Warten, bis irgendwo ein Platz frei wird
01.09.2023 BrennpunktDie wieder steigende Zahl von Flüchtlingen führt dazu, dass manche von ihnen länger in der kantonalen Zwischenunterkunft in Frick ausharren müssen. Sie brauchen Geduld, bis ihnen eine definitive Bleibe zugewiesen wird.
Susanne Hörth
Während sich ...
Die wieder steigende Zahl von Flüchtlingen führt dazu, dass manche von ihnen länger in der kantonalen Zwischenunterkunft in Frick ausharren müssen. Sie brauchen Geduld, bis ihnen eine definitive Bleibe zugewiesen wird.
Susanne Hörth
Während sich zwei Jugendliche den Ball über die Tischtennisplatte zuspielen, werden sie von fünf anderen zu noch besseren Leistungen angefeuert. Einige Meter entfernt vergnügen sich zwei Buben auf einer Plastikrutsche. Ein anderes Spielgerät steht auf dem kleinen Aussenplatz nicht zur Verfügung. Es ist an diesem späteren Mittwochnachmittag sehr ruhig in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick. «Heute war der wöchentliche Auszahlungstag. Dann gehen viele im Ort zum Lebensmittel einkaufen», erklärt Zentrumsleiter Ignacio Hernández von der Betreuungsorganisation ORS. Nach dem Einkauf kehren die Menschen wieder zurück in den Werkhof. Zurück in die kleinen Wohncontainer, die sich in der grossen dunklen Halle dicht aneinanderreihen. Die Wohnsituation kann als bedrückend empfunden werden, hier möchte niemand lange bleiben.
Am 28. August hielten sich laut Michel Hassler, Leiter Kommunikation beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS), 136 Personen in der Unterkunft auf. «Der Grossteil der Bewohner sind Frauen und Kinder», so Hassler. 51 Frauen und 58 Kinder sowie 27 erwachsene Männer sind es am genannten Stichtag. Die Frage, ob es aktuell mehr Leute als sonst sind, kann der Departementssprecher so nicht bejahen. «Seit der Eröffnung gab es vereinzelt Phasen mit hohen Zuweisungen von Personen mit Schutzstatus S, die dazu führten, dass die Unterkunft kurzfristig voll belegt war.» Was Hassler nicht verhehlt, ist der sehr intensive Betrieb aufgrund der zahlreichen Ein- und Austritte. Trotz dieser Intensität hätte bisher ein ruhiger und geregelter Betrieb sichergestellt werden können. Das bestätigt auch Zentrumsleiter Hernández. Michel Hassler gibt an, dass sich Probleme mit oder zwischen den Geflüchteten im normalen zwischenmenschlichen Rahmen bewegen würden. «Die Unterkunft als Erstaufenthalt für Geflüchtete mit Schutzstatus S im Kanton Aargau hat sich bisher gut bewährt.»
Geduld ist gefordert
Vor der Türe zur Gemeinschaftsküche warten Marina und Lidja. Sie müssen sich noch einen Moment gedulden. Die Küche ist während zweier Stunden zu, öffnet um 16 Uhr wieder. Sie sei erst seit kurzem hier, sagt Marina. Die ältere Lidja schon etwas länger. Die beiden Frauen lächeln immer wieder, nehmen die Gelegenheit für ein Gespräch gerne an. Ja, natürlich würden sie sich freuen, wenn es für sie bald einen anderen Ort zum Wohnen gibt, betonen beide. Schön wäre es, wenn sie zusammenbleiben könnten. «Wir kennen uns erst kurz, aber es ist schon eine sehr enge Freundschaft entstanden», erklärt Marina.
Der Kanton Aargau bringt die geflüchteten Menschen mit Schutzstatus S im A3-Werkhof unter, bis eine definitive Bleibe für sie gefunden werden kann. Von maximal drei Wochen war die Rede bei Inbetriebnahme der Unterkunft. Und heute? Darauf DGS-Sprecher Michel Hassler: «Das ist je nach untergebrachten Personen unterschiedlich und hängt davon ab, ob passende Plätze in den Gemeinden oder anderen kantonalen Unterkünfte zur Verfügung stehen. In der Regel sind es einige Woche bis Monate.»
Die anfängliche Bereitschaft von privaten Gastgebern, ukrainische Gef lüchtete bei sich aufzunehmen, nimmt immer mehr ab. Wenn Privatunterbringungen zu Ende gehen, muss die Wohngemeinde eine kommunale Alternative sicherstellen können. «Angesichts der bereits knappen, verfügbaren freien Plätze in Gemeinden bedeutet das für den Kantonalen Sozialdienst, dass die Zuweisung von in die Zuständigkeit der Gemeinden fallenden Personen im Asylbereich immer schwieriger wird», erklärt Hassler. Auch der Kantonale Sozialdienst brauche in der Folge zusätzliche Unterbringungskapazitäten.




