Die Schweizer Salinen verzichten auf die Realisierung des umstrittenen Kreiselschmucks. Statt des «Wellenbrechers» wird ein neues Kunstwerk gesucht.
Ronny Wittenwiler
Die Schweizer Salinen lenken ein: Die sieben Meter hohe Kunstinstallation beim Kreisel auf der Landstrasse ...
Die Schweizer Salinen verzichten auf die Realisierung des umstrittenen Kreiselschmucks. Statt des «Wellenbrechers» wird ein neues Kunstwerk gesucht.
Ronny Wittenwiler
Die Schweizer Salinen lenken ein: Die sieben Meter hohe Kunstinstallation beim Kreisel auf der Landstrasse zwischen Möhlin und Rheinfelden wird nun doch nicht erstellt. Das hat das Unternehmen am Dienstag in einer Medienmitteilung bekanntgegeben. Die Nachricht ist eine Art Bereitschaft zum Geschenk-Umtausch noch vor der Bescherung, denn genau das – ein Geschenk der Salinen an die Bevölkerung – hätte das Kunstwerk sein sollen. Eigentlich. Doch die Beton-Installation, bestehend aus «Tetrapoden», wie sie als Wellenbrecher an Küsten zum Schutz vor Erosion eingesetzt werden, lag mit ihren sechzig Tonnen einer breiten Öffentlichkeit schwer auf dem Magen. Oder, wie es die Schweizer Salinen nun festhalten: «Das damals ausgewählte Projekt löste in Teilen der lokalen Bevölkerung Bedenken aus. Diese Rückmeldungen haben die Schweizer Salinen ernst genommen.»
Neuer Anlauf
Im Rahmen eines Wettbewerbs wird nun stattdessen ein alternatives Kunstwerk evaluiert. Der Start des neuen Verfahrens sei nach den Sommerferien vorgesehen, erklären die Schweizer Salinen. Für diese zweite Runde auf der Suche nach einem Kreiselschmuck holt das Unternehmen dieses Mal die umliegenden Gemeinden mit ins Boot. «Die Gemeinden Rheinfelden, Möhlin, Wallbach und Zeiningen wurden eingeladen, je eine Vertreterin oder einen Vertreter in die Jury zu entsenden.» Das Wettbewerbsverfahren werde voraussichtlich bis Ende 2026 andauern und das Ergebnis danach kommuniziert.
Damit setzen die Salinen hinter den Wellenbrecher-Kreisel eigenhändig einen Schlusspunkt. So massiv Kritik und Ablehnung aus einer breiten Bevölkerung auch waren, genauso gross scheint nun die Erleichterung über das Einlenken: Innert weniger Stunden gingen über den Social-Media-Kanal der NFZ unzählige positive Reaktionen und Kommentare ein. Lange haben sich die Salinen Zeit gelassen, um über das weitere Vorgehen zu informieren, der Rückzug kommt aber nicht unerwartet.
Das zeugt von Grösse
Lässt sich über Geschmack und Kunst streiten, so schien allerdings für eine erdrückende Mehrheit ausser Frage: Dieses Geschenk hat jetzt gerade noch gefehlt. Insofern waren die Salinen in dieser Geschichte wie jener Schwager, der es eigentlich gut meint und dann an Heiligabend während der Bescherung von allen anderen mitgeteilt bekommt, er habe einen denkbar schlechten Geschmack. Muss man erst mal verdauen.
Dass die Salinen einlenken, ist die einzig richtige Entscheidung. Doch muss man sie auch erst einmal treffen.
Und dann wäre da noch das Bekenntnis: Man wolle an der Absicht festhalten, als Zeichen der Wertschätzung für die vom Regierungsrat des Kantons Aargau genehmigte Verlängerung der Konzession für den Salzabbau ein Kunstwerk für den Verkehrskreisel zwischen Rheinfelden und Möhlin zu schenken. Auch das zeugt von Grösse. Der beleidigte Schwager hingegen wäre vielleicht zum letzten Mal an einer Weihnachtsfeier im Familienkreis gewesen.
RONNY WITTENWILER