Weise Menschen braucht das Land

  05.02.2026 Möhlin

In Scharen strömten am Samstag wieder Fasnächtlerinnen und Fasnächtler in die christkatholische Kirche St. Leodegar, ehe die Gugger der Fasnachtzunft Ryburg mit kräftigen Klängen eröffnete und die Ryburger Tambouren die Menschen in Vibration brachte. In feierlich-närrischem Einzug marschierten sie durch das Kirchenschiff, gefolgt von kostümierten Ministrantinnen, Lektorin Beatrice «Moraltante», den Amnesischen Brüdern sowie Pfarrer Christian Edringer als Don Christiano und Priester Stephan Feldhaus als Don Stefano.

Eindrucksvolle Predigt
Mit einem dreifachen «Narri, Narro!» eröffnete Don Christiano den Gottesdienst. «Was ist ein weiser Mensch?» – lautete die Frage des Gottesdienstes und er zitierte Antworten, die ihm die Amnesischen Brüder gaben: «Einer, der reflektiert und seine Lebenserfahrung teilt». «Jemand, der nicht überheblich, sondern bodenständig ist.» Musikalisch und liturgisch wechselten sich närrische und besinnliche Momente ab. Die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter wurde von Beatrice Waldmeier alias «Moraltante» gehalten: «Erwirb dir Weisheit, erwirb dir Einsicht!» – bereitete den Boden für Stephan Feldhaus alias Don Stefano. Auf der Kanzel hielt er eine eindrucksvolle Predigt in Reimform. Unter dem Leitmotiv «Weise Menschen braucht das Land» spannte er den Bogen vom Evangelium der Weisen aus dem Morgenland zur politischen und gesellschaftlichen Gegenwart. Machtgier, Narzissmus, Gewalt und Wegschauen wurden klar benannt – ebenso die Aufgabe, den «Herodes» nicht nur in den Mächtigen der Welt, sondern auch im eigenen Inneren zu erkennen. Die zentrale Botschaft liess er zum Merkvers werden, den jeder mitsprechen konnte: «Ich schreibe es an jede Wand: Weise Menschen braucht das Land. Ich schreibe einen Brief an mich: Weise Menschen brauch auch ich. Und schicke diesen Brief dir zu: Weise Menschen brauchst auch du.» Eine Standing Ovation zeigte, wie sehr diese Worte getroffen hatten.

Das Vaterunser erklang im Calypso-Rhythmus, und bei der Kommunion wurde die Kirche einmal mehr zum Raum der Gemeinschaft – närrisch, feierlich und getragen von grosser Freude. Mit dem Segen und einem letzten «Narri, Narro!» zog die bunte Schar wieder aus der Kirche aus.

Beim Apéro war man sich einig: Dieser Fasnachtsgottesdienst war ein starkes Zeichen dafür, dass Glaube, Humor und Verantwortung zusammengehören. (mgt)


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