Oder warum Arbeit immer Lebenszeit ist.
Nicht nur die Generation Z stellt die Frage, welchen Stellenwert Arbeit im Leben haben sollte. Für viele genügt ein Gehalt längst nicht mehr. Wir wollen gestalten, beitragen, Sinnvolles tun und im Beruf ...
Oder warum Arbeit immer Lebenszeit ist.
Nicht nur die Generation Z stellt die Frage, welchen Stellenwert Arbeit im Leben haben sollte. Für viele genügt ein Gehalt längst nicht mehr. Wir wollen gestalten, beitragen, Sinnvolles tun und im Beruf Erfüllung erleben. Die klassische Trennung zwischen Arbeit und Leben ist überholt. Nicht nur die Arbeitnehmenden stehen in der Verantwortung, für eine ausgewogene Work-Life-Balance zu sorgen. Auch Organisationen sind gefordert – und zwar grundlegend. Es reicht nicht, Arbeitszeit zu bieten, sie müssen Lebenszeit ermöglichen. Sie sollen Räume eröffnen, in denen Menschen ihre Potenziale entfalten, Verantwortung übernehmen und Projekte mit echter Leidenschaft vorantreiben können.
Was wäre, wenn wir dieses Verständnis wirklich ernst nähmen? Stellen wir uns eine «Gegenwartskasse»* vor – als Ergänzung zur Pensionskasse. Eine freiwillige Kasse, gespeist aus Zeit oder Geld, solidarisch getragen von Arbeitgebern und Mitarbeitenden. Sie wirkt nicht erst am Ende der Karriere, sondern mitten im Leben. Aus ihr liessen sich sinnorientierte Vorhaben finanzieren: soziale Initiativen, Kreativzeiten – innerhalb oder ausserhalb des Unternehmens. Arbeit würde dabei nicht unterbrochen, sondern vertieft.
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• Was würde sich ändern, wenn wir jede Arbeitsstunde als unwiederbringliche Lebenszeit verstünden?
• Was verlieren Organisationen wirklich, wenn Mitarbeitende Sinn einfordern?
* Die Idee der Gegenwartskasse ist in einem Netzwerk aus Unternehmern und Wissenschaftlern entstanden und wird zurzeit als Prototyp in der Praxis getestet. Bei Interesse wenden Sie sich gerne an den Autor.
«Termin mit mir selbst» – die Einladung zu einem persönlichen Experiment:
Reservieren Sie in der kommenden Woche zwei Arbeitsstunden, um zu erkennen, was Sie wirklich, wirklich tun möchten. Suchen Sie nach Wegen, Ihrem Wunsch zu entsprechen – mit oder ohne Gegenwartskasse.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!