«Von diesem Moment habe ich geträumt»
18.10.2026 PersönlichRyan Kessler (21), Fricktaler Fussballtalent im Kader des FC Sion
Warum ihn der Superligist ins Wallis geholt hat? Weil es vom Rechtsverteidiger heisst, er gehöre auf seiner Position zu den Besten seines Jahrgangs. Diesem Ruf will Ryan Kessler gerecht werden. Dafür ist der ...
Ryan Kessler (21), Fricktaler Fussballtalent im Kader des FC Sion
Warum ihn der Superligist ins Wallis geholt hat? Weil es vom Rechtsverteidiger heisst, er gehöre auf seiner Position zu den Besten seines Jahrgangs. Diesem Ruf will Ryan Kessler gerecht werden. Dafür ist der 21-Jährige aus Hornussen bereit, beim FC Sion alles zu geben.
Simone Rufli
«Seit ich klein bin, träume ich davon, Fussballprofi zu werden. Ich hoffe, dass ich in ein paar Jahren in der Super League spielen kann und eines Tages vielleicht sogar in der Premier League.» Was Ryan Kessler im November 2023 im Clubhaus des FC Frick im Gespräch mit der NFZ als Wunsch formuliert hat, ist – was die Super League betrifft – am 10. Mai dieses Jahres ein erstes Mal Realität geworden. Als der FC Sion im Meisterschaftsspiel den FC Thun mit 2:0 besiegte, stand der Fricktaler auf dem Platz. Zehn grossartige Minuten lang. «Eine riesen Erfahrung!», so Ryan Kessler. «Von diesem Moment habe ich geträumt», meinte er vor ein paar Tagen – diesmal am Telefon.
Seit Februar gehört der Fricktaler zum Kader der ersten Mannschaft des FC Sion, wohnt er, unweit von Teamkollegen, nur fünf Minuten vom Trainingsgelände entfernt, wo er seit nunmehr acht Monaten beinahe täglich trainiert.
Im Februar hat Kessler einen Dreijahresvertrag beim Walliser Superligisten unterschrieben. Ein Meilenstein in der jungen Karriere und in sportlicher Hinsicht ein grosser Schritt, wie Kessler selber sagt: «Natürlich muss ich im Training noch viel an mir arbeiten, bevor es für mehr Spielzeit reicht. Aber ich trainiere hart und gebe mein Bestes, um mich weiterzuentwickeln und dem schnelleren und präziseren Spiel, der härteren Konkurrenz und dem anspruchsvolleren Rhythmus der Super League immer näher zu kommen.» Was sich ihm beim FC Sion biete, sei ein riesige Chance. «Ich habe mich zum Wechsel entschieden, weil es ein Privileg ist, wenn ein Super League-Verein wie der FC Sion einen jungen Spieler zu sich holen und fördern will.» Und nach einer kurzen Pause: «Es konnte mir niemand versichern, dass diese Chance später noch einmal gekommen wäre.»
Ein wohlüberlegter Schritt
Vor eineinhalb Jahren, so Kessler, habe der FC Sion schon einmal beim FC Aarau angeklopft und Interesse signalisiert. War es damals zu früh, kam die Anfrage diesmal zum richtigen Zeitpunkt. Seit Februar spielt sich Kesslers Leben im Wallis ab. Diesen Schritt, der ihn seinem Traum vom Profifussball entscheidend näher bringen soll, habe er wohlüberlegt gemacht. Während der FC Sion mit dem FC Aarau über die Ablösemodalitäten verhandelte, führte Ryan intensive Gespräche mit seiner Familie und seinem Berater.
Mit dem Ergebnis, dass der 21-Jährige seine Karrierepläne mindestens bis im Juni 2029 (mit Option auf Verlängerung) im Wallis weiterverfolgt. Für den FC Sion sei dieser Transfer «Teil einer langfristigen Vision und des Bestrebens, auf in der Schweiz ausgebildete Spieler zu setzen, die der Philosophie des Clubs entsprechen», lässt sich der Sittener Sportdirektor auf der Club-Webseite zitieren.
Sport-Kanti abgeschlossen
Wie intensiv Ryan Kessler an seinem Traum arbeitet, welche Opfer er für die Profi-Karriere zu bringen bereit ist, beweist er nicht nur im Athletik-Training im Gym und auf dem Fussballplatz. Kessler bewies es diesen Sommer auch neben dem Platz eindrücklich. In enger Absprache mit der Sport-Kanti in Aarau – zur Hauptsache aber im Eigenstudium – bereitete er sich auf die Maturaprüfungen vor. «Die Schulleitung kam mir so weit entgegen, dass ich die meiste Zeit im Homeschooling arbeiten konnte und nur für gewisse Prüfungen nach Aarau gehen musste, wo ich dann auch mehrere Prüfungen an einem Tag absolvieren konnte.» Und wie ist es gelaufen? «Ich habe die Matura bestanden!»
Der Schulabschluss sei für ihn ein wichtiges Etappenziel, hält Kessler fest. Denn: «Auch wenn ich mich jetzt ganz auf den Fussball konzentriere, ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, später ein Fernstudium in Angriff nehmen zu können.»
Fortschritte auch im Französisch
Ganz ohne Studium bereits recht fortgeschritten sei er, was das Französisch anbelangt, so Kessler schmunzelnd. «Der Anfang war holprig. Mein Schulfranzösisch war nicht überragend. Aber nach acht Monaten verstehe ich 90 Prozent aller Gespräche problemlos und ich kann mich auch gut mit meinen Teamkollegen unterhalten.»
Dass er in der Westschweiz viele Kilometer und rund drei Stunden entfernt von der Familie lebt, sieht er positiv: «Die Umstände haben mich in kurzer Zeit erwachsen werden lassen. Dass dies in einem neuen sprachlichen Umfeld passierte, freut mich. Und weil meine Familie, die Freundin und meine Freunde oft zu Besuch ins Wallis kommen, kann ich die Beziehungen auch über die Distanz pflegen.»
In der Super League Fuss fassen
Ryan Kessler ist der Sohn von Marc-Alain Kessler, der zusammen mit Ivan Petrovic mehrere Jahre lang die erste Mannschaft des FC Frick trainierte. Ryans drei Jahre älterer Bruder Levin spielt beim FC Frick, Grossvater Ambrosius Kessler gründete und leitete beim FC Frick einst eine Italienermannschaft, war viele Jahre lang Juniorentrainer in Aarau und in der U9 beim FC Aarau Ryans Trainer. Ryan selber war nach seinem Wechsel vom FC Frick während mehrerer Jahre im Aarauer Nachwuchs ausgebildet worden, ehe er im Sommer 2023 in die 1. Mannschaft aufgenommen wurde; er absolvierte 58 Pflichtspiele im FCA-Trikot und sammelte internationale Erfahrung in der Schweizer U19- und in der U20-Equipe, die er auch als Captain anführen durfte. Mit dem 21. Geburtstag im August und dem Aus des Schweizer U21-Teams in der Qualifikation zur EM 2027 (Anfang Oktober) endete auch Kesslers Zeit im U21-National-Team.
Auch wenn der Weg dorthin noch weit scheint, in der A-Nationalmannschaft würde er gerne einmal spielen. Zuerst aber will der Fricktaler jetzt im Team von Trainer Didier Tholot und in der Super League Fuss fassen.

