Ein Meister der Pantomime auf Schulbesuch in Frick
Am Tag bevor Carlos Martinez in Frick auf der Bühne im Kornhauskeller auftrat, brachte der preisgekrönte spanische Pantomime den Dritt-, Viert- und Fünftklässlern der Primarschule das wortlose Schauspiel ...
Ein Meister der Pantomime auf Schulbesuch in Frick
Am Tag bevor Carlos Martinez in Frick auf der Bühne im Kornhauskeller auftrat, brachte der preisgekrönte spanische Pantomime den Dritt-, Viert- und Fünftklässlern der Primarschule das wortlose Schauspiel näher.
Simone Rufli
Für gewöhnlich denkt man nicht daran. Vergisst komplett, dass 16 Bewegungen nötig sind vom Moment, in dem man die Duschkabine betritt, bis zum Augenblick, in dem das Einseifen beginnt – es sei denn, es kommt ein weltbekannter Pantomime aus Barcelona zu Besuch. Wortlos kam Carlos Martinez zwar nicht, viel hatte er zu erzählen. Warum er Schauspieler werden wollte und nicht Fussballer. Was der Vater wollte, dass er wird: «Lehrer, Arzt oder Anwalt – etwas Normales halt. Habe ich seinen Wunsch erfüllt? Nein. Ich stehe seit über 40 Jahren auf der Bühne und bin glücklich dabei.» Machen, was man wirklich will, das war ihm ein Bedürfnis, den Kindern mit Worten zu raten, bevor er wortlos zu erzählen begann.
Die Freude am Ausprobieren
Dabei bediente der Pantomime sich unterschiedlicher Masken – mal grimmig, mal freundlich, mal erschreckt und auch einäugig; der Wechsel erfolgte innert Sekunden. Nur, Martinez trug keine Maske. Wie zuvor beim Gang in die Duschkabine, beim Gehen an Ort oder dem Abtasten nicht vorhandener Mauern, war auch das Spiel mit den Masken ein Werk einzig von Bewegung, Mimik und Körpersprache – und für die Kinder dazu da, ausprobiert und nachgeahmt zu werden.
Der 70-jährige Spanier steht seit 1982 als professioneller Schauspieler und Pantomime auf der Bühne, tritt an Festaivals auf, leitet Seminare und Work-Shops zum Thema Bühnenpräsenz und Körpersprache und ist an Schulen ein gern gesehener Gast. Nach Frick kam er auf Einladung der Kulturkommission zur Feier von «20 Jahre Kleinkunstbühne im Fricker Kornhauskeller».
«Dann lachen die Gefangenen nicht mehr»
Er trete auch in Gefängnissen auf, erzählte Calos Martinez den Fünftklässlern – ihnen gehörte die erste Lektion an diesem Freitagmorgen – was er hinter Gittern gerne spielt: wie er in ein Haus einbricht, sich mit Taschenlampe umsieht, den Tresor findet, öffnet, Schmuck entwendet – und von der Polizei auf frischer Tat ertappt wird. «Die Gefangenen lachen dann meistens und geben mir Tipps, wie man es besser macht. Dann mache ich Folgendes:» Martinez spielt die gleiche Szene rückwärts, Schritt für Schritt, bis er wieder draussen vor der verschlossenen Haustüre steht. «Wenn die Gefangenen das gesehen haben, lachen sie nicht mehr. Wisst ihr warum?»
Er wollte den Kindern mehr mitgeben als die Erinnerung an eine vergnügliche Einführung in die Kunst der Pantomime. Etwas, das bleibt: «Sie sollen sich so früh wie möglich bewusst sein, dass man im echten Leben nichts, was passiert ist, ungeschehen machen kann.»