Vom Restaurant zum Dorf-Treff
04.08.2026 OberhofEine Familie erweckt den «Adler» in Oberhof zu neuem Leben
«Adler Treff» – der Name ist Programm. Das Dorf am Fuss des Benkerjochs soll wieder einen Ort haben, wo Menschen zusammenkommen – generationenübergreifend, mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen.
Simone ...
Eine Familie erweckt den «Adler» in Oberhof zu neuem Leben
«Adler Treff» – der Name ist Programm. Das Dorf am Fuss des Benkerjochs soll wieder einen Ort haben, wo Menschen zusammenkommen – generationenübergreifend, mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen.
Simone Rufli
Schwarz-weiss-Fotos erinnern an eine Zeit, als Oberhof ein armes Bauerndorf war, der Weg über den Benken zum Wochenmarkt in Aarau lang, mal morastig, mal staubig und Kinder an die Oberstufe nach Frick nur gehen konnten, wenn die Familie im Besitz eines Velos war. Sie erinnern an eine Zeit, als der Gemeindeammann in Anzug und Krawatte mit den Schulkindern um die Wette lief, ein Sammler Gemälde von Schlössern anhäufte und den Saal deshalb kurzerhand zum Schlosssaal erklärte.
Vor dem Vergessen bewahren
Die Fotos erzählen Geschichten, die Marianne Herzog und ihr Ehemann Heinz, ihre Schwester, Kinder und Schwiegerkinder in den restaurierten Räumen am Dorfplatz vor dem Vergessen bewahren. In diesem Haus, das Schritt für Schritt zum Treffpunkt wird; für Mütter mit Kindern, für lose Gruppierungen, für Vereine, Seminare, Workshops der Schule, Spielende, Kaffeetrinkende, Lesende, Gesellschaft in jeglicher Form Geniessende.
Schritt für Schritt deshalb, weil bis im April 2028 noch viel zu tun bleibt. Der marode linke Gebäudeteil wird abgerissen, ein neuer Anbau samt Lift gebaut. Die Ölheizung weicht, ein Selbstbedienungs-Lädeli zieht ein – mit Produkten von den umliegenden Höfen – darüber vier Wohnungen und ein kleines Studio. Wohnraum zum Beispiel für ältere Menschen, denen ihr Haus zu gross wird oder eine erste Bleibe für einen jungen Menschen, der von zu Hause auszieht.
Asphalt knacken, Bäume pflanzen
Der Garten wird vergrössert, mit einem Weiher und Bäumen, einer Grillstelle und einem Holzbackofen aufgewertet. «Gemeinsam Brot backen», das schwebt Marianne Herzog vor. Der Asphalt vor dem Gebäude wird aufgebrochen. «Asphaltknackerinnen» heisst das Projekt, bei dem es finanzielle Unterstützung gibt für hundert Quadratmeter entfernten Asphalt. Wasser soll versickern können, Bäume sollen Schatten spenden. «Ästhetik und Ökologie sind uns wichtig», betont Marianne Herzog.
Anfang 2026 haben die Familien Herzog, Ernst und Rihs das ehemalige Restaurant Adler gekauft und der jahrelangen Suche nach einem Pächter ein Ende gesetzt. Der Schlosssaal ist inzwischen aufgefrischt, die Gaststube jetzt ein Bistro mit der Gemütlichkeit eines Wohnzimmers; umgebaut von Handwerkern aus den umliegenden Dörfern und kaum wiederzuerkennen. Dezentes Farbkonzept, Täfer, Holz, ein Schaukelschwan – «Kinder sind willkommen!» – eine offene Küche mit Kaffeevollautomat, Geschirr und Profi-Geschirrspüler.
33 Plätze im Bistro, 50 im Saal
Einige Freiwillige, die das Bistro jeweils am Morgen führen werden, sind bereits gefunden. Das Wirte-Patent macht eine Schwiegertochter. Marianne Herzog sagt: «Ich bin keine Wirtin, aber ich kann mir vorstellen, einmal pro Woche zu kochen.» Andere Frauen werden afrikanische Gerichte zubereiten, arabisches Essen, Regionales aus der Küche der Landfrauen. Finanziert werden soll das Bistro über die Getränke, «Miete wollen wir keine verlangen.» Für die Renditen werden die Wohnungen sorgen. 33 Plätze im Bistro, 50 im Schlosssaal, «den hingegen vermieten wir gerne». Etwas vom Schönsten am ganzen Projekt: «Die Leute freuen sich sehr», betont Marianne Herzog und strahlt.
Tag der offenen Tür, Sonntag, 16. August, 10 bis 16 Uhr. Weitere Infos unter: www.adlerplatz.ch

