«Verrückt, was abgeht!»
27.08.2024 FrickFrick bereitete seiner Olympiasiegerin einen rauschenden Empfang
Am Morgen strömender Regen, am Mittag ein stationäres Hoch – nicht am Himmel aber im Gemüt. Oder wie Regierungsrat Alex Hürzeler der Menge zurief: «Freude herrscht!» Emotional und bewegend ...
Frick bereitete seiner Olympiasiegerin einen rauschenden Empfang
Am Morgen strömender Regen, am Mittag ein stationäres Hoch – nicht am Himmel aber im Gemüt. Oder wie Regierungsrat Alex Hürzeler der Menge zurief: «Freude herrscht!» Emotional und bewegend – Fricks Empfang für Olympiasiegerin Chiara Leone.
Simone Rufli
Als der Mercedes 280 SE, Jahrgang 1970 hinter der Musikgesellschaft in die Kastanienbaum-Allee zur Schule Dorf einbog und ein nicht enden wollender Strom an Menschen inmitten von Vereinsfahnen auf den, mit von Schulkindern gebastelten Medaillen, geschmückten Schulhausplatz einbog, da war klar: Sämtliche Erwartungen sind übertroffen. Hunderte von Menschen aus dem Fricktal und weit darüber hinaus waren am Sonntagmittag der Aufforderung des Fricker Gemeinderats gefolgt und zum Empfang für Chiara Leone gekommen, der einzigen Schweizer Goldmedaillengewinnerin der olympischen Sommerspiele von Paris.
Überwältigt sei sie, meinte die strahlende Olympiasiegerin (Dreistellung Gewehr 50 m) geraume Zeit, viele Selfies mit umgehängter Medaille und noch mehr Autogramme später auf der Bühne, befragt von Moderatorin Eliane Zeugin. Sie habe seit dem Final in Châteauroux keinen Schiessstand mehr betreten, «und es fehlt mir im Moment gar nicht», meinte sie lachend. «Wobei ich auch gar keine Zeit zum Trainieren finden würde. Es ist verrückt, was abgeht!» Diese Wertschätzung zu spüren, «euch alle hier versammelt zu sehen, die in irgendeiner Form mit mir verbunden sind, das ist wunderschön», bedankte sich die 26-Jährige.
Alex Hürzeler von Gold zu Gold
Einige Zeit früher, draussen in der
Menge: Herr Regierungsrat, wie ist das nun mit ihrem Spaziergang von Paris nach Oeschgen? Alex Hürzeler: «Aber sicher. Ich werde mein Versprechen einlösen, im Rahmen eines privaten Projekts – und vermutlich in Etappen.» Das brauche neben trainierten Muskeln auch eine gute Planung, meinte er noch und versprach: «Bis zur nächsten Olympiade werde ich die Wettschuld eingelöst haben.» Später auf der Bühne, der Aargauer Sportminister zum begeisterten Publikum: «Freude herrscht!» Er habe im Januar 1994 als Gemeinderat von Oeschgen seine politische Karriere angefangen und im Februar 94 wurde Donat Acklin aus Herznach zusammen mit Gustav Weder Olympiasieger im Zweierbob. «30 Jahre später, auf der letzten Etappe als Regierungsrat, darf ich nun wieder eine olympische Goldmedaille feiern und wieder im Fricktal», so Alex Hürzeler. Historisch sei das, meinte er. «Dafür laufe ich die paar Kilometer von Paris gerne heim.»
Im Vergleich dazu ein Katzensprung war es für Nationalrat Christoph Riner. Er kam aus Zeihen zum Empfang: «Für mich als Schütze und Fricktaler eine doppelte Freude!»
Vier V und viele Emotionen
Oberst im Generalstab Marco Mudry, Kommandant des Kompetenzzentrums Sport der Armee und Chef der Gefreiten Chiara Leone, hob in seiner Ansprache die vier V hervor, die jedem Erfolg zugrunde lägen: «Vorbild, Verantwortung, Vertrauen und Victory».
Überwältigt und stolz sei er, meinte mehr als einmal an diesem denkwürdigen Sonntag Fricks Gemeindeammann Daniel Suter sichtlich bewegt und des Lobes voll für all die spontan Organisierenden, Singenden, Musizierenden, Helfenden, entlang der Umzugsroute Beifall spendenden. Und die kamen von überall her: Christian Koch, der kantonale Sektionschef Sport kam aus Aarau, Trainer Enrico Friedemann – er hatte sich nicht auf die Rednerliste setzen lassen, «weil alles immer noch sehr emotional ist» – vom Leistungszentrum in Biel; Nationaltrainer Daniel Burger war zugegen, genauso Chiaras Trainer der ersten Stunde, Ignaz Welte, «der Mann fürs Grobe», wie Nicola Leone augenzwinkernd kundtat. Vater und Trainer in einem sei nämlich weder ideal noch einfach.
Auch Peter Gautschi, Präsident des Aargauer Schiesssportverbands, Walter Harisberger, Vizepräsident des Schweizer Schiessportverbands (SSV) und Erich Suter, Chiara Leones Juniorentrainer beehrten die Olympiasiegerin mit ihrer Anwesenheit und unterhielten das Publikum mit der einen oder anderen Anekdote aus gemeinsamen Zeiten. Aus dem Kanton Solothurn waren die Frei-Schützen Balsthal-Klus angereist. Sie kamen, um ihr Vereinsmitglied zu feiern, das verbindet sie mit den Sportschützen Frick, die ihrem Vereinsmitglied den ganzen aus der Restauration erwirtschafteten Gewinn zum Geschenk machten.
Fotos: Simone Rufli







