Weniger Besucher, mehr Notfälle
22.08.2026 BrennpunktDie hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben rund 50 Prozent weniger Publikum als sonst in den Zeiher Vogelpark Ambigua gelockt. Aktuell entsteht hier eine neue Heilstätte für kranke, beeinträchtigte oder traumatisierte Vögel. Viele dieser Tiere stammen aus Beschlagnahmungen.
...Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben rund 50 Prozent weniger Publikum als sonst in den Zeiher Vogelpark Ambigua gelockt. Aktuell entsteht hier eine neue Heilstätte für kranke, beeinträchtigte oder traumatisierte Vögel. Viele dieser Tiere stammen aus Beschlagnahmungen.
Susanne Hörth
Das Telefon klingelt. Rolf Lanz schaut kurz auf das Display. «Da muss ich rangehen.» Sagt es, nimmt ab und verspricht einen Rückruf in einer Stunde. In Richtung der Schreibenden fügt er dann an: «Wir haben regelmässig Anfragen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen müssen wir absagen. Wir können keine weiteren Vögel aufnehmen.» Im Vogelpark Ambigua in Zeihen sind von den aktuell zirka 400 Tieren rund 300 Abgabevögel, hauptsächlich Papageien und Sittiche. Es handelt sich dabei vorwiegend um Beschlagnahmungen durch die Behörden – Zoll- oder Veterinärämter. Der Park ist eine der schweizweit wenigen offiziellen Auffangstationen. Vor mehr als zehn Jahren als eigentlicher Artenschutz für exotische Vögel von Rolf Lanz gegründet, hat sich die Arbeit des Parkteams zunehmend auf die Rundumbetreuung der aufgenommenen Tiere verlagert.
Ein neues Vogelhaus entsteht
Apropos Rundumbetreuung: Rolf Lanz zeigt auf die Stelle, wo noch vor kurzem das sanierungsbedürftige Vogelhaus Nummer 5 gestanden hat. Bis Herbst dieses Jahres entsteht hier eine Heilstätte für kranke, verletzte und traumatisierte Tiere. «Hier werden sie dann medizinisch betreut, haben Ruhe und erfahren eine liebevolle Betreuung.» Die teils sehr schlechten Zustände der aufgenommenen Vögel, unüberlegte Anschaffungen mit schneller Überforderung der Besitzer und immer wieder nicht artgerechte Haltung machen ihn und Betriebsleiterin Noemi Appert wütend wie auch traurig. «Jedes Mal, wenn wir eine telefonische oder per Mail erfolgte Anfrage ablehnen müssen, stellt sich zugleich das schlechte Gewissen ein. Was passiert jetzt mit den Tieren?» Wo das Herz so gern Ja sagen würde, übernimmt die Vernunft. Die Grenzen sind beim Platz, bei den personellen Ressourcen und ganz besonders auch bei den Finanzen gesetzt. Beim Stichwort Finanzen grinst Rolf Lanz. Er weiss, welche Frage jetzt kommt. «Die zirka 110 000 Franken für die neue Heilstätte können wir dank Spenden, Eigenmitteln und Eigenleistungen stemmen.» Ebenso die im Gleichzug des neuen Hauses geplante Erneuerung der Wasserund Elektroleitungen.
Er, der in seinem Leben schon viel Neues gewagt hatte, auch Risiken nie scheute, ist einem Grundsatz immer treu geblieben: Erst realisieren, wenn auch bezahlt werden kann. Schulden machen, war und ist für ihn keine Option. Für den Vogelpark Ambigua, der stets auf Spenden angewiesen ist, gilt das erst recht.
Hitze lässt Besucher fernbleiben
Eine gute Einnahmequelle sind immer auch die Eintritte. Normalerweise. Denn in diesem, bisher sehr heissen Sommer blieben viele Leute fern. «Wir mussten in den vergangenen Wochen einen Besucherschwund von rund 50 Prozent verzeichnen», bedauert Rolf Lanz. Was ihn hingegen sehr freut, sind die gut gebuchten Gruppenführungen, die Reservationen für Tagungen, Geburtstage und andere Anlässe. «Wir haben schon bis im nächsten Jahr Anmeldungen.» Möglich ist das auch durch das winterfest gemachte Parkbeizli.
Die Hitze und Trockenheit machen auch den Tieren im Park zu schaffen. Viele der Vögel halten sich statt in den Volieren in den zugehörigen Häusern auf. Täglich sorgt das Park-Team auch für erfrischende Duschen. Diese seien vor allem für die Gesundheit sehr wichtig, betont Lanz. Der Staub in den Gefiedern könne schnell zu Ekzemen führen.
Gepf legt werden wollen nicht nur die Tiere im Park. Der Unterhalt der Infrastrukturen inklusive der Grünanlagen erfordert ebenso den täglichen Einsatz des Parkteams, unabhängig von den hohen Temperaturen. Der haushälterische Umgang mit Wasser spielt dabei auch eine wichtige Rolle.
Es wäre nicht Rolf Lanz, wenn er für seinen Park nicht schon wieder weitere Pläne hätte. Dabei geht es weniger um Neues als vielmehr um den Erhalt und Unterhalt von Bestehendem; ebenso um Optimierung der täglichen Arbeitsabläufe. Zu letzterem zählt eine professionelle Futterküche. Erneuert werden soll die in die Jahre gekommene Inneneinrichtung des Vogelhauses Nummer drei. «Das aber alles erst im nächsten Jahr», so der Vogelpark-Gründer.


