Das Spital – eine eigene kleine Welt
25.06.2026 KolumneLilly Wegmann
Von aussen betrachtet ist es ein ganz normales Gebäude. Keine Sehenswürdigkeit, kein Ort, an dem man freiwillig seine Freizeit verbringen würde. Es ist einfach ein Spital. Vor einer Woche war ich selbst noch eine von diesen Personen, die täglich daran vorbeikommen, kurz ...
Lilly Wegmann
Von aussen betrachtet ist es ein ganz normales Gebäude. Keine Sehenswürdigkeit, kein Ort, an dem man freiwillig seine Freizeit verbringen würde. Es ist einfach ein Spital. Vor einer Woche war ich selbst noch eine von diesen Personen, die täglich daran vorbeikommen, kurz hinschauen und dann weitergehen. Doch was sich hinter diesen Mauern abspielt, das wissen viele nicht so genau.
Erst wenn man einen Blick hinter die Kulissen werfen darf, merkt man, dass dieses Gebäude viel mehr ist als Beton, Glas und lange Gänge. Es ist eine eigene kleine Welt. Eine Welt, in der Pflegerinnen und Pfleger Tag für Tag Menschen begleiten, trösten und versorgen. Eine Welt, in der Ärztinnen und Ärzte Entscheidungen treffen müssen, die manchmal innerhalb von Sekunden gefällt werden müssen. Eine Welt, in der MPAs unzählige Termine organisieren, Operationen organisieren und dafür sorgen, dass der Alltag überhaupt funktioniert. Und eine Welt, in der Reinigungskräfte oft unbemerkt dafür sorgen, dass alles sauber, hygienisch und sicher bleibt. Jede einzelne Person trägt dazu bei, dass die Patientinnen und Patienten ihre Betreuung bekommen.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Selbstverständlichkeit, mit der viele Mitarbeitende ihre Arbeit erledigen. Die Ärztinnen und Ärzte tragen ständig ihre Telefone bei sich. Immer erreichbar, immer bereit, falls irgendwo Hilfe benötigt wird. Selbst während des Mittagessens werden sie manchmal unterbrochen und dann kehren sie direkt zu ihren Patientinnen und Patienten zurück. Natürlich hat mich das enorme Wissen der Mitarbeitenden beeindruckt. Egal, ob in der Pflege oder in der Medizin, die Menge an Wissen, die sie täglich anwenden, ist unglaublich. Doch fast noch beeindruckender fand ich die Verantwortung, die sie tragen. Für viele Menschen ist ein Spitalbesuch etwas Aussergewöhnliches oder sogar Beängstigendes. Für die Mitarbeitenden gehört es zum Alltag, trotzdem behandeln sie jeden Menschen individuell.
Ein Spital ist auch ein Ort, an dem das ganze Leben zusammenkommt. In den Gängen hört man unterschiedliche Sprachen, sieht unterschiedliche Kulturen und begegnet Menschen mit völlig verschiedenen Geschichten. Und trotzdem haben alle etwas gemeinsam: Für einen Moment kreuzen sich ihre Wege an diesem Ort.
Seit meinem Einblick als Praktikantin im Spital sehe ich das Gebäude mit anderen Augen. Es ist nicht mehr einfach nur ein Spital, an dem ich vorbeifahre. Hinter jeder Tür, hinter jedem Fenster und auf jedem Stockwerk arbeiten Menschen mit grossem Engagement daran, anderen zu helfen.
Vielleicht sollten wir uns deshalb öfter bewusst machen, was hinter den Fassaden solcher Gebäude geschieht. Denn von aussen mag ein Spital unscheinbar wirken. Doch innen steckt eine Welt voller Wissen, Verantwortung, Teamarbeit und Menschlichkeit.
Lilly Wegmann ist 18 Jahre alt und wohnhaft in Rheinfelden. Sie besucht das Gymnasium Leonhard in Basel und macht ein einwöchiges Praktikum bei der NFZ.

