United States of Frick – Wenn die Schule zum Staat wird
26.06.2026 FokusWas braucht es, damit ein Staat funktioniert? Für drei Tage wurde das Fricker Oberstufen-Schulhaus zu einem eigenen Staat mit Regierung, Parlament, Gerichten, Betrieben und eigener Währung. Ein spannendes, fassbares Schulprojekt.
Lilly Wegmann
Am Eingang kontrolliert der Zoll ...
Was braucht es, damit ein Staat funktioniert? Für drei Tage wurde das Fricker Oberstufen-Schulhaus zu einem eigenen Staat mit Regierung, Parlament, Gerichten, Betrieben und eigener Währung. Ein spannendes, fassbares Schulprojekt.
Lilly Wegmann
Am Eingang kontrolliert der Zoll die ID, ein Visum kostet zehn Franken, und das Geld wird in die eigene Währung, die «Freakys», umgetauscht. Erst dann steht einem der Zugang zu den «United States of Frick» offen.
Innen erwartet die Besucherinnen und Besucher eine riesige Auswahl an Angeboten. Ob ein neuer Haarschnitt, eine leckere Pizza, ein Besuch im Kino, ein Abstecher ins Fitnessstudio oder eine Shoppingtour im Secondhandladen, all das findet sich in einem einzigen Gebäude. Insgesamt entstanden rund 58 Betriebe, die von den Schülerinnen und Schülern selbst geführt werden.
Doch nicht immer läuft alles nach Plan. «Heute wurde unser Casino leider ausgeraubt», berichtet eine Schülerin. Sorgen mache sie sich trotzdem keine: «Unsere Polizei ist sehr gut.»
Gesetze entstehen im Klassenzimmer
Hinter dem Projekt steckt jedoch weit mehr als nur Unterhaltung. Die «United States of Frick» sind Teil des Fachs «Politische Bildung» und sollen den Jugendlichen zeigen, wie ein Staat tatsächlich funktioniert. «Die Vorbereitung erstreckt sich schon seit kurz vor den Herbstferien», erklärt Helena Mastel, Lehrperson an der Schule Frick. In dieser Zeit entwickelten die Schülerinnen und Schüler der dritten Oberstufe (Bezirks-, Sekundar- und Realschule) Schritt für Schritt ihren eigenen Staat. Zu Beginn wurde eine Verfassung geschrieben. Danach wurden eine eigene Währung, eine Hymne, Geldscheine und ein Wappen gestaltet.
Im Parlament wurde während Monaten diskutiert. Besonders die Themen Frauenrechte, Bildung und eine gute Lebensqualität sorgten für Gespräche. «Die Diskussionen zwischen den selbst gegründeten Parteien liefen trotz unterschiedlicher Meinungen meist friedlich ab», sagt Parlamentspräsident Fabian Gawron. Ein besonders spannendes Beispiel war die Diskussion um Energy-Drinks. Nachdem das Referendum ergriffen wurde und genügend Unterschriften gesammelt worden waren, kam es zu einer Abstimmung. Das Ergebnis war eindeutig: Energy-Drinks wurden im Staat offiziell erlaubt.
Doch nicht immer war es einfach, sich zu einigen. Diego Luongo, einer der vier Bundesräte des Staates, hat sich zu diesem Problem wie folgt geäussert: «Wir sind nun mal eine wild durchmischte Gruppe, da ist es schwierig, immer gleich einen Kompromiss zu finden.»
Mehr als nur ein Schulprojekt
Wie in einem echten Staat gelten für alle dieselben Regeln. Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler sind gleichgestellt. Alle Bürgerinnen und Bürger benötigen einen Arbeitsplatz, zahlen Steuern und können sogar entlassen werden. «Wer keiner Arbeit nachgeht, muss sich beim Arbeitsamt melden», erklärte ein Schüler.
Die feierliche Eröffnung des Staates wurde mit einer Rede der Bundesräte gestartet. Anschliessend sangen alle Anwesenden die Nationalhymne im Stehen.
Das Projekt wurde erstmals im Jahr 2023 durchgeführt und findet nun bereits zum zweiten Mal statt. Der Staat war diese Woche am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Viele Jugendliche berichten, durch das Projekt erstmals wirklich verstanden zu haben, wie Politik, Wirtschaft und Demokratie funktionieren. Eine Schülerin erzählt: «Man lernt viel mehr über Politik, wenn man es selbst ausprobieren kann.» Ein anderer Schüler berichtet: «Jetzt verstehe ich endlich, weshalb es immer so lange geht, bis in der Schweiz eine Entscheidung getroffen wird.»
Nach drei Tagen schliessen die «United States of Frick» ihre Grenzen wieder. Die selbst gedruckten «Freakys» verlieren ihren Wert, die Betriebe stellen den Betrieb ein und das Parlament wird aufgelöst. Was bleibt, sind Erfahrungen und die einzigartigen Einblicke, welche die Jugendlichen gewonnen haben.





