Von der Blériot XI von 1909 bis zur F-35 von heute
11.02.2025 MöhlinAusstellung der Modellfluggruppe Fricktal in Möhlin
Die Modellfluggruppe Fricktal stellte in der Mehrzweckhalle Fuchsrain die Modelle aus, die in den letzten Jahren von ihren Mitgliedern gebaut worden sind.
Edi Strub
Es beginnt mit gefalteten ...
Ausstellung der Modellfluggruppe Fricktal in Möhlin
Die Modellfluggruppe Fricktal stellte in der Mehrzweckhalle Fuchsrain die Modelle aus, die in den letzten Jahren von ihren Mitgliedern gebaut worden sind.
Edi Strub
Es beginnt mit gefalteten Fliegern aus Papier, die man als Kind in die Luft wirft. Vielleicht baut man zusammen mit Papa auch ein Flugzeug aus Balsaholz. Was entstehen kann, falls man dann noch ein paar Schritte weitergeht, war am Wochenende in der Mehrzweckhalle Fuchsrain zu sehen: Da stand zum Beispiel die Blériot XI, mit der Louis Blériot 1909 als erster über den Ärmelkanal flog. Eine feine Nachbildung mit einer Spannweite von immerhin 1,70 m mit dem Flugpionier in zeitgerechtem Fliegerdress im offenen Cockpit. Angetrieben wird das Modell allerdings elektrisch statt von einem knatternden 3-Zylindermotor wie beim Original. Das Modell ist f lugfähig wie die meisten an der Ausstellung. Nicht weit daneben stand das Modell eines P-16, als Monument sozusagen über die Unfähigkeit des damaligen Militärdepartements, ein neues Kampflugzeug zu entwickeln und zu beschaffen: Als zwei der Prototypen in den Bodensee stürzten (immerhin: die Schleudersitze funktionierten), wurde der Auftrag auf hundert Exemplare vom Parlament annulliert. Auf das P-16-Fiasko folgte ein paar Jahre später die ebenso unrühmliche Mirage-Affäre.
Auch der F-35-Kampfjet, auf den die Schweiz gegenwärtig wartet, war in Möhlin als Modell präsent. Ausgerüstet ist er mit einem echten heulenden Düsentriebwerk. Die Steuerung ist beim Modell allerdings viel einfacher als beim High-Tech-Original, aber fliegen kann auch die Mini-F-35. Andere Modellbauer bildeten Helikopter nach, zum Beispiel die leuchtend rote Ecureuil der Air Zermatt. Helikopter haben für Modellbauer den Vorteil, dass es keine Startund Landbahn braucht. Sie heben ab wie Drohnen. Ein Parkplatz genügt.
Für viele dieser Modelle wurden von den Erbauern Hunderte, wenn nicht Tausende von Stunden aufgewendet, je nachdem, ob die Modelle halbfertig beschafft werden können oder in allen Teilen selbst hergestellt werden müssen. Auf letztere Weise, ganz im Eigenbau, arbeitet einer der Modellbauer zum Beispiel an einer Crusader, einem Kampfflugzeug der US-Marine, das von Flugzeugträgern aus eingesetzt wurde. Zur Verfügung gestanden seien dem Modellbauer nur Fotos und ein paar einfache Zeichnungen. Alles andere habe er selbst erarbeiten müssen. Die Spanten und die Rumpfprofile sind aus superleichtem Balsaholz. Andere Teile wie die Nase, die Antenne oder zum Beispiel die Turbinenschaufeln kämen aus dem 3-D-Drucker, erklärte der Präsident des Organisationskomitees, Robert Gächter. Viele der Modellbauer wüssten mit den modernsten Techniken umzugehen, wenn auch vieles unter einfachen Umständen am Küchentisch entstehe.
Was treibt die Modellbauer an?
Viele seien hervorragende Bastler, die nach ständig neuen Herausforderungen suchten. Andere einfach Flugenthusiasten. Er selbst zum Beispiel habe Pilot werden wollen, sagt Gächter, doch seine Farbenblindheit sei ihm im Weg gestanden. Und so sei er halt Modellbauer geworden. Gegenwärtig arbeitet er am Modell einer PBY 5A, einem Rettungs- und Aufklärungsf lugzeug der US-Marine, das sowohl auf dem Land als auch auf dem Wasser landen kann.
Nach Auskunft von Gächter hat die Modellbauergruppe Fricktal fast hundert Mitglieder. Der Jüngste sei zehn Jahre alt, der Älteste 95. Das schaffe Kontakte über die Generationen hinweg. Immer wieder würde der 95-Jährige um Tipps gebeten, wie man dies oder jenes machen könne. Er habe grosse Erfahrung, die er gerne mit Jüngeren teile. Seit zwei Jahren können die Modellbauer aus dem Fricktal ihre Kreationen auch wieder fliegen lassen. Sie konnten sich mithilfe der Gemeinde Möhlin einen neuen Flugplatz verschaffen, nachdem sie den alten beim Naturschutzgebiet Chleigrüt nach vielen Reklamationen und Rechtsverfahren hatten aufgeben müssen. Am neuen Ort lasse man sie gewähren, weil die meisten ihrer Modelle inzwischen auch elektrogetrieben und daher kaum zu hören sind.



