«Weiss der Kanton, was da läuft?»
30.06.2026 OberhofAm Tag nachdem Wölflinswil Ja gesagt hat zum Verwaltungs-Alleingang beugte sich Oberhof über den Scherbenhaufen. Eine grosse Sorge: Der Streit der Gemeinderäte könnte sich auf die Bevölkerung ausweiten.
Simone Rufli
Es gab sechs Traktanden an der Gemeindeversammlung in ...
Am Tag nachdem Wölflinswil Ja gesagt hat zum Verwaltungs-Alleingang beugte sich Oberhof über den Scherbenhaufen. Eine grosse Sorge: Der Streit der Gemeinderäte könnte sich auf die Bevölkerung ausweiten.
Simone Rufli
Es gab sechs Traktanden an der Gemeindeversammlung in Oberhof. Am Ende zählt nur Traktandum 6, «Verschiedenes» und die Frage: was jetzt? Profitierte Oberhof jahrelang einseitig vom Gemeinschaftsverwaltungs-Vertrag? «Das wird behauptet», erklärte Gemeindeammann Roger Fricker und forderte von Wölflinswil einmal mehr den Beleg dafür. «Die Kosten wurden immer nach Einwohnerzahl aufgeschlüsselt und für die Räume zahlen wir Miete.» Er habe den Eindruck, beide Gemeinden würden von der Gemeinschaftsverwaltung profitieren. Ähnlich äusserten sich am Donnerstagabend auch die vier anderen Mitglieder des Gemeinderats. Gemeinsam war ihnen die Enttäuschung darüber, dass der Gemeinderat Wölflinswil, anstatt, «wie es sein Auftrag war, zusammen mit Oberhof einen Vorschlag für einen neuen Vertrag zu erarbeiten», den Alleingang gewählt hat. «Wir haben den Eindruck, Wölflinswil will gar keine Gemeinschaftsverwaltung mehr.»
Brücke des Vertrauens beschädigt
Die Voten aus der 61 Personen umfassenden Versammlung reichten von Unverständnis – «Weiss der Kanton, was da läuft? Das ist doch verrückt!», über Ursachenforschung
– «Das Hauptproblem ist doch das Zerwürfnis der beiden Gemeinderäte» – und Sorge – «Der Streit geht langsam über in die Bevölkerung»
– bis zu hoffnungsvollen Stimmen
– «Machen wir das Beste daraus.» Es gab Vergleiche: «Das ist wie bei einer Ehe – es tönt auf beiden Seiten anders.» Es gab Forderungen: «Man muss miteinander reden und bereit sein, nachzugeben.» Es gab Warnungen: «Die Brücke des Vertrauens wieder aufzubauen ist schwierig.» Und es gab die Frage nach dem effektiven Grund für diesen Schlamassel. «Wir begreifen es nicht.»
Für viele Antworten war es zu früh. Als nächstes werde der Gemeinderat Optionen prüfen und abklären, «was es kostet, wenn wir Leistungen bei umliegenden Gemeinden einkaufen». Auch bei Wölflinswil werde angefragt. «Aber es ist dann eine eingekaufte Leistung. Die Gemeinschaftsverwaltung ist gestorben», so Roger Fricker. Für Vizeammann Heinz Herzog stellt sich ein weiteres Problem: «Wenn wir Leistungen bei Wölflinswil einkaufen würden, müsste die Wöflinswiler Gemeindeversammlung über die Erhöhung der Stelleprozente abstimmen, die nötig wären, um unsere Dienste zu erfüllen. Sagt die Versammlung nein, haben wir wieder nichts.» Was auch geklärt werden müsse: «Wie geht es weiter mit dem Wasserverband, mit dem Forstbetrieb Wid und der Kirchgemeinde?»
Immerhin, schloss Roger Fricker, sei der Gemeinderat Wölf linswil jetzt nach der Gemeindeversammlung bereit für ein Gespräch unter Vermittlung der Gemeindeabteilung des Kantons.
Protokoll, Rechenschaftsbericht und Rechnung 2025 waren zuvor diskussionslos genehmigt worden. Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 245 000 Franken ab. Den beiden Kreditabrechnungen Ersatz Sportplatzbeleuchtung und Sanierung Hofzufahrten Pilger und Schwefelschür wurde zugestimmt, ebenso dem Kredit über 140 000 Franken für den Wasserleitungsersatz «Hinterbühlstrasse-Dorfstrasse». Gemeindeschreiberin Martina Schütz nach 25 Jahren und Strassenmeister Bruno Fricker nach 31 Jahren wurden würdig verabschiedet.

