Trockenstress in der Sissle
03.07.2026 FricktalDie anhaltende Trockenheit und die hohen Wassertemperaturen der vergangenen Wochen führten unter anderem dazu, dass Abschnitte der Sissle – sie fliesst durch mehrere Fricktaler Gemeinden – vollständig austrockneten. Es braucht Notmassnahmen.
Susanne Hörth
«Die Situation ...
Die anhaltende Trockenheit und die hohen Wassertemperaturen der vergangenen Wochen führten unter anderem dazu, dass Abschnitte der Sissle – sie fliesst durch mehrere Fricktaler Gemeinden – vollständig austrockneten. Es braucht Notmassnahmen.
Susanne Hörth
«Die Situation ist ernst, aber nicht dramatisch und auch nicht aussergewöhnlich. In den letzten Jahren gab es immer wieder vergleichbare Trocken- und Hitzephasen», ordnet Giovanni Leardini, der Kommunikationsleiter des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), die Lage ein. Fische und andere Wasserlebewesen wurden in der Sissle in isolierten Restwasserstellen eingeschlossen, was lokal zu Fischsterben führte und Notmassnahmen erforderlich machte. Der Kanton habe daher Bewilligungen zur Wasserentnahme aus zahlreichen Bächen sistiert und erteile derzeit keine kurzfristigen Ausnahmebewilligungen. Temporär ausgetrocknet sind auch Seitenbäche wie der Zeiherbach. «Dies ist besonders tragisch, weil dadurch auch die stark gefährdeten Dohlenkrebse, die vor wenigen Jahren vor der Krebspest gerettet wurden, in trockengefallenen Abschnitten zu verenden drohen», bedauert Leardini.
Die betroffenen Gewässerabschnitte wurden in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Fischereipächtern und der Fischereiaufsicht kontrolliert. «Wo Tiere nicht mehr selbst in wasserführende Bereiche gelangen konnten, wurden sie schonend eingefangen und in geeignete Abschnitte umgesetzt.» Auf Elektrobefischung wurde verzichtet; die Tiere seien mit Netzen gefangen, mit Sauerstoff versorgt und transportiert worden. «Solche Notabfischungen erfolgen sehr zurückhaltend und nur nach sorgfältiger Interessenabwägung.» Zusätzlich prüfte der Kanton temporäre Wassereinleitungen, etwa mit Leitungswasser, um Restwasserstellen zu stabilisieren. «Ob dies umgesetzt werden kann, entscheidet sich im Einzelfall unter Berücksichtigung der örtlichen Wasserversorgung und der zuständigen Gemeinde.» Trotz aktueller Gewitter bleibt die Wetterlage angespannt. Bei anhaltender Trockenheit sollen Rückzugsräume für Fische möglichst störungsfrei bleiben, betont Leardini. Der Kanton prüfe daher, sensible Gewässerabschnitte zu kennzeichnen und Erholungssuchende zu sensibilisieren. Entsprechende Tafeln werden bei Bedarf in den kommenden Tagen angebracht.
Revitalisierungsmassnahmen
2022 hat der WWF Aargau eine rund 200 Meter lange Strecke der Sissle in Eiken revitalisiert. Die neuen Strukturen bündeln das Wasser bei Niedrigwasser besser und fördern zusammenhängende benetzte Bereiche. «Ein vollständiges Austrocknen können sie jedoch nur begrenzt verhindern, zumal die Strecke unterhalb eines Abschnitts liegt, der häufig trockenfällt.» Ebenfalls 2022 setzte der Kanton im Rahmen von Sissle 2030 eine Teststrecke in Oeschgen um. «Besonders wirksam erwiesen sich grosse Holzschwellen und Holzbuhnen, die tiefere Stellen fördern und eine stabile Niederwasserrinne begünstigen. Für die weitere Projektierung gilt: Wirksame Holzstrukturen sind entscheidend.» Aktuell wird in Frick das Teilprojekt Stieracker umgesetzt. «Das bisher schmale, steinverbaute Gerinne aus der Zeit des Autobahnbaus wird aufgeweitet, Steinverbauungen entfernt und ein strukturreiches Niederwassergerinne geschaffen. Auch hier kommen zahlreiche Holzstrukturen zum Einsatz, später ergänzt durch neue Bäume zur langfristigen Beschattung.»
Leardini betont, dass Revitalisierungsmassnahmen die Auswirkungen von Niedrigwasser lokal abmildern können – durch tiefere Stellen, bessere Wasserführung und mehr Beschattung. Niederschläge ersetzen sie jedoch nicht.

