«Wir leben unseren Traum»
12.12.2024 WölflinswilKöbi Brem, Pia Koch und eine Weltreise für Daheimgebliebene
Bald sieben Jahr ist es her, dass Köbi Brem und Pia Koch ihr Land-Leben in Wölflinswil gegen ein Leben auf den Weltmeeren eingetauscht haben. Am Dienstagabend liessen sie im Mehrzweckgebäude in ...
Köbi Brem, Pia Koch und eine Weltreise für Daheimgebliebene
Bald sieben Jahr ist es her, dass Köbi Brem und Pia Koch ihr Land-Leben in Wölflinswil gegen ein Leben auf den Weltmeeren eingetauscht haben. Am Dienstagabend liessen sie im Mehrzweckgebäude in Wölflinswil die Stationen ihrer bisherigen Reise Revue passieren.
Simone Rufli
«Wenn die kommen, könnte es Leute haben», habe sie gedacht, so Alice Bieli vom Verein Dorf Plus. Was soll man sagen: Im Mehrzweckgebäude von Wölflinswil gingen die Stühle aus an diesem Dienstagabend, so viele waren gekommen, um zu erfahren, wie es ist, wenn man alles hinter sich lässt und seit bald sieben Jahren über die Weltmeere segelt. «So wie es Peter Reber in seinen Liedern besingt», meinten Köbi Brem und Pia Koch, machten die Leinen los, löschten das Licht, liessen sich im Wechsel mit Bildern sprechen und stachen mit dem Publikum im Beiboot in See.
«Wir haben schnell gemerkt, dass wir im gleichen Boot sitzen», sagten die beiden und das Publikum lachte, weil es ja genauso ist auf der Lupina. Köbi Brem und Pia Koch aber meinten es im übertragenen Sinn, dass sie gleich ticken, dass sie beide ferne Länder bereisen und andere Kulturen kennenlernen wollen. «Zuerst dachten wir an ein Wohnmobil, am Ende entschieden wir uns für das Schiff.» Das war im 2017. Im April 2018 ging es von England aus, wo sie das Schiff vom Vorbesitzer übernommen hatten, los. Die Lupina – 17,7 Tonnen schwer, energetisch autark mit Windgenerator und Solarpanels, praktisch dazu, «auf Wunsch von Pia mit Waschmaschine», 13,5 Meter lang – «etwas länger als ein Postauto, ich rechne immer in Postautos», so Köbi Brem.
Ein Zuckerschlecken sei das Leben auf einem Schiff aber nicht, betonten die beiden. Von medizinischen Notfällen – «medizinische Kenntnisse sind leichter zu finden als die zur Behandlung nötigen Medikamente, die hat man besser bei sich» – über handwerkliches Geschick – «Ersatzteile für den Motor lasse ich meist nach Wölf linswil liefern, bis sie unterwegs eintreffen, sind wir ja schon wieder an einem anderen Ort» – bis zu Marine-Gesetzen – «gelbe Quarantäne-Flagge muss immer sein, Gastf lagge ist fakultativ» und unterschiedlichen Einreisebestimmungen – braucht es viel Wissen und Geschick, um den Kopf stets über Wasser zu behalten.
Ob sie nicht so Manches aus dem früheren Leben vermissen? «Wir leben unseren Traum und vermissen nie, was wir nicht haben», so Pia Koch. «Wir haben losgelassen und dafür Freiheit gewonnen. Wir bekommen immer wieder Besuch von Freunden aus dem Fricktal und kommen jedes Jahr mindestens einmal in die Schweiz.» Nach 2386 Tagen unterwegs – die Lupina hat revidiert werden müssen und einige Ersatzteile bekommen – hätten sie eine kleine Korrektur anzubringen: «Vom Pazifik heisst es, er sei der stille Ozean, diesen Namen hat er unserer Meinung nach nicht verdient.» Ausgerechnet im Pazifik hätten sie bisher die unruhigsten Tage und Nächte verbracht.
Ende Monat fliegen Köbi Brem und Pia Koch zurück nach Australien, dorthin wo die Lupina auf sie wartet; ihr Daheim für wie lange noch? «Sicher noch mehrere Jahre!»
Reiseroute, Fotos und Videomaterial auf www.sy-lupina.ch



