«Wer dem Igel helfen will, muss ihn kennen»
30.10.2026 MagdenVortrag in Magden
Im Hirschensaal in Magden versammelten sich kürzlich rund vierzig Personen, eingeladen von der Arbeitsgruppe «Magden blüht». Die AG gibt es seit 2023. Sie setzt sich für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt im Siedlungsraum ein. ...
Vortrag in Magden
Im Hirschensaal in Magden versammelten sich kürzlich rund vierzig Personen, eingeladen von der Arbeitsgruppe «Magden blüht». Die AG gibt es seit 2023. Sie setzt sich für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt im Siedlungsraum ein. Sie wird unterstützt vom Naturschutzverein Magden und dem WWF Aargau.
Susanne Ernst begrüsste die Referentin Dagmar Sens von Pro Igel Baselbiet und die anwesenden Gäste. Danach übergab Regula Bachmann, als Auszeichnung für zwei neu vom WWF zertifizierte Gärten, die Plakette «Trittsteingarten» an die Familien Kost und Wentz. In Magden gibt es bereits sieben zertifizierte Gärten und drei weitere sind in Abklärung.
«Wer dem Igel helfen will, muss ihn kennen», so begann Dagmar Sens ihren Vortrag. Der Igel gilt als ältestes Säugetier auf der Erde und existiert seit mehreren Millionen Jahren. Er ist verwandt mit dem Maulwurf und der Spitzmaus. Der einheimische Braunbrustigel wird drei bis vier, maximal acht Jahre alt und kann ausgewachsen bis zwei Kilo schwer werden. Die Igel sind nachtaktiv und können auf ihren Rundgängen für die Nahrungssuche bis zu drei Kilometer pro Nacht zurücklegen. Tagsüber schlafen sie.
Der Igel ist ein Wildtier, ein kleines Raubtier, das keine Pf lanzen verdauen kann. Sehr gerne frisst er Lauf käfer, Larven, Regenwürmer und zur Not auch Schnecken. Er kann keine Milch, keine Rosinen oder Haferflocken verdauen. Davon wird sein Immunsystem geschwächt.
Der Winterschlaf ist für den Igel lebensnotwendig. Er dauert zirka von Oktober bis März. Die Igel verlieren während des Winterschlafs bis 40 % ihres Gewichts. Daher ist sein Mindestgewicht für den Winterschlaf circa 700 Gramm. Seine normale Körpertemperatur beträgt 36 Grad, im Schlaf nur 5 Grad und die Atemzüge senken sich von 40 bis 50 auf 3 bis 4 pro Minute. Die natürlichen Feinde des Igels sind Dachs, Fuchs und Uhu. Von Menschen gemacht: Mähroboter, Fadenmäher, Swimmingpool, Strassenverkehr, ausgeräumte Gärten.
Der Igel gilt seit 2022 in der Schweiz als potentiell gefährdet. Die Population ist in den letzten 25 Jahren um circa 40 % zurückgegangen. Hauptgrund dafür ist der Mangel an Nahrung und Unterschlupf, also Essen und Wohnen. Daher ist auch klar, was wir tun können, um dem Igel zu helfen: Laub liegen lassen. Unter dem Laub entwickelt sich die Nahrung der Igel. Asthaufen, Altholz, Laubhaufen im Garten ist Material, das der Igel für den Bau seines Winterquartiers braucht.
Füttern kann man ihn je nach Jahreszeit und mit Augenmass, wenn der Igel zu leicht ist. Der Igel ist ein Wildtier. Das in Läden angebotene Igelfutter ist oft nicht gut geeignet. Die Marke «claus» kann empfohlen werden. Gut eignet sich auch Katzenfutter ohne Sauce und ohne Getreide mit viel Eiweiss. Wasser in einer flachen Schale anbieten. Nachts füttern, Futter tagsüber entfernen.
Am Ende des einstündigen, dichten, sehr klar und lebendig gehaltenen Vortrages beantwortete Dagmar Sens die zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Dabei spürte man ihre grosse Fachkompetenz als Tierärztin, Igelstation- und Tierschutzbauftragte und ihr Herzblut für die Igel. Susanne Ernst verabschiedete die Teilnehmenden, bedankte sich bei der Referentin, dem WWF und dem Publikum. Im Anschluss folgte ein kleiner Apéro. (mgt)

