Verbindungen leben und pflegen
25.08.2026 RheinfeldenHirsebreifahrt machte Halt in Rheinfelden
Am Donnerstagabend hat die Stadt Rheinfelden die Hirsebreifahrerinnen und Hirsebreifahrer bei der Schifflände feierlich empfangen.
Janine Tschopp
«Sie kommen, sie kommen», hiess es aus dem Publikum, als auf dem Rhein langsam die ...
Hirsebreifahrt machte Halt in Rheinfelden
Am Donnerstagabend hat die Stadt Rheinfelden die Hirsebreifahrerinnen und Hirsebreifahrer bei der Schifflände feierlich empfangen.
Janine Tschopp
«Sie kommen, sie kommen», hiess es aus dem Publikum, als auf dem Rhein langsam die ersten Langboote zu sehen waren. Viele Interessierte haben sich bereits einige Zeit vorher bei der Rheinfelder Schiff lände versammelt, um den speziellen Moment nicht zu verpassen und die rund 80-köpfige Delegation aus Zürich willkommen zu heissen.
Der Rhein verbindet
Beim Empfang mit dem öffentlichen Apéro, der durch die Stadt Rheinfelden organisiert und von der Stadtmusik musikalisch begleitet wurde, sprachen der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth, die Rheinfelder Stadtpräsidentin Claudia Rohrer sowie der Zürcher Stadtrat Tobias Langenegger. Claudia Rohrer meinte: «Der Rhein verbindet uns – geografisch, historisch und heute ganz offensichtlich auch gesellschaftlich. Er ist Verkehrsweg, Grenze und Lebensraum.» Sie hiess die Hirsebreifahrerinnen und Hirsebreifahrer herzlich willkommen und erwähnte die Idee, die hinter dieser Tradition steckt: «Menschen machen sich gemeinsam auf den Weg, treffen andere Menschen und bringen dabei ein Stück Solidarität, Geschichte und Freundschaft mit.» Auch Tobias Langenegger erwähnte das Gemeinsame und die Freundschaft in seiner Rede: «Die Hirsebreifahrt bedeutet, gemeinsam auf Reisen zu gehen, zusammen anzupacken, ein Ziel zu verfolgen und die Tradition gemeinsam zu pf legen», betonte er. Und weiter: «Die Demokratie lebt von dem Miteinander.»
Zürcher im Aargau
Als Einstieg seiner heiteren Ansprache sagte Markus Dieth: «Es ist schön, so viele Zürcher zu sehen, die freiwillig in den Aargau gekommen sind.» Er ergänzte: «Und wenn sie für einmal nicht unsere Aargauer Autobahnen benutzen, sondern sich auf die Wege besinnen, die sie schon im Mittelalter genommen haben, aber leider aus der Mode gekommen sind: unsere Wasserwege.» Der Aargauer Regierungsrat nahm Bezug auf den traditionellen Anlass und sagte: «Früher hat es schnell gehen müssen mit dem Hirsebrei. Heute aber können, ja dürfen Sie sich Zeit nehmen. Denn zwischen Zürich, dem Aargau und Strassburg müssen wir niemandem etwas beweisen. Wir sind Freunde und gute Nachbarn mit gleichen Werten. Unsere einzige Aufgabe ist es, diese wertvolle Verbindung zu leben und zu pflegen.»
Ursprung im 15. Jahrhundert
Die Hirsebreifahrt gehört zu den ältesten lebendigen Traditionen entlang des Hochrheins. Ihr Ursprung lehnt an eine Begebenheit aus dem Jahr 1456 an. Damals wollte die Stadt Zürich ihre Verbundenheit mit Strassburg zeigen und beweisen, dass sie im Ernstfall rasch zu Hilfe kommen könnte. Als Zeichen dafür kochten sie einen Topf Hirsebrei und fuhren limmat- und rheinabwärts. Ohne Wehr und Schleusen ging das schnell und der Brei erreichte sein Ziel noch warm. Zur Erinnerung an dieses historische Ereignis wird die Hirsebreifahrt seit dem Zweiten Weltkrieg als Zeichen der Freundschaft und des grenzüberschreitenden Miteinanders alle zehn Jahre ausgiebig gefeiert.
