Von der Warteliste in die Weltelite
21.07.2026 MöhlinFabienne Hoenke hat ihr erstes Diamond League Meeting bestritten – und wie!
Fokussiert bleiben und trotzdem Stimmung, Umfeld und Energie des Augenblicks mitnehmen; «das ist mir gelungen», sagt Leichtathletin Fabienne Hoenke. Ihre Premiere an einem Diamond League Meeting: «ein ...
Fabienne Hoenke hat ihr erstes Diamond League Meeting bestritten – und wie!
Fokussiert bleiben und trotzdem Stimmung, Umfeld und Energie des Augenblicks mitnehmen; «das ist mir gelungen», sagt Leichtathletin Fabienne Hoenke. Ihre Premiere an einem Diamond League Meeting: «ein überwältigendes Erlebnis». Ein Rückblick.
Simone Rufli
Besser hätte es Fabienne Hoenke bei ihrem Debüt an einem Diamond League Meeting nicht laufen können: Mit der Zeit von 22,50 verbesserte sie in Monaco ihre Persönliche Bestzeit (PB) über die 200 Meter erneut und das um 9 Hundertstelsekunden. Doch wie kam die Möhlinerin überhaupt zu einem der begehrten Startplätze an einem Meeting dieser prestigeträchtigsten und bestbesetzten Serie von Eintages-Meetings? Fabienne Hoenke lacht. «Ganz einfach. Der Nationalcoach hat mich auf die Warteliste gesetzt. Als dann eine Bahn freigeblieben ist – was bei einem Meeting immer passieren kann, wenn eine Athletin kurzfristig nicht antreten kann – wurde mein Manager angefragt, ob ich starten wolle.» Sie habe nicht lange überlegen müssen: «Klar wollte ich diese Chance ergreifen!» Das war zwei Tage vor dem Meeting, in einer ganz gewöhnlichen Trainingswoche.
«Speziell vorbereiten konnte ich mich in der kurzen Zeit natürlich nicht. Ich glaube, das war auch besser so.» Es sei nämlich schon sehr speziell gewesen, sagt die Fricktalerin und ihre Freude ist auch Tage nach der Premiere noch spürbar: «Plötzlich stehe ich zusammen mit zwei Olympiasiegerinnen am Start. Julien Alfred und Gabby Thomas habe ich bisher am Fernsehen angefeuert – und dann laufe ich neben ihnen auf der Bahn. Das ist schon unglaublich.» Zur Erinnerung: Julien Alfred wurde 2024 in Paris Olympiasiegerin über 100 Meter, Gabby Thomas Olympiasiegerin über 200 m.
Keine Zeit, nervös zu werden
«Ich denke, es war es sogar ein Vorteil, dass alles innerhalb von zwei Tagen passierte. Ich hatte gar keine Zeit, übermässig nervös zu werden.» Und mit Blick auf ihre sensationelle Zeit: «Vom Trainingsstand her ist Monaco zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Ich stecke mitten in den Vorbereitungen auf die Schweizermeisterschaften vom 25. und 26. Juli in Zürich.» Um den Flug nach und das Hotel in Monaco musste sie sich nicht kümmern. Organisation und Kosten seien vom Verband übernommen worden. Als Teilnehmerin habe sie ein Preisgeld bekommen. «Natürlich war ich am Start dann trotzdem nervös. Aber es ist mir gelungen, die Energie aus dieser Stimmung und dem ganzen Umfeld in diesem wunderschönen Stadion mitzunehmen und trotzdem auf mein Rennen und meine Bahn fokussiert zu bleiben.» Sie lacht. «Bei der Konzentration geholfen hat mir sicher auch, dass die vorne für mich unerreichbar waren.»
«Für mich noch unvorstellbar»
Fabienne Hoenke hat in Monaco mit 22,50 Sekunden bereits wieder eine neuen Persönliche Bestzeit aufgestellt. Wohin führt das noch? Sie lacht: «Ich habe viel Vertrauen in mich, aber eine Zeit unter 22 Sekunden, wie sie Julien Alfred gelaufen ist, ist für mich noch unvorstellbar und wurde auch noch von keiner Schweizerin gelaufen.»
Den aktuellen Schweizer Rekord über 200 Meter hält Mujinga Kambundji mit 22,05 Sekunden. Aber: Fabienne Hoenke ist jetzt schon schneller, als Mujinga Kambundji in ihrem Alter war. Spürt die Fricktalerin diesen Druck, die Erwartungshaltung? «Nachdem ich intensiver an der mentalen Stärke gearbeitet habe, gelingt es mir recht gut, das auszublenden, wenn es drauf ankommt – aber ich setze mir keine Grenzen, was die Zeit angeht, wir werden sehen.»
Die nächste Gelegenheit bietet sich Fabienne Hoenke bereits an der SM in Zürich, eine weitere dann Mitte August, an der EM in Birmingham. Steigen die Chancen nun auf einen Startplatz an der «Athletissima» in Lausanne oder bei «Weltklasse Zürich»? «Es wäre schon toll, vor Heimpublikum laufen zu können.»

