Windkraft-Befürworter und -Gegner trafen in Oberhof aufeinander
Für die einen geht es nicht schnell genug vorwärts, die anderen fordern weitere Abklärungen. Befürworter und Gegner des Windparks Burg debattierten am Dienstagabend auf Einladung des Vereins Pro Wind Aargau. Moderatorin ...
Windkraft-Befürworter und -Gegner trafen in Oberhof aufeinander
Für die einen geht es nicht schnell genug vorwärts, die anderen fordern weitere Abklärungen. Befürworter und Gegner des Windparks Burg debattierten am Dienstagabend auf Einladung des Vereins Pro Wind Aargau. Moderatorin Susanne Hochuli fiel die Aufgabe zu, die Wogen zu glätten.
Simone Rufli
Um beim Wind zu bleiben – die Zeichen standen bisweilen auf Sturm, als sich Gegner und Befürworter von Windenergieanlagen am Dienstagabend in der Turnhalle Moos in Oberhof gegenseitig Vorhaltungen machten. Alt Regierungsrätin Susanne Hochulis ausgleichender Moderation war es zu verdanken, dass sich die Gemüter immer wieder beruhigten und die zahlreichen Fragen aus dem Kreis der rund 60 Interessierten von den Fachleuten vorne am Tisch sachlich beantwortet werden konnten. Neben Robin Koch, Leiter Stromproduktion der AEW Energie AG, der Hauptaktionärin des geplanten Windparks Burg, waren Julian Ferber, zuständig für Windenergie beim Bundesamt für Energie (BFE), Roland Aregger (Landwirt bzw. mittler weile Windwirt) und Robert Vogel, ehemaliger Gemeindeammann, beide aus der Gemeinde Entlebuch sowie Anton Gunzinger, emeritierter Professor, ETH-Dozent und Buchautor, anwesend. Die Entlebucher rieben sich angesichts des jahrelangen Disputs im Benkental verwundert die Augen, stehen bei ihnen doch seit dem Jahr 2005 ein und seit 2011 zwei Windräder – beide errichtet innert kürzester Zeit und mit Zustimmung der Bevölkerung.
Neutraler Beobachter
Auch Oberhofs Vizeammann Heinz Herzog nahm an der Veranstaltung teil. Er hatte gleich zu Beginn klargestellt, dass es sich nicht um einen Anlass des Gemeinderats handle und er – um sich ein möglichst umfassendes Bild zu verschaffen – jede Veranstaltung im Zusammenhang mit dem Windpark Burg besuche, von Gegnern wie von Befürwortern. Zum Stand des Verfahrens erklärte er: «Ein Teil der Einwendungsverhandlungen ist abgeschlossen, andere sind noch im Gang. Eine Abstimmung im Rahmen einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung gibt es in Oberhof frühestens in drei Monaten. Diese Vorlaufzeit haben wir von Anfang an kommuniziert und daran halten wir uns.» Mehr könne er zum laufenden Verfahren nicht sagen, so Heinz Herzog.
Unabhängiger vom Ausland
Einmal abgesehen von den vielen offenen Fragen rund um den Windpark Burg – kann die Schweiz zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt werden? Ja, betonte Anton Gunzinger und untermauerte seine Aussage mit einer ganzen Reihe von Zahlen und Fakten. Sieben Terawattstunden Windkraft – im Winter eine ideale Ergänzung zum Solarstrom im Sommer – würden mithelfen, vom Ausland unabhängiger zu werden. Warum es denn bei uns langsamer gehe als im benachbarten Ausland, war eine Frage. Die direkte Demokratie biete zu viele Beschwerdemöglichkeiten, unter anderem das Verbandsbeschwerderecht, waren sich die Fachleute am Tisch einig. «Dazu kommen eine starke Atom-Lobby und extremistische Naturschützer», so Gunzinger. Gestritten wurde um die Transparenz von Windmessdaten und es wurde die Wirtschaftlichkeit des Windparks Burg angezweifelt. Ob mit der Sorge ums Trinkwasser, um Vögel, den Wald oder Verfahrensmängel – die Gegner würden mit allen Mitteln versuchen, Zweifel zu säen. «Dabei sind über 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung für Windkraft», so ein Votant.
Was sich deutlich zeigte: Die Windkraft ist nur eines von diversen Themen, die die Beziehung zwischen Oberhof und Wölf linswil derzeit stark belasten.