«Vom Grosi bekam ich die allererste Schallplatte»
22.03.2026 PersönlichJürg Hauser besitzt eine riesige Plattensammlung, in einem Bunker in Kaisten
Musik war schon immer ein Teil von seinem Leben. Jürg Hauser spielt Schlagzeug, hört gern Hard Rock und Heavy Metal und sammelt mit Leidenschaft Schallplatten. Im ehemaligen Munitionsdepot in ...
Jürg Hauser besitzt eine riesige Plattensammlung, in einem Bunker in Kaisten
Musik war schon immer ein Teil von seinem Leben. Jürg Hauser spielt Schlagzeug, hört gern Hard Rock und Heavy Metal und sammelt mit Leidenschaft Schallplatten. Im ehemaligen Munitionsdepot in Kaisten hat er mit dem «ORCA Music-Bunker» einen Ort für seine Sammlung geschaffen, wo er gern Interessierte trifft.
Petra Schumacher
Jürg Hauser, Jahrgang 1969, der in Laufenburg aufgewachsen ist, erinnert sich, dass er schon als Kind, sobald Musik zu hören war, mit den Fingern auf dem Tisch oder auch mal mit dem Besteck das Schlagzeug imitiert hat. «Zum Schlagzeug kam ich dann auf Umwegen über den Gitarrenunterricht und einige Jahre beim Laufenburger Tambourencorps», erinnert sich Jürg Hauser. Erste Auftritte hatte er mit dem Schülerorchester und später mit der Stadtmusik Laufenburg. Nach der Lehre als Schriftsetzer bei der Druckerei Binkert in Laufenburg zog es ihn beruflich und privat nach Basel.
Das Schlagzeug im Fokus
Musikalisch haben ihn schon früh Hard Rock und Heavy Metal angesprochen und schon als Teenager ist er auf Konzerte gegangen. «Anfänglich fand ich die grossen Konzerte extrem beeindruckend. Die Musik mit so vielen Menschen zusammen zu hören und den Auftritt zu erleben, hat mir gefallen», erzählt Jürg Hauser. «Mit der Zeit haben mich aber die kleineren Gigs in Clubs, wie das Z7 in Pratteln, die Mühle Hunziken oder das Salzhaus in Brugg mehr interessiert. Da ist man näher an der Musik und den Bands dran und die Atmosphäre passt mir besser.» Die Frage, ob er bei den Konzerten speziell auf das Schlagzeug achte, bejaht Jürg Hauser. «Ich höre aus der Musik das Schlagzeug heraus. Dabei fallen einem natürlich auch qualitative Unterschiede auf. Wobei Schlagzeuger technisch nicht immer top spielen müssen, der Band aber genau den richtigen Beat geben und somit zu einem eindrücklichen, eigenen Gesamtsound beitragen», fachsimpelt der Schlagzeuger.
Mit ABBA fing es an
Musik machen und Musik hören ist das eine, Jürg Hauser besitzt Musik aber auch gern und das in Form der Schallplatte. «Als kleiner Bub habe ich vom Grosi die Single ‹Take a chance on me› von ABBA geschenkt bekommen. Es hat mich damals wahnsinnig beeindruckt, meine erste Platte in der Hand zu haben», erzählt Jürg Hauser. «Ich besitze sie heute noch und sie sieht fast wie neu aus», ergänzt er schmunzelnd. Dass damit der Grundstein für eine Plattensammlung von aktuell bald 15 000 Vinylscheiben gelegt wurde, ahnte er damals nicht. Jürg Hauser sammelt aber nicht nur Platten. «Tourbücher, Tourplakate, Fotos der Musiker, eben alles was rund um einen Konzertanlass dazu gehört, interessiert mich und natürlich muss es, wenn immer möglich, original signiert sein. Ich habe inzwischen auch meine Playlists auf dem Handy und sperre mich nicht gegen die digitale Musik, aber für mich ist der Kauf von einer Schallplatte auch eine Wertschätzung von der Musik», so der Sammler.
In den Bunker gezügelt
2010 zog es Jürg Hauser zurück ins Fricktal, nach Münchwilen. Musikalisch ist er inzwischen breiter aufgestellt und ist auch an Klassik, Jazz und Blues interessiert. Entsprechend wuchs die Sammlung. «2011 habe ich erste Teile meiner Plattensammlung verkauft», erzählt Jürg Hauser. «Ich wollte mich unbedingt verkleinern.» Aber die Sammelleidenschaft endete an diesem Punkt nicht. «Schon unser Hauseingang sieht aus wie ein ‹Hard Rock Cafe›», meint Jürg Hauser mit einem Schmunzeln. «Alle Wände hängen voll mit original signierten und gerahmten Platten von Tina Turner, Kiss, Pink Floyd, Queen, den Rolling Stones und vielen anderen.» Wohl kaum verwunderlich, wurde in Münchwilen bald der Platz zu eng. «Während der Corona-Pandemie, als wir alle ja mehr Zeit für uns hatten, habe ich mit meiner Frau beschlossen, dass es für die Sammlung einen eigenen Platz braucht», so Jürg Hauser. «Gefunden haben wir den passenden Ort mit dem ehemaligen Munitionslager in Kaisten.»
Das ursprüngliche Munitionsdepot wurde von den Hausers eigenhändig renoviert. Zwei Räume weist der «ORCA Music-Bunker» auf. Im ersten sind die Wände voll mit Konzertplakaten, unterschriebenen Fotos und Platten und natürlich ist der Raum gut gefüllt mit fein säuberlich sortierten LPs und CDs. Nebenan steht ein Schlagzeug. «Ja, das Schlagzeug begleitet mich noch immer», so Jürg Hauser. «Ich spiele plauschhalber in einer Formation nur für Euphonium, den ‹Wonderbrass› aus Obermumpf, in einer ‹Vatertagsband› und verschiedenen anderen Projekten.»
Eigentlich sollte die Sammlung nicht mehr wachsen. Jürg Hauser geht aber als Händler noch immer an zwei bis drei Börsen pro Jahr. «Ich konzentriere mich inzwischen da aber auf Raritäten, Liebhaber- und Einzelstücke», erklärt der Sammler. So besitzt er von Patent Ochsner die Nr. 357 der «Schlachtplatte», bei der Sänger Büne Huber jedes Cover selber gemalt hat und dies in einer limitierten Auflage von zirka 1000 Exemplaren.
Besuch erwünscht
Im Bunker ist er jetzt gut fünf Jahre. Rentiert der Aufwand? «Als Geschäftsmodell war der Bunker nie gedacht», so der Sammler. «Dagegen spricht schon die Öffnungszeit von nur einem Tag, dem letzten Samstag im Monat. Ich sehe mich eher als Anlaufstelle und Treffpunkt für Interessierte. Hier habe ich die Zeit und die Räumlichkeiten, um Gleichgesinnte zu treffen. Dass dabei auch Schallplatten den Besitzer wechseln ist zudem erfreulich.» Die Interessierten nehmen teilweise recht lange Anfahrtsstrecken in Kauf, dagegen kommen aus dem näheren Umkreis eher weniger Leute in den Bunker. «Es wäre schön, wenn noch mehr Fricktaler vorbei schauen würden», wünscht sich Jürg Hauser.
Am 28. März ist der Bunker das nächste Mal geöffnet.