Die Natur hat auch ein Wörtchen mitzureden
Auch wenn das so nicht geplant war: Wegen des tiefen Wasserstands konnten die Schiffe dieses Jahr nicht die gesamte Strecke auf dem Wasserweg zurücklegen. Auf einzelnen Abschnitten mussten die Hirsebreifahrerinnen und Hirsebreifahrer, die von vergangenem Mittwoch bis am Samstag unterwegs waren, die Boote verladen und die Strecke mit dem Bus zurücklegen.
(jtz)
«Laufenburg ist mehr als ein Etappenort, es ist Schicksalsort»
Hirsebreifahrt macht Halt in der Zweiländerstadt
Nicht auf dem Wasser, sondern auf dem Landweg trafen die Teilnehmenden der Hirsebreifahrt 2026 in Laufenburg ein. Grund dafür war nicht ein zu tiefer Wasserpegel, sondern eine defekte Schleuse beim Kraftwerk. Die Weiterfahrt auf dem Rhein konnte erst bei Rheinfelden wieder aufgenommen werden.
Susanne Hörth
Männer und Frauen in historischen Gewändern, teils mit feinen Stricksocken bis über die Knie und Federhüten auf den Köpfen, wurden von den ebenfalls stilvoll gekleideten Mitgliedern des Tambourencorps Laufenburg mit kräftigen Trommelwirbeln empfangen. Tradition und Brauchtum verbanden die illustre Gesellschaft, die sich am Donnerstagnachmittag um 14 Uhr beim Laufenburger Pontonier-Depot eingefunden hatte. René Leuenberger freute sich, die Teilnehmenden der diesjährigen Hirsebreifahrt, die nur alle zehn Jahre stattfindet, auf ihrer Fahrt von Zürich nach Strasbourg erneut am Etappenort Laufenburg begrüssen zu dürfen. Erneut deshalb, weil er dieses Willkommen bereits bei früheren Durchführungen der Hirsebreifahrt als Präsident der Laufenburger Pontoniere wahrgenommen hatte. Insgesamt 25 Jahre lang, bis 2021, steuerte er das Vereinsschiff durch verschiedenste Fahrwasser. Seit diesem Jahr ist er Stadtammann und hiess die Gäste in dieser Funktion in Laufenburg willkommen.
Wie bereits vor zehn Jahren mussten die Teilnehmenden der Hirsebreifahrt auch diesmal für den Etappenhalt in Laufenburg den Landweg wählen. Damals sei Hochwasser der Grund gewesen, erinnerte René Leuenberger. Sein Bruder Martin Leuenberger, Präsident der Pontoniere Laufenburg, erklärte bei seiner Begrüssung, weshalb die Frauen und Männer auch dieses Mal mit den Bussen anreisten: «Die Schleuse beim Kraftwerk ist defekt.»
Auf die besondere Verbindung der Hirsebreifahrt mit Laufenburg wies Max Hickel, Vizeobmann der Stadtschützen Zürich, in seiner Begrüssung hin. «Laufenburg ist nicht nur eine Etappe, es ist ein Schicksalsort», betonte er und erinnerte damit an die einstigen Herausforderungen auf dem Rhein. Vieles habe sich im Laufe der Zeit verändert. Geblieben seien bei der Hirsebreifahrt das Miteinander und die geschichtliche Verbundenheit. Für den herzlichen Empfang bedankte er sich auch mit einer gläsernen Schale in Form eines Schiffes.
Später ging es für die Teilnehmenden der Hirsebreifahrt auf dem Rhein weiter zum nächsten Etappenort Rheinfelden (siehe Seite 11). Mit auf den Weg gab ihnen Pontonierchef Martin Leuenberger den passenden Wunsch: «Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.»




