Schon einmal den Sog der Überforderung gespürt? Überfordert vom Zuviel, durch Ungewissheit oder das eigene Ich. Die naheliegende, häufig gewählte Gegenstrategie heisst: Aktionismus. Blinder Tatendrang.
Aus Mangel an Orientierung oder Erfahrung verstricken wir uns in eine ...
Schon einmal den Sog der Überforderung gespürt? Überfordert vom Zuviel, durch Ungewissheit oder das eigene Ich. Die naheliegende, häufig gewählte Gegenstrategie heisst: Aktionismus. Blinder Tatendrang.
Aus Mangel an Orientierung oder Erfahrung verstricken wir uns in eine Betriebsamkeit, die nach aussen dynamisch wirkt, aber erstaunlich wenig bewirkt. Das kurzfristig Dringliche verschwindet von der To-do-Liste – doch die langfristigen Fragen bleiben unbeantwortet. Aktionismus beruhigt das Gewissen, nicht die Lage. Das Beschäftigtsein wird zur Ersatzhandlung des Denkens. Dabei bedeutet nicht alles sofort zu tun keineswegs Passivität, sondern kluge Kräfteökonomie.
Was wäre, wenn wir Aktionismus nicht länger als produktiven Tatendrang verklären, sondern ihn als das benennen, was er häufig ist: eine toxische Verweigerung des Denkens? Dieser Perspektivwechsel irritiert – und befreit. Denn wer innehält, unterbricht die Hektik des Alltags und schafft Abstand. In dieser bewussten Unterbrechung liegt die Chance zur Emanzipation von der verführerischen Betriebsamkeit, die uns permanent beschäftigt – und doch nie befreit.
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• Welche meiner täglichen Aktivitäten erzeugen vor allem Bewegung – jedoch kaum Wirkung?
• Was verliere ich, wenn ich nicht permanent produktiv erscheine?
«Leerlauf wagen» – die Einladung zu einem persönlichen Experiment:
Planen Sie in der kommenden Woche bewusst 30 Minuten Nicht-Handeln ein. Kein Lesen, kein Abarbeiten, kein Scrollen. Nur Nachdenken: Was ist wirklich entscheidend – und was lediglich dringend? Schreiben Sie drei Konsequenzen auf. Und lassen Sie eine Aufgabe bewusst liegen.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!