Was es braucht, um es richtig jubeln zu lassen
05.03.2026 RheinfeldenIch konnte es schon von weitem hören, als ich an einem Samstagnachmittag auf der Kapuzinergasse unterwegs war: «Halleluja, Halleluja, Halleluja». Der berühmte Jubelchor aus Georg Friedrich Händels Oratorium «Messias». Cantus Rheinfelden bereitete sich in der ...
Ich konnte es schon von weitem hören, als ich an einem Samstagnachmittag auf der Kapuzinergasse unterwegs war: «Halleluja, Halleluja, Halleluja». Der berühmte Jubelchor aus Georg Friedrich Händels Oratorium «Messias». Cantus Rheinfelden bereitete sich in der ehemaligen Kapuzinerkirche auf seine Konzerte im März vor. Intensiv und konzentriert in einer vierstündigen Probe.
Edi Strub
Cantus ist ein Laienchor, aber einer mit Ambitionen. Seit Herbst wird wöchentlich geprobt für die Aufführung des «Messias» – zwischendurch zusätzlich am Samstagnachmittag. Dirigentin Angelika Hirsch versucht an diesen Samstagen, nicht nur den «Messias» zu proben, sondern den Chor auch allgemein sängerisch weiterzuentwickeln. Durch allerlei Übungen zur Stimmbildung, zum richtigen Atmen und zur Körperhaltung. Niemand hängt einfach im Stuhl, wenn die Dirigentin den Taktstock hebt. Alle setzen sich auf die vordere Stuhlkante, um frei und ungehindert atmen und die Stimme stützen zu können. Auch die Sprechtechnik wird trainiert, denn sie ist ein wichtiger Teil guten Singens. Und so bittet Angelika Hirsch, nicht einfach dreimal Halleluja, Halleluja, Halleluja zu singen. Sondern: Halle … L’uja, Halle … L’uja. Mit Betonung auf dem zweiten Wortteil und in einer ständigen Steigerung der Intensität. Nur so werde aus dem bloss Singen ein echtes Jubeln, wie von Händel beabsichtigt.
Angelika Hirsch empfiehlt den Sängern, dieses «Halle … L’uja» in der kommenden Woche auch zu Hause zu üben. In der Küche während des Aufwaschens oder wo auch immer. Auch wenn die Hausgenossen dann vielleicht den Kopf schütteln würden, wie sie scherzend bemerkt. Angelika Hirsch ist nicht nur Dirigentin und ausgebildete Chor- und Orchesterleiterin, sie studierte auch Stimmtherapie und Pädagogik und versucht, dieses besondere Wissen in ihren Proben zur Anwendung zu bringen.
Tönen, wie zu Händels Zeiten
Der Cantus-Chor ist ein sogenannter Projektchor. Die Sängerinnen und Sänger müssen nicht bei jedem Projekt mitmachen, aber wenn man mitmacht, dann mit vollem Engagement. Alle Mitglieder des Chors können Noten lesen und die meisten haben auch eine Musik-Ausbildung oder nehmen Gesangsstunden. Begleitet wird der Chor im März von der Camerata Basel, ein Ensemble von Berufsmusikern, die mehrheitlich aus der Schola Cantorum in Basel hervorgegangen sind. Das heisst, dass sie mit der sogenannten historischen Aufführungspraxis vertraut sind. «Der Sinn davon ist, es so tönen zu lassen, wie zu Händels Zeiten», sagte Angelika Hirsch. Das heisst zum Beispiel, dass, wenn immer möglich, auf alten Instrumenten gespielt wird, wie sie damals gebräuchlich waren. Entweder auf echt historischen oder nach alten Vorlagen nachgebauten. Das «Messias»-Oratorium basiert auf Texten des Alten und des Neuen Testaments und wird je nach Anlass (zum Beispiel Ostern oder Weihnachten) mit unterschiedlichen Sätzen gespielt. Es ist nicht eigentlich Kirchenmusik, die der Liturgie folgt, sondern erzählt sehr frei die Heilsgeschichte nach einem zeitgenössischen Libretto.
Ausnahmetalent mit dabei
Angelika Hirsch hat für die beiden Aufführungen vier hervorragende Solisten verpflichten können: Aline de Pasquier als Sopran, Jakob Pilgram als Tenor, Stefan Vock als Bass und Arnaud Gluck, einen jungen Countertenor als «Altus». Der Altus-Part wird in der Regel mit einer Altstimme besetzt, immer häufiger wieder von (männlichen) Countertenören, was diesen Sätzen einen besonderen Charakter und Klang verleiht. Arnaud Gluck hat eine unglaublich warme Stimme, biegsam und sehr wohlklingend. Er gilt als Ausnahmetalent unter den jungen Sängern, dem wohl eine grosse Karriere bevorsteht. Auf YouTube kann man ihn als Vorgeschmack auf sein Singen in Rheinfelden und Laufenburg in einem Ausschnitt aus Piangerò von Vivaldi hören.
Aufgeführt wird der «Messias» am 21. März, um 19 Uhr, in der Rheinfelder Stadtkirche und am 22. März, 17 Uhr, in der Laufenburger Stadtkirche. Karten sind unter 061 841 20 07, mspaar16@gmail.com oder an der Abendkasse erhältlich.

