Was die Schweiz zusammenhält – und was nicht
11.02.2026 RheinfeldenNeue Umfrage-Ergebnisse liegen vor
Zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum hat die Brauerei Feldschlösschen eine Studie zum Zusammenhalt in der Schweiz erstellen lassen. Die direkte Demokratie spielt für viele Befragte eine zentrale Rolle.
Valentin Zumsteg
Schon ...
Neue Umfrage-Ergebnisse liegen vor
Zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum hat die Brauerei Feldschlösschen eine Studie zum Zusammenhalt in der Schweiz erstellen lassen. Die direkte Demokratie spielt für viele Befragte eine zentrale Rolle.
Valentin Zumsteg
Schon Goethes Faust wollte wissen: «Was die Welt im Innersten zusammenhält?» Eine ähnliche Fragestellung – allerdings nur auf die Schweiz bezogen – liegt der Umfrage zugrunde, welche das Meinungsforschungsinstitut Sotomo im Auftrag von Feldschlösschen durchführte: «Was verbindet die Schweiz – und wo zeigen sich Risse im gesellschaftlichen Kitt?» Insgesamt 2495 Personen sind dazu von Ende Oktober bis Anfang November 2025 befragt worden. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ. Da bereits im Vorjahr eine Umfrage durchgeführt worden war, lassen sich die Ergebnisse vergleichen und Entwicklungen ablesen.
Im Grossen schwach, im Kleinen stark
Was sind die Erkenntnisse der Umfrage? Zusammenhalt ist für die Schweizer Bevölkerung ein unverzichtbarer Wert. Nur vier Prozent der Befragten empfinden ihn als unwichtig. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, was Zusammenhalt bedeutet: Solidarität, gemeinsame Regeln und nationale Identifikation sind zentrale Aspekte, die je nach politischer Ausrichtung variieren.
Zwei Drittel der Bevölkerung bewerten den Zusammenhalt als (eher) schwach. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen politischen Lagern, sozialen Schichten und zwischen Ansässigen und Zugewanderten. «Die aktuellen äusseren Krisen schwächen den inneren Zusammenhalt der Schweiz eher, als dass sie ihn stärken», erklärt Michael Hermann von Sotomo.
Positiver fällt die Einschätzung auf lokaler und persönlicher Ebene aus. «Im eigenen Wohnquartier wird der Zusammenhalt von 60 Prozent der Befragten als stark beschrieben.» Ebenfalls interessant, aber wenig erstaunlich: «Wer mehr verdient oder einen höheren Bildungsabschluss hat, schätzt den Zusammenhalt in der Schweiz als positiver ein als Personen, die über weniger Ressourcen verfügen. Auch deshalb ist es bemerkenswert, dass Zugewanderte den Zusammenhalt in der Schweiz deutlich positiver beurteilen als Personen, die in der Schweiz geboren sind», heisst es in der Studie. Zugewanderte erleben die Schweiz offenbar als ein Land mit einem guten sozialen Kitt. «Dies womöglich, weil sie es mit ihrem Herkunftsland vergleichen», vermutet Hermann.
Direkte Demokratie ist wichtig, Konkordanz weniger
Vertrauen ist eine wichtige Grundlage für Zusammenhalt. Laut Umfrage haben aber nur 36 Prozent der Befragten viel Vertrauen in die Schweizer Bevölkerung. «Dabei ist es ausgerechnet die Anhängerschaft der Schweizerischen Volkspartei, die am wenigsten in die Schweizer Bevölkerung vertraut», hält Sotomo fest. Die SVP-Basis beurteile auch den Zusammenhalt in der Schweiz am wenigsten positiv: «Nationalkonservative können heute nicht mehr bloss daraufsetzen, die Stärken der Schweiz zu bewahren – die Schweiz müsste in dieser Optik erst wieder stark gemacht werden.»
Die direkte Demokratie ist aus Sicht der Bevölkerung mit Abstand am wichtigsten für den inneren Zusammenhalt (72 Prozent). Konkordanz (26 Prozent) und Milizsystem (22 Prozent) fallen im Vergleich dazu ab.
Besondere Gemeinschaftsgefühle lösen oft beiläufige Begegnungen aus, wie etwa gemeinsames Sport schauen (44 Prozent), auswärts essen (35 Prozent) und zusammen ein Bier trinken (32 Prozent). Anders als viele erwarten würden, sind Meinungsunterschiede unter Freunden willkommen. Fast die Hälfte der Befragten pflegt enge Freundschaften auch mit Menschen, die politisch eine andere Haltung haben und zwei Drittel bewerten politische Differenzen in Freundschaften positiv.
Begegnungsorte sind wichtig
Gastronomischen, aber auch nichtkommerziellen Begegnungsorten messen gut vier Fünftel der Befragten eine wichtige Rolle zu. In grösseren Städten beurteilen rund zwei Drittel das gastronomische Angebot als gut oder sehr gut. Auf dem Land ist es nur rund ein Drittel. «Der Befund ist bedeutsam: Wer mit den Begegnungsorten in seinem Wohnort unzufrieden ist, nimmt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt kritischer wahr.» Mit anderen Worten: Die Schweiz braucht wieder mehr Beizen und andere Begegnungsstätten – und mehr Leute, die sie besuchen. Diese Erkenntnis dürfte auch Feldschlösschen gefallen.

