«Vielleicht das Schweizerischste, was es gibt»
04.08.2026 RheinfeldenGaby Gerber spricht in Rheinfelden über Verantwortung
150 Jahre Feldschlösschen war in Rheinfelden natürlich auch an der Bundesfeier ein Thema. Kommunikationschefin Gaby Gerber sprach anhand persönlicher Erfahrungen und historischer Beispiele darüber, was ...
Gaby Gerber spricht in Rheinfelden über Verantwortung
150 Jahre Feldschlösschen war in Rheinfelden natürlich auch an der Bundesfeier ein Thema. Kommunikationschefin Gaby Gerber sprach anhand persönlicher Erfahrungen und historischer Beispiele darüber, was Verantwortung für das Unternehmen, für die Stadt und für die Schweiz bedeutet.
Boris Burkhardt
Das Städtchen Rheinfelden sucht sich als Festredner für die Bundesfeier gerne Personen, die zum Jahresmotto passen. Das 150-Jahr-Jubiläum der Brauerei Feldschlösschen ist zwar kein Motto der Stadt an sich – aber die «Hauptstadt des Schweizer Bieres» kam natürlich heuer nicht um diesen Festanlass herum. Eine 150-jährige Firmengeschichte könne kein noch so gutes Marketing und noch so gutes Produkt erklären, liess Gaby Gerber, Kommunikationsverantwortliche und Biersommelière von Feldschlösschen, die Gäste wissen: «Das erklärt sich nur durch die Generationen von Mitarbeitern, die das Feldschlösschen prägten.» In 150 Jahren sei die Geschichte der Brauerei in Rheinfelden für einige auch ein Teil der Familiengeschichte geworden: «Viele haben ein Geschwisterkind, eine Grossmutter, einen Nachbarn oder einen Freund, der bei Feldschlösschen gearbeitet hat.»
Helfende Hände
Gerber hatte von den Organisatoren aber tatsächlich die Aufgabe erhalten, in ihrer Rede neben dem Feldschlösschen-Jubiläum auch das Stadtmotto «Rhyfälde – wo d’Sunne dehei isch» unterzubringen. Erst einmal sprach sie aber vom Zusammenhalt und den persönlichen Begegnungen der Generationen, die das Geburtstagsfest der Schweiz noch immer bedeute. Besonders sprach sie die vielen anwesenden Kinder an: «Die Schweiz haben wir von unseren Eltern übernommen und geben sie euch weiter.» Obwohl sie im Baselbiet aufgewachsen sei, habe sie eine sehr farbige Kindheitserinnerung an Rheinfelden, erzählte sie: Als ihre Mutter, eine Obstgrosshändlerin, in der Spitalstrasse «zu optimistisch» um die Kurve gefahren sei, seien zwei Tonnen Kirschen auf der Strasse gelegen. Beim stundenlangen Auflesen habe sie erstmals die Solidarität der helfenden Rheinfelder erfahren. «Dass die Sonne in Rheinfelden daheim ist, liegt eben nicht nur am Himmel, sondern vor allem an den Menschen», schloss sie daraus.
Stellvertretend für Menschen, die sich engagieren, nannte sie Marie Wüthrich-Jenny, die Frau des Feldschlösschen-Mitgründers Mathias Wüthrich: Sie habe sechs Kinder grossgezogen, die Brauereiknechte verpf legt, eine Gastwirtschaft geführt, auf dem Feld geholfen und nebenbei die gesamte Buchhaltung der Brauerei erledigt. «Vereinbarkeit von Beruf und Familie nennen wir das heute», fügte Gerber trocken an. Wüthrich-Jenny habe kein Denkmal erhalten, aber etwas hinterlassen, was viel wichtiger sei: «Eine Haltung: Man hilft einander. Und von nichts kommt nichts.» Verantwortung zu übernehmen, sei «vielleicht das Schweizerischste, was es gibt».
Stadtrat Dominik Burkhardt freute sich, dass die Menschen am vergangenen Samstag auch ohne Feuerwerk zahlreich zur Bundesfeier auf dem Kurbrunnenplatz kamen. «Das zeigt den Wert, den die Bundesfeier für den Austausch untereinander hat.» Es brauche nicht unbedingt ein «High-Light» stellte er im Wortspiel mit dem absoluten Feuerverbot fest. Am vergangenen Montag habe der Stadtrat nicht mehr auf eine Entscheidung des Kantons warten wollen und das Feuerwerk wegen der Brandgefahr abgesagt, berichtete Burkhardt. Noch am selben Tag rief der Kanton bekanntlich die höchste von fünf Stufen für die Waldbrandgefahr aus.
Die Stadt nahm es dabei streng: Statt Windlichtern stellten Ramona Herzog und ihre Kolleginnen von der organisierenden Tourismus Rheinfelden LED-Kerzen auf die Tische; auch die 50 teilnehmenden Kinder am Lampionumzug durften nur LED-Lichter in ihre Laternen stecken. Mit dem Feuerwerksbetreiber arbeite man schon lange zusammen und habe sich auch über den kurzfristigen Ausfall gütlich einigen können, versichert Herzog: «Es ist momentan eine schwierige Situation für die Branche.» 2022 fand bereits eine Lasershow als Alternative zum Feuerwerk statt: «Das stiess jedoch auf gemischte Meinungen.» Burkhardt wird noch deutlicher: «Das kam damals überhaupt nicht gut an. Man hat kaum etwas gesehen.»
Erwartungen übertroffen
Angelo Pisano und Band sowie der Jodlerchor Sunnebärgchörli aus Möhlin haben sich bereits als musikalische Unterhaltung des Abends etabliert. Stadtführer Roland Graf übernahm erneut die Moderation: Er dankte auch der Feuerwehr, die mit dem Sanitätszug vor Ort war und derzeit eine herausfordernde Zeit erlebe. Unter den Gästen war auch der deutsche Oberbürgermeister Klaus Eberhardt aus Badisch Rheinfelden mit Gattin. Gerber liess es sich nicht nehmen, ihn «im Land eines WM-Viertelfinalisten» willkommenzuheissen. An den Neujahrsansprachen beider Schwesterstädte hat sich das Thema Fussball zum «Running Gag» entwickelt.
Die Bundesfeier endete ohne Feuerwerk dieses Jahr offiziell mit dem Singen der Nationalhymne. Herzog freut sich, dass bis zum Schluss so viele blieben: «Die Anzahl der Besucher hat unsere Erwartungen übertroffen.»



