Was das Alter neu verspricht
24.01.2026 Rheinfelden, FOKUSDenise Buser zu Gast in Rheinfelden
«Die Altenboomer. Was das Leben jetzt verspricht» (2025), so heisst das neue Buch der Juristin Denise Buser. Die langjährige Richterin am Basler Strafgericht geht am kommenden Mittwoch, 28. Januar, im Gespräch mit Soziologe Ueli ...
Denise Buser zu Gast in Rheinfelden
«Die Altenboomer. Was das Leben jetzt verspricht» (2025), so heisst das neue Buch der Juristin Denise Buser. Die langjährige Richterin am Basler Strafgericht geht am kommenden Mittwoch, 28. Januar, im Gespräch mit Soziologe Ueli Mäder darauf ein, wie gängige Vorstellungen das eigene Älterwerden stressen. Und sie empfiehlt ganz einfach: «Chill mal! Schritttempo tut es auch, statt durchzustarten.»
Offen darüber reden
Buser richtet ihr Buch an uns alle, die wir älter und alt werden. «Diesen Prozess machen alle durch», schreibt sie, «im Unterschied etwa zu Arbeitslosigkeit oder einer schweren Krankheit.» Wir könnten deshalb offener miteinander darüber reden und uns gegenseitig ermutigen, die guten Stunden im dritten Lebensabschnitt zu entdecken. Wobei das Alter kein separates Anhängsel sei: «Man ist ja nicht plötzlich alt», so die emeritierte Titularprofessorin für kantonales Staatsrecht an der Universität Basel. Viel hängt laut Buser von der eigenen Einstellung und davon ab, ob wir uns eher auf zunehmende Einschränkungen oder auf neue Freiheiten konzentrierten. Die Autorin geniesst die frei verfügbare Zeit. Nebst Genuss bescherten die «bezahlten Dauerferien» indes auch «unvermeidlichen Ärger». Wer ihn verdränge, verleihe ihm bloss mehr Gewicht.
Der rasante Wandel der Arbeitswelt bringe mit seinen technologischen Herausforderungen viele Ältere an ihr Limit, die sich dann umso mehr auf das Loslassen, ehrenamtliche Einsätze, Weiterbildungen und kulturelle Angebote freuten. Solche stünden auch für schmälere Budgets zur Verfügung. Persönlich wünscht sich Buser noch mehr Einrichtungen, «wo sich junge und ältere Menschen zwanglos treffen können». Beim Spazieren käme sie auch ab und zu an einer Sitz-Bank vorbei, auf der sehr bedenkenswert stehe: «Kennst Du Deine Privilegien?»
Demut und Mut gehören zusammen
Das Buch enthält drei Teile sowie persönliche Vor- und Nachworte. Im Vorwort berichtet die Autorin zunächst von ihrem Vater, der seine Arbeitsstelle verlor und keine neue mehr fand. Im Nachwort und Ausblick thematisiert sie, wie eine frühe Krebsdiagnose ihr Leben verändert hat: «In der Krankheit habe ich gelernt, dass Demut und Mut zusammengehören.» Im ersten Teil setzt sich Buser anhand von Bildern mit der Vergänglichkeit auseinander. Hilfreich sei etwa, Sexualität und Zärtlichkeit spielerisch zu pflegen, Ehrgeiz entspannter anzugehen, Schönheit selbst zu definieren, Verletzlichkeit zu zeigen und sich mit dem Alter zu versöhnen.
Im zweiten Teil fragt Buser bezüglich Überforderungen: Was tun, wenn das Bedienen einer Waschmaschine schon fast ein Studium erfordert? «Ich muss und will nicht mehr alles mitmachen», antwortet sie. Der Rückzug könne aber auch einsam machen. Wichtig sei deshalb, Hilfe anzunehmen und bei andern anzuklopfen. Sie selbst engagiert sich bei der Vereinigung «Mensch im Recht». Würde im Alter verlange, bis zuletzt Haltung zu bewahren. Was das heisst, führt Buser im dritten Teil aus. Natur vermittle Trost und Hoffnung. Wer sie sinnlich wahrnehme und sich gerne in ihr bewege, regeneriere besser und verbittere wohl weniger. Und ja, ein wichtiger Sinn des Lebens bestehe eben darin zu leben, erklärt sie und zitiert noch, was Philosoph Cicero ein paar Jahrzehnte vor unserer Zeitrechnung über das Alter sagte: «Wenn ich mich aber darin irre, dass ich an die Unsterblichkeit der Seele glaube, so irre ich mich gern».
Die Rheinfelder «Buchoase am Rhy» legt das Buch über die Altenboomer an einem Stand im Schützen auf. Zusammen mit weiteren Büchern zum Thema. Soeben erschienen ist von Marc Joset: «Beherzt voran!» (2025) Der Autor porträtiert die Baselbieter alt Nationalrätin Angeline Fankhauser. Er nimmt an der Veranstaltung im Schützen teil und wirkt im Schweizerischen Seniorenrat mit, der den Bundesrat in Altersfragen berät. (mgt)
Die Altenboomer: Mittwoch, 28. Januar 2026, 19.30 bis 21 Uhr, im Hotel Schützen (Bahnhofstrasse 19, Rheinfelden). Gast: Denise Buser. Musik: Peter Schmid. Moderation: Ueli Mäder. Eintritt: 15 Franken. Anmeldung: https://www.schuetzenhotels.ch/de/entdecken

