«Weiherhaus» endlich gefunden

  29.01.2026 Fricktal

Archäologischer Fund im Baselbiet

Seit 90 Jahren steht die Vermutung im Raum, dass sich an der Rünenbergerstrasse ein festes Haus der Herren von Gelterkinden befunden hat. In den vergangenen Monaten konnte die Archäologie Baselland bei einer Rettungsgrabung ein Steingebäude mit ausserordentlich dicken Mauern freilegen, das ziemlich sicher als «Weiherhaus» identifiziert werden kann.

1936 beobachtete der Kunstmaler und Heimatforscher Fritz Pümpin an der Rünenbergerstrasse in Gelterkinden massive Mauerteile, die er als mittelalterlichen Wehrbau interpretierte. Er vermutete, dass es sich um das «Weiherhaus» handelt, das der Chronist Aegidius Tschudi um 1540 als Ruine beschrieben hatte. Weitere Abschnitte traten bei einer Untersuchung 2021 zutage. Bislang erlaubten die bekannten Spuren aber keine fundierte Datierung und Deutung des Bauwerks.

Ein Meter dicke Mauern
Seit November letzten Jahres ist die Archäologie Baselland in einer benachbarten Parzelle daran, das rätselhafte Gebäude auf einer grösseren Fläche freizulegen. Das Gebäude ist 14 Meter breit und mindestens 18 Meter lang. Die stattlichen Mauern sind einen Meter dick und reichen bis zu 1,5 Meter tief. Das Erdgeschoss war in mindestens drei Räume unterteilt. Nach einem begrenzten Feuerausbruch wurde dessen Boden erneuert. Ein zweites, katastrophales Brandereignis besiegelte das Ende des «festen Hauses». Die Mauern wurden anschliessend teilweise bis auf das Fundamentniveau abgetragen. Südlich des Mauervierecks wurde ein mindestens zwei Meter tiefer Graben angeschnitten, der wohl mit Wasser verfüllt war.

Adelssitz aus dem 15. Jahrhundert
Die Funde und die Qualität des Bauwerks zeigen: Es handelt sich um einen Adelssitz aus dem 14./15. Jahrhundert. Damit scheint nun klar, dass es sich tatsächlich um das gesuchte «Weiherhaus» handelt. Letzteres diente vielleicht den Herren von Gelterkinden als Ersatz für die um 1320 aufgegebene Burg Scheidegg. Von Wassergräben geschützte Adelssitze in den Talniederungen waren im späten Mittelalter im «Burgenland Baselbiet» recht verbreitet und hatten wegen ihrer bequemen Lage oft eine längere Lebensdauer als die Höhenburgen. Einige sind im Laufe der Zeit zu veritablen Schlössern ausgebaut worden, etwa in Bottmingen, Binningen oder Pratteln. Die Frage, wieso das Gelterkinder «Weiherhaus» bereits im 15. Jahrhundert einem Brand zum Opfer gefallen ist und danach verfiel, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. (mgt/nfz)


Einladung zum Tag der offenen Ausgrabung
Aufgrund des grossen öffentlichen Interesses lädt die Archäologie Baselland die Bevölkerung am Samstag, 31. Januar zwischen 14 und 16 Uhr, zu einem Tag der offenen Ausgrabung an die Rünenbergerstrasse 19 in Gelterkinden ein. Gutes Schuhwerk ist erforderlich. Es gibt keine Parkplätze vor Ort. Die nächstgelegene ÖV-Haltestelle ist Gelterkinden, Rünenbergerbrücke der Buslinien 103 und 104.


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