bei mir immer kaputt (lacht).
Wie geht ihr mit Zeitdruck und Deadlines um, von euren Verlagen oder eigenen, die ihr euch setzt?
Petra Ivanov: Das ist kompliziert. Ich mache mit meinem Verlag ab, wann das Buch herauskommt. Der Druck besteht dann nicht darin, wann das Buch fertig sein muss, sondern wann zum Beispiel eine Überarbeitung oder ein Lektorat stattfindet. Wenn das Lektorat nicht rechtzeitig kommt, bin ich blockiert, weil ich einen anderen Text beginnen möchte, den ich nicht unterbrechen kann; eine Erstfassung unterbreche ich nicht.
Gabriela Kasperski: Ich denke, wir sind beide in der tollen Situation, Verlage zu haben, die gerne mit uns zusammenarbeiten, unsere Bücher verkaufen sich gut. Die Deadlines können wir ein wenig selbst bestimmen. Ich neige dazu, sie mir zu sportlich zu setzen. Die Erstfassung f lutscht, die Überarbeitung kostet mich viel Zeit, weil ich sehr genau bin. Ich habe schon viel in meinem Leben gemacht: in der Filmbranche, beim Theater, beim Fernsehen; beim Schreiben schätze ich, dass ich meine eigene Chefin bin.
Ihr haltet am 5. März in Möhlin eine interaktive Lesung mit dem Titel «Krimis, Anekdoten und mehr». Was erwartet das Publikum, und aus welchen Büchern lest ihr?
Petra Ivanov: Ich lese aus «Dunkle Mächte».
Gabriela Kasperski: Ich lese aus «Juwelenraub im Schneepalast» aus der Reihe mit Libby Andersch und aus «Zürcher Verrat». Wir erzählen darüber, wie wir arbeiten. Unsere Bücher kann man lesen, aber uns hat man nur einmal vor Ort, und wir können den Leuten hoffentlich etwas mitgeben, was sie sonst nicht erfahren.
Die Autorinnen, ihre Lesung
Gabriela Kasperski und Petra Ivanov leben beide mit ihren Familien in Zürich. Sie erhielten bereits zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen für ihre Bücher; darunter den Zürcher Krimipreis.
Die Lesung am 5. März wird von der Bibliothek Möhlin und der Kulturkommission Möhlin veranstaltet. Tickets gibt es unter 4313kultur.ch, auf eventfrog.ch sowie vor Ort in der Bibliothek Möhlin.

