Weidetiere im Hitzestress
28.07.2026 FricktalSie fressen weniger, kommen seltener zum Wiederkäuen und müssen bereits jetzt mit Winterfutter versorgt werden – den Kühen bereitet die Hitze Probleme, den Landwirten Sorgen. Das FiBL steht beratend zur Seite.
Simone Rufli
«Wenn Kühe unter Hitzestress stehen, fressen sie ...
Sie fressen weniger, kommen seltener zum Wiederkäuen und müssen bereits jetzt mit Winterfutter versorgt werden – den Kühen bereitet die Hitze Probleme, den Landwirten Sorgen. Das FiBL steht beratend zur Seite.
Simone Rufli
«Wenn Kühe unter Hitzestress stehen, fressen sie weniger, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen – ein Selbstschutz», erklärt Adrian Krebs, Kommunikationsbeauftragter beim Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Dies habe Auswirkungen auf die Milchproduktion und mittelfristig auf die Fruchtbarkeit. «Die Kühe liegen auch weniger, wodurch das Wiederkäuen reduziert oder ganz eingestellt wird.» Milchkühe seien tendenziell hitzeanfälliger als Ziegen oder Schafe. Wobei auch genetisch bedingte Unterschiede bestünden. «Es gibt immer mehr Betriebe, die auch die Hitzeresistenz als Faktor in die Züchtungsarbeit aufnehmen.»
Um sie vor dem Hitzestress zu bewahren, könnten Kühe in der Nacht, in den frühen Morgenstunden bis zirka 10 Uhr oder erst wieder in der Dämmerung, allenfalls sogar für die ganze Nacht auf der Weide gelassen werden. Sind die Tiere während der heissen Tagesstunden draussen, seien eine genügende Wasserversorgung und Sonnenschutz essenziell. «Sind keine grossen Bäume vorhanden, helfen auch mobile oder provisorische Unterstände.» Auch wenn der Stall offen ist, sei es besser, die Kühe in der grössten Hitze im Stall zu behalten. «Sie sind dann nicht direkt der Sonne ausgesetzt und bei Temperaturen über 25 Grad laufen in vielen Ställen grosse Ventilatoren. Verfügt der Stall zusätzlich über eine Wasservernebelungsanlage, lässt sich der Kühleffekt noch erheblich verbessern.»
Hitze sei das eine Problem, die langanhaltende Trockenheit, deren Ende nicht absehbar ist, ein weiteres. Trotzdem: «Anders als auf den Alpen, wo die Quellen bereits teilweise versiegen und Wasser aus dem Tal auf die Berge transportiert werden muss, bereitet das Tränken auf den allermeisten Betrieben noch weniger Sorgen.» Gedanken um die Wasserversorgung müsse man sich trotzdem machen. «Ein grosses Thema sind beispielsweise Retentionsmassnahmen, also Auffangbecken für Regenwasser – wenn es dann wieder einmal richtig regnen sollte.»
Kein Graswachstum
«Seit Anfang Juni wächst aufgrund der fehlenden Niederschläge praktisch kein Gras mehr. Das führt dazu, dass auf vielen Betrieben bereits Winterfutter verabreicht wird, also die Heuernte vom Frühjahr 2026», so Adrian Krebs. Die Dürre lasse auch die Futterpreise stark ansteigen und die Situation werde sich weiter verschärfen. Denn: «Aufgrund des fehlenden Graswachstums auf den Alpen werden viele Tiere früher ins Unterland zurückkehren.» Viele Landwirtinnen und Landwirte versuchten, den Druck etwas zu lindern, indem sie einen Teil der Kühe früher schlachten als geplant. «Der Bauernverband befürchtet, dass die Preise dadurch wegen des Überangebots unter Druck geraten.»
Bio-Richtlinien temporär lockern?
Die Fütterungssituation und die Auswirkungen der Dürre auf die noch stehenden Kulturen führten dazu, dass das FiBL derzeit oft um Rat angefragt werde. Viele Anfragen im Biobereich richteten sich im Moment an den ebenfalls in Frick ansässigen Kontrolldienst bio.inspecta und an Bio Suisse. «Es geht darum, ob die Richtlinien, die besagen, dass Wiederkäuer zu 100 Prozent mit einheimischem Biofutter ernährt werden müssen, temporär gelockert werden können, damit im Notfall auch Importfutter verwendet werden könnte.»

