In den nächsten Jahren wird das Rheinfelder Bahnhofareal grundlegend neugestaltet. Davon weitgehend unberührt bleibt das historische Bahnhofgebäude, das 1875 erbaut worden ist.
Valentin Zumsteg
Es stehen grosse Veränderungen an beim Bahnhof Rheinfelden und den umliegenden ...
In den nächsten Jahren wird das Rheinfelder Bahnhofareal grundlegend neugestaltet. Davon weitgehend unberührt bleibt das historische Bahnhofgebäude, das 1875 erbaut worden ist.
Valentin Zumsteg
Es stehen grosse Veränderungen an beim Bahnhof Rheinfelden und den umliegenden Parzellen. Im Rahmen des städtebaulichen Grossprojekts «Neue Mitte» wird das ehemalige Restaurant Quelle abgerissen, ebenso das einstige Hotel Terminus und der SBB-Güterschuppen. Der Bahnhofsaal, der für die Stadt als Veranstaltungsort von grosser Bedeutung ist, wird irgendwann in der Zukunft saniert (die NFZ berichtete). Wie ein Fels in der Brandung bleibt hingegen das Bahnhofgebäude bestehen.
Ein wichtiger Zeuge
Dieses sogenannte «Aufnahmegebäude» blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es wurde 1875 erstellt, dies im Rahmen der von 1871 bis 1875 angelegten Bözbergstrecke. «Das spätklassizistische Aufnahmegebäude ist im Äusseren intakt erhalten und ein wichtiger eisenbahn- und ortsgeschichtlicher Zeuge. Es hängt mit der Entwicklung Rheinfeldens zum Kurort ebenso zusammen wie mit der in Sichtdistanz zum Bahnhof gelegenen Brauerei Feldschlösschen und der unweit des Bahnhofs angesiedelten Zigarrenfabrik Wuhrmann», heisst es im Bauinventar des Kantons Aargau. «Der Bahnhof ist ein prägnanter Bestandteil der Bahnhofplatzbebauung, welche sowohl einen ortsbaulichen Wert besitzt als auch ein Zeugnis für die Bedeutung Rheinfeldens als Kurort in der Belle Époque darstellt.»
Bereits 1838 war über eine Eisenbahnverbindung zwischen Basel und Zürich durch das Fricktal nachgedacht worden. Doch erst 1871 wurde der Bau einer 49 Kilometer langen Bahnstrecke von Brugg durch das Fricktal nach Pratteln in Angriff genommen und am 31. Juli 1875 eröffnet. Dank den schon bestehenden Strecken von Zürich via Baden nach Brugg und von Pratteln nach Basel sind Basel und Zürich seither über diese Strecke miteinander verbunden. «Als einziger Halt auf der Strecke erhielt Rheinfelden ein mittelgrosses Aufnahmegebäude nach Entwurf des Nordostbahn-Architekten Heinrich Gmelin, während die anderen Halteorte vorerst mit provisorischen Schuppen ausgestattet wurden.» Der gleiche Bahnhoftypus steht im Aargau in Bad Zurzach an der ein Jahr später eröffneten Bahnlinie Winterthur – Koblenz. Von 1900 an wurde die Doppelspur etappenweise gebaut und war 1926 für die ganze Strecke Basel – Zürich betriebsbereit.
Kulturgeschichtliche Bedeutung
Das Bahnhofgebäude ist immer wieder ergänzt worden. Westlich des Aufnahmegebäudes wurde 1964 ein eingeschossiges Nebengebäude mit Kiosk und Toiletten erbaut und mit Ersterem durch ein Flachdach verbunden. Noch weiter westlich kam 1968 der Güterschuppen aus Sichtbeton zu stehen. Das Aufnahmegebäude selbst wurde zwischen 1992 und 2009 im Innern umgebaut und aussen renoviert. 2009 erhielt es einen dritten, barrierefreien Zugang an der Westfassade. «Seine äussere Gestalt ist dabei im Wesentlichen intakt erhalten geblieben.»
Deswegen kommt dem Gebäude eine hohe ortsbauliche wie auch eine kulturgeschichtliche Bedeutung zu. «Für die vom Zentrum über die ansteigende Bahnhofstrasse Herkommenden ist das Aufnahmegebäude ein wichtiger optischer Bezugspunkt in der Sichtachse.»
In Zukunft verändert sich am Bahnhof Rheinfelden fast alles. Dieses historische Gebäude, das unter Schutz steht, bleibt jedoch bestehen und soll weiterhin als Identifikationsobjekt dienen.