Überraschung im Fusionsprozess
08.03.2024 OberhofDass Wölflinswil mit Oberhof fusioniert, ist unsicherer denn je
Der Fusionsvertrag liegt vor, auf Namen und Wappen hat man sich geeinigt, auch am Zusammengehörigkeitsgefühl mangelt es nicht. Trotzdem empfiehlt der Gemeinderat von Wölflinswil den Fusionsvertrag am 2. ...
Dass Wölflinswil mit Oberhof fusioniert, ist unsicherer denn je
Der Fusionsvertrag liegt vor, auf Namen und Wappen hat man sich geeinigt, auch am Zusammengehörigkeitsgefühl mangelt es nicht. Trotzdem empfiehlt der Gemeinderat von Wölflinswil den Fusionsvertrag am 2. April abzulehnen – während Oberhof zur Annahme rät.
Simone Rufli
«Wieso etwas verändern, das schon so gut funktioniert?» Das, so Projektleiter Martin Hitz, sei am Ende die Frage, die die Stimmberechtigten in Wölf linswil und Oberhof für sich beantworten müssten. Denn eines sei klar: «Die Fusion bringt nicht die ganz grossen Veränderungen. Die beiden Gemeinden sind schon sehr eng verknüpft.» Wölf linswils Gemeindeammann Giuliano Sabato formulierte es so: «Seit 50 Jahren haben wir eine Gemeinschaftsverwaltung, die Zusammenarbeit wird laufend optimiert, das Potential nach einer Fusion ist nicht sehr gross», monetär sei es sogar sehr gering. Allein habe Wölflinswil mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft mehr Spielraum und bessere Perspektiven als fusioniert mit Oberhof. In der Gewissheit, «dass Wölflinswil und Oberhof, unabhängig vom Ausgang der kommenden Abstimmungen, zusammengehören und wir uns aufeinander verlassen können», beantrage der Gemeinderat Wölflinswil der ausserordentlichen Gemeindeversammlung, den Fusionsvertrag abzulehnen.
Lob und Unverständnis
Für viele der über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Informationsveranstaltung in der Turnhalle von Oberhof kamen diese Worte überraschend, auch weil zuvor Oberhofs Gemeindeammann Roger Fricker im Namen seines Gemeinderats die Annahme des Vertrags empfohlen hatte. Während einige den Mut und die Offenheit in den Worten von Giuliano Sabato lobten, zeigten sich andere konsterniert. «Wir wussten doch, dass eine Fusion nicht zu einem grossen finanziellen Gewinn führt, aber wo wir schon mal so weit sind, lasst uns auch den letzten Schritt machen!», meinte etwa Wölflinswils ehemalige Frau Gemeindeammann Alice Liechti-Wagner. Ein anderer Teilnehmer fragte: «Warum habt ihr uns hierher kommen lassen, wo die Fusion bereits zu 99,9 Prozent gescheitert ist?» Ein Votant gratulierte dem Gemeinderat von Wölflinswil, bevor er Martin Süess, Leiter Gemeindeabteilung beim Kanton Aargau, fragte, wie viele Gemeinden schon zwangsfusioniert wurden. «Keine», so Süess. «Dazu haben wir gar keine Grundlage.»
Unterschiedliche Namen
Vor der Fragerunde hatte Projektleiter Martin Hitz die Eckpunkte des Fusionsvertrags erläutert. Die Umfrage zu Namen und Wappen der Fusionsgemeinde habe in Oberhof und Wölf linswil zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt, so dass am Ende die zehn Gemeinderäte entscheiden mussten. Die Mehrheit entschied sich für den Namen Wölflinswil-Oberhof. Zur Wahl hatten auch Benkental, Wolf hof und Oberhof-Wölf linswil gestanden.
Ist das schon das Ende von Wölflinswil- Oberhof?
Ausserordentliche Gemeindeversammlungen am 2. April
Auch wenn sich die Nettoverschuldung pro Kopf bei einer Fusion kurzfristig positiver entwickeln würde – der Gemeinderat von Wölflinswil sieht im Zusammenschluss keine langanhaltende Verbesserung und empfiehlt – anders als Oberhof – den Fusionsvertrag deshalb zur Ablehnung.
