Tiefes Ausgaben- und Einnahmenniveau beim Kanton
12.03.2026 AargauEine BAK-Studie zeigt, dass der Aargau seine Aufgaben kostengünstig ausführt. Im Vergleich zu anderen Kantonen leisten im Aargau jedoch die Gemeinden überdurchschnittlich viel. Die Finanzkraft des Kantons ist zudem eher schwach.
Der Kanton Aargau weist im interkantonalen Vergleich ein sehr tiefes Ausgabenniveau auf. Die Nettoausgaben pro Kopf der Bevölkerung liegen im Kanton Aargau brutto 24 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone. Allerdings liegt gemäss den Berechnungen seine Finanzkraft unter Berücksichtigung des Ressourcenpotenzials, der Steuerausschöpfung, den Zahlungen aus dem Finanzausgleich sowie der Erträge aus Beteiligungen und Konzessionen 27 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone. Das zeigt eine Evaluation des Finanzhaushalts, die BAK Economics im Auftrag des Regierungsrats 2025 durchgeführt hat.
Niedrige Einnahmen – niedrige Kosten
Die im Jahr 2025 durchgeführte BAK-Studie zeigt, dass das Kostenniveau im Kanton Aargau deutlich unter dem Durchschnitt liegt. So sind die gesamten Nettoausgaben pro Kopf der Bevölkerung im Aargau über alle 32 untersuchten Aufgabenfelder bereinigt um strukturelle Faktoren 16 Prozent unter dem Durchschnitt.
Der Regierungsrat zeigt sich erfreut über die Ergebnisse der Studie. «Das bereits vergleichsweise tiefe Ausgabenniveau, das die Studie aus dem Jahr 2016 belegte, ist trotz der vielen neuen Herausforderungen weiter gesunken», erklärt Finanzdirektor Markus Dieth. Dies zeige, dass der Kanton Aargau trotz Mengenwachstum und überdurchschnittlicher Bevölkerungszunahme seine Haushaltspolitik der schlanken und effizienten Mittelverwendung in den vergangenen Jahren erfolgreich fortgeführt habe, so Dieth. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch Folgendes auf: Im Vergleich zu den übrigen Kantonen weist der Kanton Aargau eine geringere Zentralisierung der Aufgabenteilung auf. In der Gesamtbetrachtung über alle untersuchten Aufgabenfelder trägt der Kanton Aargau nur 71 Prozent der Kosten – 29 Prozent fallen bei den Gemeinden an. Die Kantonsverwaltung Aargau beteiligt sich somit weniger stark an der gesamtkantonalen Finanzierung als der Durchschnitt der übrigen Schweizer Kantone. Dort beträgt der Anteil 76 Prozent und nur 24 Prozent bei den Gemeinden.
Schwache Finanzkraft
Gemäss den Berechnungen des BAK liegt die Finanzkraft des Aargaus 27 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone. Dies ist eine grosse Differenz. Die BAK-Studie zeigt somit nicht nur, dass der Kanton Aargau insgesamt weniger Geld ausgibt als viele andere Kantone, ihm steht auch weniger Geld zur Verfügung. Wird das Kostenniveau des Kantons Aargau unter Berücksichtigung seiner Finanzkraft mit dem Durchschnitt der Kantone verglichen, zeigt sich, dass die Ausgaben in den kostendynamischen und Demografie abhängigen Bereichen Schulen und Spitalversorgung leicht über diesem Vergleichswert liegen. Die leicht überdurchschnittlichen Ausgaben bei den Schulen dürften auf die kleinräumige Schulstruktur auf Primarschulstufe sowie auf die vergleichsweise hohe Sonderschulquote im Kanton Aargau zurückzuführen sein. Bei der Spitalversorgung ist der überwiegende Anteil der Kosten aufgrund bundesrechtlicher Vorgaben gebunden. Zudem liegt das Kostenniveau unter anderem in der Altersstruktur des Kantons begründet. Der Handlungsspielraum für zusätzliche Ausgaben ist aber trotz des grossmehrheitlich unterdurchschnittlichen Kostenniveaus begrenzt, denn auch die unterdurchschnittliche Finanzkraft ist dabei zu berücksichtigen.
Fazit: Wer weniger einnimmt, der kann auch nur weniger ausgeben. (WH)
