Wie ein 100-Meter-Sprint, nur vertikal
24.06.2026 PersönlichDer 16-jährige Gian Tudisco sprintet Kletter-Wände hoch: «Mein Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen», sagt Gian Tudisco. Entsprechend hart trainiert er. Vor wenigen Tagen hat der Fricker im Speed Climbing an den Schweizermeisterschaften eine Silbermedaille gewonnen.
...Der 16-jährige Gian Tudisco sprintet Kletter-Wände hoch: «Mein Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen», sagt Gian Tudisco. Entsprechend hart trainiert er. Vor wenigen Tagen hat der Fricker im Speed Climbing an den Schweizermeisterschaften eine Silbermedaille gewonnen.
Simone Rufli
Angefangen hat es mit dem Ferienspass. «Ich war acht Jahre alt und ging zum Bouldern nach Pratteln», erzählt Gian Tudisco beim Treffen mit der NFZ. Das Klettern ohne Seil und Klettergurt in Absprunghöhe über dicken Matten habe Spass gemacht. Doch es zog ihn weiter. Aufs Bouldern folgte das Leadklettern, bei dem der Kletternde das Seil mit nach oben nimmt und während des Aufstiegs in fixmontierte Haken einhängt. Beim Seilklettern hielt es ihn länger. Das Training im Regionalzentrum Aarau-Mittelland (RZAM) des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) gefiel ihm gut. «Vor zwei Jahren habe ich dann eher zufällig ein Probetraining beim Speed-Team absolvieren können und vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich ganz fürs Speed-Klettern entschieden.»
Was ihn am Speed-Klettern fasziniert: «Die Herausforderung, immer noch schneller zu werden. Ich vergleiche es gerne mit dem 100-Meter-Sprint in der Leichtathletik.» Wie die Tartanbahn in der Horizontalen sei auch die vertikale Kletter-Wand bei jedem Wettkampf gleich: 15 Meter hoch, 5 Grad überhängend. «Der Reiz liegt darin, den Aufstieg zu perfektionieren. Am Ende geht es auch beim Speed-Klettern um Hundertstel- und Tausendstel-Sekunden.»
In 6,80 Sekunden zu Silber
Eine Kostprobe seines Könnens bot Gian Tudisco am 6. Juni in der Kletterhalle O’Bloc in Ostermundigen anlässlich der Schweizermeisterschaften. Mit einer Zeit von 6,80 Sekunden qualifizierte sich der Fricker in der Kategorie U19 fürs Finale und schloss den Wettkampf als Vize-Schweizermeister mit dem Gewinn der Silbermedaille ab. Im vergangenen Jahr war er bereits beim European Youth Cup in der Kategorie U17 unter die besten acht gekommen.
Um das intensive Training fortführen zu können, hat er im Sommer 2025 eine KV-Sportlehre in Basel angetreten. «So kann ich fünfmal pro Woche, nach der Arbeit, ins Traninng gehen.» Zweimal trainiert er in einem Kraftraum in Frick, dreimal an der Kletterwand – einmal in Biel im Nationalen Leistungszentrum, zweimal in Wädenswil. Nicht immer trainiere er die ganze Wand-Länge. «Manchmal konzentriere ich mich ganz auf den Einstieg, ein andermal auf eine obere Sektion.»
Mit Fussball begonnen
Wurde ihm die Freude am Klettern in die Wiege gelegt? Gian Tudisco lacht und schüttelt den Kopf. «Mein Vater stammt aus Süditalien, da zählt nur der Fussball. Als Fünfjähriger habe ich auch angefangen, Fussball zu spielen, mit zehn dann aber aufgehört. Daneben war ich bis zwölf im Geräteturnen in Wölflinswil.»
Gian Tudiscos Bestmarke im Speed-Klettern liegt derzeit bei 6,5 Sekunden. Dabei soll es nicht bleiben. «Mein Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sollte es mit der Qualifikation für Los Angeles 2028 nicht reichen, dann werde ich alles daransetzen, dass es mit Brisbane 2032 klappt.»
Weltrekord bei 4,54 Sekunden
Der Weltrekord im Speed-Climbing liegt übrigens bei 4,54 Sekunden. Aufgestellt wurde diese Fabelzeit am 28. April vom 16-jährigen Chinesen Zhao Yicheng an den Asian Beach Games in Sanya (China). Im Jahr 2011 lag die Bestmarke bei den Männern noch bei 6,26 Sekunden, seither wurde der Weltrekord 21-mal gebrochen, allein 14-mal seit 2021. Die Top 20 erklimmen die 15-Meter-Wand alle unter 5 Sekunden.