Simone Rufli
Am Ende waren es die auseinanderklaffenden Kurven im Finanzplan der beiden Gemeinden, die bildlich darstellten, was Wölflinswils Gemeindeammann Giuliano Sabato in Worte fasste. Nämlich, dass der formale Schritt der Fusion keine nachhaltigen finanziellen Vorteile mit sich bringen würde und Wölflinswil trotz hoher Investitionen in den nächsten Jahren besser fahren dürfte, wenn es eigenständig bleibt.
Oberhofs Gemeindeammann Roger Fricker hatte zuvor die Vorteile einer Fusion betont: Vereinfachungen im Budgetprozess, geringerer Bedarf an Personal, die finanzielle Last verteilt auf mehr Steuerzahler. Und er hatte die über 200 Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer in der Turnhalle von Oberhof daran erinnert, dass Investitionen, «auch wenn sie im Finanzplan einer Gemeinde aufgeführt sind, zuerst noch von der Gemeindeversammlung bewilligt werden müssen». Für den Gemeinderat von Oberhof mache die Fusion Sinn, so Roger Fricker, der den Fusionsvertrag zur Annahme empfahl.
Eckpunkte des Vertrags
Im Fall einer Fusion würde die Schule mit einer gemeinsamen Leitung an beiden Standorten weitergeführt, nach drei Jahren allerdings mit einer Reduktion des Pensums. Standort der gemeinsamen Verwaltung bliebe Wölflinswil, in Oberhof gäbe es einen Gemeindebriefkasten. Für die Übergangsphase würde eine paritätische Umsetzungskommission eingesetzt. Mit der Fusion gäbe es keinen Gemeindeammann mehr, sondern einen Gemeindepräsidenten oder eine Gemeindepräsidentin. Bei den ersten Gesamtwahlen im Jahr 2025 würden zwei Wahlkreise gebildet, so dass sicher drei Vertreter aus Wölf linswil und zwei aus Oberhof im weiterhin fünfköpfigen Fusions-Gemeinderat vertreten wären. Den Vereinen entstünde aus der Fusion kein Nachteil, die bisherigen Beiträge aus beiden Gemeinden würden zusammengezählt ausgerichtet. Der Steuerfuss bliebe bei 125 Prozent, der Finanzausgleich würde auf acht Jahre hinaus auf dem aktuellen Stand eingefroren. Für die Umsetzung der Fusion würde der Kanton pro Gemeinde 400 000 Franken bezahlen und dazu einen Ausgleich der Steuerkraft von rund 3,3 Millionen Franken ausrichten; insgesamt erhielte Wölf linswil-Oberhof rund 4 Millionen Franken aus Aarau.
Erste Hürde am 2. April
Die ausserordentlichen Gemeindeversammlungen in beiden Gemeinden finden am 2. April statt. Stimmen beide Versammlungen dem Fusionsvertrag zu, kommt es am 9. Juni zur obligatorischen Urnenabstimmung. Lehnt eine ausserordentliche Gemeindeversammlung den Vertrag ab, kann immer noch das Referendum ergriffen werden, um den Prozess in Gang zu halten. Würde nach einem ablehnenden Gemeindeversammlungsbeschluss das Referendum nicht ergriffen, wäre die Fusion gescheitert. Stimmen beide Gemeindeversammlungen dem Fusionsvertag zu und in der Folge auch der Kanton, finden die letzten Gemeindeversammlungen von Wölf linswil und Oberhof im November 2025 statt, die erste Versammlung der neuen Gemeinde im Dezember 2025 und der Start der Fusionsgemeinde würde dann am 1. Januar 2026 erfolgen.
Dank und Verabschiedung
Die beiden Gemeindeammänner bedankten sich bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppen für ihr Engagement während den vielen gemeinsamen Sitzungsstunden. Verdankt wurde auch die Arbeit von Projektleiter Martin Hitz. Er hat am 1. März beim Kanton seine neue Stelle angetreten und verabschiedete sich am Mittwochabend aus dem laufenden Fusionsprozess.



