Vom Bienenhaus zur Marienkapelle
03.05.2026 FokusZuerst von Bienen bewohnt, dann versetzt und landwirtschaftlich genutzt, geriet es als Jugend-Treffpunkt in Verruf. Die Geschichte des Häuschens am Waldrand oberhalb von Frick ist wechselhaft – bis es vor 30 Jahren seine Bestimmung fand.
«Seit 1996 steht das schmucke ...
Zuerst von Bienen bewohnt, dann versetzt und landwirtschaftlich genutzt, geriet es als Jugend-Treffpunkt in Verruf. Die Geschichte des Häuschens am Waldrand oberhalb von Frick ist wechselhaft – bis es vor 30 Jahren seine Bestimmung fand.
«Seit 1996 steht das schmucke Kleinod oberhalb von Frick am Fusse der Chorndletehalde auf einer kleinen Wiese. Weit über den Talkessel bis in den benachbarten Schwarzwald hinein schweift der Blick von dem idyllischen Ort am Waldrand. Besucher der Kapelle geniessen die Aussicht; Betende schätzen die Ruhe des Ortes, um mit Gott und Maria Zwiesprache zu halten.» Die Zeilen stammen aus dem Flyer, den der pensionierte Bezirksschullehrer Kurt Schmid aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Kapelle mit Unterstützung des Ueker Historikers Linus Hüsser erstellt hat – als Dank und Wertschätzung gegenüber Theres und Hanspeter Schlienger. Dem ehemaligen Oeschger Sakristan und seiner Gattin ist die tägliche Pf lege der Kapelle seit 2010 eine Herzensangelegenheit.
Zuerst ein Unterstand
Ursprünglich war das Häuschen keine Kapelle, sondern ein Bienenhaus. Westlich der Katholischen Kirche Frick stand auf dem «Hübeli» das Bauernhaus der Familie Schmid, daneben das kleine, einfache Bienenhaus. Ende der 1950er-Jahre mussten beide Gebäude wegen der Erweiterung und Umgestaltung des neuen Friedhofes den Baumaschinen weichen. Das stattliche Haus wurde zu Beginn der 1960er-Jahre abgerissen und das Bienenhaus mit dem Rapid (Einachs-Traktor) auf die Wiese in der Flur Chüngsweg am Waldrand des Chornberges versetzt. Dort diente es im Heuet und während der Kirschenernte als Unterstand.
Dann ein Jugend-Treffpunkt
Im Laufe der Jahre wurde es nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Als beliebter Treffpunkt von Jugendlichen machte es bald einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck: Schmierereien an den Wänden, Unrat und Müll in und um das Häuschen. Erich Welte, dem ehemaligen Sakristan der Fricker Pfarrkirche, war dies ein Ärgernis, und er schob dem unerfreulichen Treiben und den störenden Ausschweifungen einen Riegel. Im Einverständnis mit der Familie Guido Schmid aus Gipf-Oberfrick, unterdessen Eigentümerin von Land und Gebäude, verwandelte Welte Mitte der 1990er-Jahre das verlotterte Bienenhäuschen nach und nach in eine kleine, einfache Kapelle zu Ehren der Muttergottes. Eine in Einsiedeln erworbene Marienstatue auf einem hölzernen Tischchen bildete den Mittelpunkt, gut sichtbar durch das neue Türfenster. Heute lassen vor allem Marienandachten und Rosenkränze das «Chäppeli» in der Chorndlete mehrmals im Jahr zu einem Treffpunkt von Marienverehrenden werden.
Eine mittelalterliche Richtstätte?
Um den friedlichen Ort ranken sich aber auch Geschichten, die bis heute von alteingesessenen Fricker Dorf bewohnern erzählt werden.
Geschichten etwa über eine mittelalterliche Richtstätte mit Galgen und ein Massengrab aus der Pestzeit. Die angebliche «Pestgrab-Steinplatte», auf welcher heute eine Erinnerungstafel angebracht ist, könnte aus einem Steinbruch auf dem Chornberg stammen und zuvor womöglich als Quellabdeckung gedient haben. Die Quelle lag früher etwa fünfzig Meter unterhalb der Kapelle im heute noch feuchten Acker. (mgt/sir)
Quellen: Kapellen im Aargau/ www.aargauerkapellen.ch;
Autor: Linus Hüsser, Ueken;
Text und Fotos: Kurt Schmid, Linus Hüsser, Familie Schlienger.
30 Jahre Chorndletekapelle, Sonntag, 3. Mai, 17.00 Uhr, Maiandacht mit Pfr. Süess und Jodlerklub Frick; anschliessend Apéro.




