Fricktal will für Erhalt von Schulplätzen kämpfen
30.01.2026 FricktalFricktal will für Erhalt von Schulplätzen kämpfen
Verlust von Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales droht
Das wäre ein weiterer herber Rückschlag für das Fricktal: Der Kanton Aargau will den Aussenstandort ...
Fricktal will für Erhalt von Schulplätzen kämpfen
Verlust von Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales droht
Das wäre ein weiterer herber Rückschlag für das Fricktal: Der Kanton Aargau will den Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Rheinfelden per Sommer 2027 schliessen. Im Fricktal stösst die Absicht auf Unverständnis.
Valentin Zumsteg
Der Kanton Aargau scheint kein Herz für das Fricktal zu haben. Der Aussenstandort der Brugger Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales (BFGS), der seit 2020 in der Rheinfelder Schulanlage Engerfeld beheimatet ist, soll auf Anfang Schuljahr 2027/28 geschlossen werden. Stattdessen plant der Kanton eine Übergangslösung in Oberentfelden; dies bis voraussichtlich im Jahr 2035 der Ausbau der bestehenden Schule in Brugg fertiggestellt ist (die NFZ berichtete). Der Verlust von Schulplätzen wäre ein weiterer Rückschlag für die Region, die in den vergangenen Jahren bereits einen massiven Abbau des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) hinnehmen musste.
«Rheinfelden ist prädestiniert»
«Wir bedauern den Entscheid des Kantons. Rheinfelden ist mit einer Vielzahl von Gesundheitseinrichtungen und dementsprechend vielen Lehrbetrieben und Lernenden im Gesundheitswesen als Bildungsstandort in diesem Bereich prädestiniert», erklärt der Rheinfelder Stadtschreiber Roger Erdin auf Anfrage der NFZ. Diese Haltung findet im ganzen Fricktal eine breite Unterstützung. Bereits 2023 haben sich die Fricktaler Grossrätinnen und Grossräte, die Fricktaler Gemeinden sowie die Fricktaler Gesundheitsbetriebe in einer Interessengemeinschaft für einen neuen «Bildungsstandort Gesundheit Nord» zusammengeschlossen.
Der Rheinfelder Stadtrat hatte sich damals im Rahmen der Anhörung zur langfristigen Entwicklung der kantonalen Gesundheits- und Sozialschulen als Standort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales beworben und Möglichkeiten für Übergangslösungen aufgezeigt. «Im Engerfeld verfügt die Stadt über Raumkapazitäten und ausreichend Landreserven für die Entwicklung des Berufsschulstandortes. Ein Ausbau des BFGS-Standortes in Rheinfelden hätte auch das heutige Berufsbildungszentrum gestärkt», betont Roger Erdin. Im Berufsbildungszentrum Fricktal werden derzeit nur noch rund 250 Kauf leute, Detailhandelsfachleute sowie Bekleidungsgestalterinnen und -gestalter ausgebildet.
Aktuell belegt der Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales sechs Unterrichtszimmer im Engerfeld. «Es gibt von anderen Schulträgern zusätzlichen Schulraumbedarf im Engerfeld, aber noch keine konkrete Planung, wie man freiwerdende Infrastruktur nutzen will. Nach der Planung des Kantons ist mit einem Wegzug frühestens auf den Beginn des Schuljahres 2027/28 zu rechnen», so Erdin. Mit Ausnahme der Turnhallenkapazitäten gebe es keine Leerstände im Engerfeld.
Der Stadtrat von Rheinfelden prüft aktuell, ob sich die Stadt anlässlich der seit letztem Freitag laufenden kantonalen Anhörung zur Bereitstellung einer Übergangslösung in Oberentfelden nochmals äussern wird. Gemäss Roger Erdin werde dies wahrscheinlich gemacht.
«Ausbau gewünscht»
Die Absicht des Kantons stösst auch bei den Fricktaler Gesundheitsbetrieben auf wenig Gegenliebe. Matthias Mühlheim, Leiter Strategische Projekte und Direktor der Reha Rheinfelden, bedauert diese Pläne sehr, wie er gegenüber der NFZ festhält: «Ich spreche da nicht nur für die Reha Rheinfelden, sondern auch für Rheinfelden medical.» Neben der Reha Rheinfelden gehören zu dieser Marketing-Kooperation das Gesundheitszentrum Fricktal, die Klinik Schützen und die Salina Rehaklinik. «Rheinfelden ist einer der grössten Gesundheitscluster in der Schweiz, rund 30 Prozent der Arbeitsplätze in Rheinfelden sind im Gesundheitswesen. Daher fällt es etwas schwer, diesen Entscheid nachzuvollziehen», erklärt Mühlheim. Die Betriebe von Rheinfelden medical bilden pro Jahr rund 250 Personen aus, davon 140 in Pflegeberufen. Mühlheim: «Daher hätten wir uns anstelle einer Schliessung einen Ausbau des Standorts in Rheinfelden gewünscht. Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten sicher weiterhin engagieren und die politischen Vertreterinnen und Vertreter unterstützen.» Das Anliegen sei im Rahmen der «IG Bildungsstandort Gesundheit Nord» bei den Fricktaler Grossräten, den Gemeinden und den Gesundheitsinstitutionen breit abgestützt. Das Fricktal will sich also für seine Schulplätze stark machen.

