Tiny House mit Rädern und 460 PS
02.08.2026 Gipf-Oberfrick«Auf dem Landweg nach Australien», dieser Titel zum Beschrieb einer Reise sprang Felix Schlienger 2020 ins Auge und liess ihn nicht mehr los. Bald war ihm klar: «Diese Reise will ich machen.» Gleichzeitig wusste er, dass ihm ein Wohnmobil in der hier üblichen Grösse nicht ausreichen ...
«Auf dem Landweg nach Australien», dieser Titel zum Beschrieb einer Reise sprang Felix Schlienger 2020 ins Auge und liess ihn nicht mehr los. Bald war ihm klar: «Diese Reise will ich machen.» Gleichzeitig wusste er, dass ihm ein Wohnmobil in der hier üblichen Grösse nicht ausreichen würde.
Petra Schumacher
«Auf dem Landweg nach Australien meint, so lange wie möglich fahren und dann zum Schluss mit der Fähre übersetzen», erklärt Felix Schlienger. Der Reiseveranstalter besorgt die Visen und regelt die Ein- und Ausreisen. An den Grenzstationen treffen sich die Reiseteilnehmer, ansonsten ist jeder im jeweiligen Land frei bei seinen Planungen. Diese Kombination hat mich überzeugt.» Ein «normales» Wohnmobil kam für den Abenteurer nicht infrage, da er wusste, dass diese Fahrzeuge voll bepackt schnell an die Grenze des zugelassenen Gewichts kommen. Deswegen machte er sich auf die Suche und wurde bei einem Inserat im Internet auf ein Angebot aus dem Berner Oberland aufmerksam.
Alles eine Nummer grösser
«Im Fahrzeugschein steht: ‹Schwerer Motorwagen›, erzählt Felix Schlienger. «Aber eigentlich ist es ein Sattelschlepper mit Unterkonstruktion und zertifiziertem Aufbau. Dieser Aufbau ist ein Lastwagen-Container.» Der vorherige Besitzer hat dieses Fahrzeug erschaffen. Es ist ein offiziell zugelassenes Unikat. Da dieser Sattelschlepper in keinem gewerblichen Dienst steht, sind Sonderregelungen möglich. «Es ist zwar ein 17-Tonnen-Lastwagen, aber ich habe weder Nachtfahrverbot, noch Ruhezeiten, darf am Wochenende damit auf die Autobahn und kann 100 km/h statt 80 km/ h fahren», so der Wagenbesitzer, der den Führerausweis C erwerben musste. «Diese Bewilligungen haben mich einige Anträge und viel Zeit gekostet und die Papiere muss ich zu meiner Sicherheit immer bei mir führen.» 460 PS sind da unterwegs. In die beiden Tanks passen insgesamt 750 Liter Diesel.
Autark unterwegs
Aus der geplanten Reise ist bisher leider nichts geworden. Die geopolitische Weltlage lässt es nicht zu. «Ich habe Alternativrouten, wie Teilstrecken der Weihrauchstrasse oder die Panamericana, aber aktuell ist bei mir der Weg das Ziel», so Felix Schlienger. Der inzwischen Pensionierte ist handwerklich versiert und perfektioniert momentan sein Zuhause auf vier Rädern. «Mit dem Fahrzeug will ich autark sein. Ich habe eine Solaranlage. Bei mir läuft jetzt alles über Strom. Gas habe ich nicht. Mein Tiny House hat ein Badezimmer mit WC und Dusche, eine komplett ausgestattete Küche, einen Fernseher und einen Satellitenanschluss.» Nach dem Feintuning will Felix Schlienger mit dem Mobilehome auf seine erste Reise gehen. «Im ersten Schritt möchte ich zwei Monate lang testen, wie es sich anfühlt, so zu reisen. Danach ist ein halbes Jahr geplant, bevor dann hoffentlich die grosse Reise folgt», so der Abenteurer.
Reise zu sich selbst
«Ich werde oft gefragt, warum es unbedingt eine weite Reise sein muss», erzählt der Fahrzeugbesitzer. «Ich glaube, das hat etwas mit dem Alter zu tun. Die Reise markiert für mich den Schritt in die Pensionierung und das hintere Lebensdrittel, den ich bewusst gehen möchte. Gleichzeitig habe ich jetzt noch die Kraft und Gesundheit für solch ein Abenteuer. Momentan kann ich sagen: Wenn ich oben in der Fahrerkabine sitze, den Motor anlasse und den Sound höre, fühle ich mich immer wieder in meiner Idee bestätigt.»


