Wachstum hier, Abbau dort

  02.04.2026 Wirtschaft, Stein

Aargauer Regierung ordnet Novartis-Stellenabbau ein: Der Ende November 2025 angekündigte Abbau von 550 Stellen bei Novartis in Stein beschäftigt weiterhin die Politik. Der Regierungsrat hat aktuell auf eine im Januar eingereichte Interpellation von SP-Grossrätin Mia Jenni geantwortet.

Susanne Hörth

Die Parlamentarierin aus Obersiggenthal stellte unter anderem die Frage, ob beim Stellenabbau bei Novartis in Stein ein Zusammenhang zwischen den US-Zolldrohungen und möglichen Produktionsverlagerungen in die USA bestehe. Der Regierungsrat bedauert erneut den Stellenabbau und betont, dass er für Region und Kanton nachteilig sei, da der Aargau im Vergleich zur Bevölkerung weniger Arbeitsplätze aufweise als andere Kantone. Zu den US-Zöllen habe er sich bereits mehrfach geäussert; die Unsicherheiten bestünden weiterhin. Dennoch sehe die Regierung keinen direkten Zusammenhang, da solche Entscheide nicht innert weniger Monate getroffen würden und die Produktion in Stein eher in europäische Länder verlagert werden solle.

Die Pharmabranche befinde sich im Fricktal weiterhin auf Wachstumskurs, so der Regierungsrat und nennt als Beispiele Lonza, die seit 2021 über 1000 neue Stellen geschaffen hat, sowie Bachem, deren neuer Standort in Eiken planmässig voranschreitet. Gleichzeitig verlagere die Branche einfache, arbeitsintensive Produktionen zunehmend ins Ausland und konzentriere sich in der Schweiz auf Forschung, Entwicklung und automatisierte Prozesse. Der Stellenabbau bei Novartis entspreche diesem Muster.

Auf die Frage, was der Regierungsrat gegen den Stellenabbau unternehme, erklärt dieser, dass keine einzelbetrieblichen Massnahmen möglich seien – weder Vorgaben noch Subventionen. Stattdessen wolle man die Standortqualität weiter verbessern, um wertschöpfungsintensive Unternehmen anzuziehen und ansässige Firmen bei ihrer Expansion zu unterstützen.

Versorgungssicherheit
Mia Jenni äussert auch ihre Bedenken betreffend des Novartis-Entscheids im Hinblick auf die zunehmend komplizierte Lage bei der Versorgungssicherheit bezüglich Tabletten und Kapseln. Hierzu stellt der Regierungsrat fest, dass Lieferengpässe bei Medikamenten seit Jahren zunehmen – in der Schweiz wie international. Besonders betroffen seien Generika und ältere Präparate wie Schmerzmittel, Impfstoffe, Insulin und Antibiotika. Der Entscheid von Novartis, die Produktion von Tabletten und Kapseln in Stein einzustellen und sich auf neue Technologien und sterile Produkte zu konzentrieren, passe in diese Entwicklung.

Die Sicherstellung der Medikamentenversorgung sei ein wichtiges Anliegen. Der Kanton Aargau habe bereits 2020 eine Standesinitiative eingereicht, die rasche Massnahmen des Bundes forderte. Obwohl das Anliegen anerkannt wurde, lehnte die Bundesversammlung die Initiative 2022 ab, da bereits Arbeiten im zuständigen Departement liefen. Fachgruppen empfehlen inzwischen, bestehende Produktionskompetenzen im Inland zu sichern.

Der Regierungsrat bedauert daher den Wegfall der Tabletten- und Kapselproduktion in Stein, begrüsst jedoch, dass weiterhin Arzneimittel hergestellt werden. Da die Medikamentenversorgung primär Aufgabe des Privatsektors sei und Bund wie Kantone keine rechtliche Grundlage für Eingriffe in Produktionsentscheide hätten, könne Novartis nicht vorgeschrieben werden, welche Medikamente wo produziert werden.


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