Viele kritische Fragen zur «Neuen Mitte»
14.03.2024 RheinfeldenStadtrat informierte erneut detailliert über Grossprojekt
Bald werden Nägel mit Köpfen gemacht: An einer ausserordentlichen Einwohnergemeinde-Versammlung am 26. März fällen die Rheinfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die ersten Entscheide zum ...
Stadtrat informierte erneut detailliert über Grossprojekt
Bald werden Nägel mit Köpfen gemacht: An einer ausserordentlichen Einwohnergemeinde-Versammlung am 26. März fällen die Rheinfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die ersten Entscheide zum Projekt «Neue Mitte». Bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend gab es zahlreiche kritische Voten.
Valentin Zumsteg
Das Projekt «Neue Mitte» wird immer konkreter. Am Dienstagabend lud der Rheinfelder Stadtrat ein weiteres Mal zu einer Infoveranstaltung ein. Das Interesse war, wie schon bei den vorangegangenen Anlässen, relativ gross. Über 100 Personen fanden sich im Bahnhofsaal ein. Gross sind auch die Pläne, die beim Bahnhof Rheinfelden und den umliegenden Arealen realisiert werden sollen.
«Eine grosse Chance»
«Wer heute über das Areal geht, sieht, dass Handlungsbedarf besteht. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine grosse Chance», sagte Stadtammann Franco Mazzi eingangs. Die SBB, die Stadt und verschiedene private Eigentümer wollen dort nicht nur eine moderne Mobilitätsdrehscheibe, sondern auch ein lebendiges neues Quartier realisieren. Über 200 neue Wohnungen sollen schrittweise entstehen, dazu Gewerbe-, Verkaufsund Gastroflächen. An der ausserordent lichen Einwohnergemeinde-Versammlung vom 26. März werden nun die ersten konkreten Entscheide gefällt, welche die Weichen für das ganze Projekt legen. Franco Mazzi stellte die drei Abstimmungsvorlagen vor: So soll der Stadtrat die Kompetenz erhalten, die Liegenschaft Quellenstrasse 1 (ehemals Restaurant Quelle, heute J. Willers Engineering AG) für 3,95 Millionen Franken zu erwerben. Das Gebäude muss anschliessend dem geplanten neuen Bushof weichen. Die J. Willers Engineering AG wird im vorderen Teil des Roniger-Parks ein neues Dienstleistungsgebäude erstellen lassen und dieses beziehen. Erst danach kann das Gebäude an der Quellenstrasse 1 abgebrochen werden (die NFZ berichtete). Das Land rund um das neue Gebäude will die Stadt kaufen – es soll künftig Teil des öffentlichen Parks werden.
Das zweite Geschäft der kommenden Einwohnergemeinde-Versammlung betrifft die Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung für den Bahnhofsaal und die umliegenden Freiflächen (Areal B). Damit soll an dieser Lage, direkt beim Bahnhof, verdichtetes Bauen möglich werden. Es ist geplant, die Ausnützung um 80 Prozent zu erhöhen, wie Stadtbaumeister Lorenz I. Zumstein auf Nachfrage sagte. Auf dem unüberbauten Land beabsichtigt die Firma Realstone SA, verschiedene Neubauten mit rund 95 Wohnungen sowie Dienstleistungs- und Verkaufsf lächen zu erstellen. Den Bahnhofsaal will die Stadt der Realstone SA abkaufen und sanieren. Durch eine vereinbarte Mehrwertabgabe sinkt der Kaufpreis von brutto 2,2 auf netto eine Million Franken. Für die Sanierung rechnet der Stadtrat grob mit Baukosten von rund 9,75 Millionen Franken. Damit zusammenhängend ist das dritte Geschäft an der Gemeindeversammlung: Dabei geht es um einen Verpflichtungskredit von 550 000 Franken für die Erarbeitung eines Betriebskonzepts und die Durchführung eines Projektwettbewerbs zur Sanierung des Bahnhofsaals.
Am Dienstag wurde auch ein Einblick in den Zeitplan gewährt: Wenn alles rund läuft, will die Realstone SA ihre Neubauten zwischen 2025 und 2027 erstellen. Das neue Gebäude der Willers AG soll 2026 bis 2027 gebaut werden, in der gleichen Zeit ist die Gestaltung und Öffnung des Roniger-Parks vorgesehen. Die Stadt beabsichtigt, in den Jahren 2028 und 2029 den Bahnhofsaal zu sanieren. Ab 2029 sollen schliesslich die Neubauten der SBB beim Bahnhof-Areal (heute Kiosk und Güterschuppen) und der Bushof erstellt werden. Dabei betont die Stadt im Zusammenhang mit den Gestaltungsplänen Bahnhof und Roniger-Park: «Alle Verträge bedingen einander: Entweder kommen alle zustande oder keiner.»
«Nicht fair»
In der anschliessenden Fragerunde gab es zahlreiche kritische Voten: Der ehemalige Rheinfelder Vizeammann Peter Scholer regte an, dass die Stadt zuerst überlegt, wie und für was sie den Bahnhofsaal saniert, bevor über den Erwerb des Gebäudes entschieden wird. «Ich kaufe die Katze nicht gerne im Sack. Und ich finde es nicht fair, dass alles miteinander zusammengehängt wird», sagte Scholer. Es gebe keinen Zeitdruck. Dieses Votum, das einigen Applaus erhielt, stiess bei Stadtammann Mazzi auf wenig Verständnis. «Wir haben sehr lange verhandelt. Ich finde keine bessere Lösung, als die, welche jetzt vorliegt.» In diesem Zusammenhang fragte Kathrin Frey Huggler von den Grünen, wie viel Geduld die Realstone noch habe, falls es an der Gemeindeversammlung eine Rückweisung geben sollte. «Wir wären froh, wenn das Projekt bald zur Baureife käme», antwortete Annette Reutzel von der Realstone SA.
Ein anderer Votant stellte das ganze Projekt infrage, da es zu noch mehr versiegelten Flächen und Hitzeinseln führen werde. Dies mache Rheinfelden nicht lebensund liebenswert. «Es macht Sinn, dass dort gebaut wird, wo die Mobilität ist», sagte dazu Architekt Daniel Wentzlaff, der das Bauprojekt rund um den Bahnhofsaal entwickelt hat.
Die Diskussion um die «Neue Mitte» kommt also langsam in Fahrt. An der Gemeindeversammlung am 26. März wird dann entschieden.
Am kommenden Montag, 18. März, lädt die Stadt zu einem Info-Spaziergang zum Thema «Bauhöhe und -dichte in der Neuen Mitte» ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr beim Infobaum «Neue Mitte» am Bahnhof.



