«Teamgeist und Bewegung finde ich wichtig»
08.06.2026 PersönlichSie ist Weltmeisterin im Kleinfeld-Unihockey, arbeitet seit neun Jahren als Jugi-Leiterin, bekommt im Sommer das Primarschullehrerin-Diplom und spielt zur Entspannung Cello – Romaine Rothacher ist breit aufgestellt, doch der Sport steht bei ihr obenan.
Petra Schumacher
Romaine ...
Sie ist Weltmeisterin im Kleinfeld-Unihockey, arbeitet seit neun Jahren als Jugi-Leiterin, bekommt im Sommer das Primarschullehrerin-Diplom und spielt zur Entspannung Cello – Romaine Rothacher ist breit aufgestellt, doch der Sport steht bei ihr obenan.
Petra Schumacher
Romaine Rothacher, Jahrgang 2002, sitzt auf gepackten Koffern. Ein Sprachaufenthalt in der Normandie steht an. «Es geht für zwei Monate nach Frankreich, das ist der letzte Teil meines Studiums», erzählt Romaine Rothacher. «Ich habe alle Prüfungen zur Primarschullehrerin schon absolviert. Nach dem Sprachaufenthalt gibt es das Diplom.» Eine Stelle als Lehrerin in Aarau hat sie auch schon und weiss, dass sie eine erste Klasse übernehmen wird. «Es gab verschiedene Ideen fürs Studium. Ich bin aber immer wieder darauf gekommen, dass ich gerne mit Kindern arbeiten möchte.»
Die Weltmeisterin
Ein Jahr ist es her, dass Romaine Rothacher den Weltmeistertitel im Kleinfeld-Unihockey gewonnen hat. Doch wenn sie auf die zum Gespräch mitgebrachte Goldmedaille und das rote Spielertrikot blickt, leuchten ihre Augen noch immer voller Stolz. «Das war wirklich eine unglaubliche Geschichte», so die Sportlerin. Romaine Rothacher spielt seit der fünften Klasse Kleinfeld-Unihockey. Erst in der Jugi, später bei den «Wild Goose», der Mettauertaler Spielergemeinschaft. «Kleinfeld-Unihockey ist ein sehr schneller, intensiver Sport. Drei Spieler plus der Goalie bilden das Team», erklärt die Weltmeisterin. «Das Team muss gut funktionieren, damit die Spieltaktik aufgeht.» 2025 gab es ein Sichtungscamp für die Aufnahme in die Schweizer Nationalmannschaft, um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. «Von den ‹Wild Goose› habe ich mich als einzige Spielerin gemeldet, wurde zu den Selektionstrainings eingeladen und habe es ins Nati-Team geschafft», erzählt Romaine Rothacher. «In kürzester Zeit mussten wir uns kennenlernen, zusammenf inden und unseren Spielstil erarbeiten. So herausfordernd die Situation war, so stolz bin ich auf uns, dass wir das alles geschafft haben.» Die in Winterthur stattfindende Weltmeisterschaft war international hochkarätig besetzt, erzählt die Sportlerin. «Bis ich unseren Sieg vollumfänglich realisiert hatte, dauerte es einen Moment.»
Sport als roter Faden
«Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich den Sport nicht gehabt hätte», ist Romaine Rothacher überzeugt. Teamfähig sein, Rückschläge kassieren, sich auch mal durchbeissen müssen – all das hat sie der Sport gelehrt. Eine zentrale Rolle hat dabei die Jugi-Riege gespielt. So ist Romaine Rothacher über die Jugi zum Unihockey gekommen. «Das Bewegen in der Gemeinschaft, viele Sportarten ausprobieren können, der Teamgeist und die Freundschaften, die da entstanden sind, waren für mich wichtig.»
Stadt oder Land
«Der finale Abschluss des Diploms im Sommer ist das eine. Nach dem Sprachaufenthalt muss ich noch überlegen, wo ich demnächst wohnen möchte, das ist das andere, das gerade wichtige Thema für mich», erzählt Romaine Rothacher. «Ich spiele Cello und wollte immer mal in einem Orchester spielen, aber bei uns hier in Gansingen gibt es nur die Blasmusik. Zudem gehe ich gerne mit Kolleginnen ‹käffele›. Kino und Theater interessieren mich auch, was für die Stadt spricht. Auf der anderen Seite schätze ich die Naturnähe und Ruhe von Gansingen und hier habe ich meine Familie», teilt Romaine Rothacher ihre Überlegungen mit. «Vielleicht geht es nach Brugg oder Aarau, um mal das Stadtleben auszuprobieren», so die Gansingerin. «Weiter weg auf keinen Fall, denn ich leite ja hier zusammen mit anderen Kollegen die Jugi und das will ich auch nicht ändern.»
Jugi-Sport
«Die Kinder kommen in die Turnhalle und strahlen. Sie wollen Neuigkeiten erzählen oder auch mal Sachen, die sie plagen. Es geht nicht nur um den Sport, sondern auch die Gemeinschaft und das Vertrauensverhältnis», so die Jugi-Leiterin. Bis gerade eben waren auf dem Sportplatz um die 30 junge Sportler. «Zur Vorbereitung auf das Turnfest haben heute alle Altersgruppen zusammen trainiert. Die Jüngeren konnten sich bei den Älteren gewisse Dinge abschauen und die älteren konnten die jüngeren Sportler unterstützen. Das schafft spürbar Verbindungen und Wertschätzung. Es ist schön, dass der Sport so etwas erreicht.»
U19 im Blick
«Eigentlich endet mit dem Übertritt nach der Oberstufe das Jugi-Angebot», so Romaine Rothacher. «Mir fiel letztes Jahr auf, dass sich viele der Älteren mit dem Abschied schwer taten, weil es für sie danach kein gleichwertiges Angebot hier im Dorf gibt. Aber gerade im Jugendalter ist der Zusammenhalt in der Gruppe, neben der Bewegung, doch recht wichtig. Das weiss ich aus eigener Erfahrung.» So kam der Jugi-Leiterin eine Idee, die sie nach einigen Überlegungen und Gesprächen auch umsetzen konnte. Es wurde eine U19-Gruppe ins Leben gerufen. «Die 14- bis 18-Jährigen trainieren in dieser Gruppe. Damit schliessen wir eine Lücke, denn danach können die Sportler in den Turnverein wechseln», so Rothacher. «Es gab direkt acht Anmeldungen, was meine Idee bestätigt.» Abschliessend gibt es einen Aufruf, es ist eine Herzensangelegenheit von Romaine Rothacher: «Die Kinder und Jugendlichen kommen so gern zum Sport, aber wir haben Mühe das Angebot weiter aufrechtzuerhalten, da uns Leiter fehlen. Ich weiss auch von den Nöten in anderen Dörfern und deswegen möchte ich an alle appellieren: Wir brauchen dringend Jugi-Leiter, damit wir die Kinder weiterhin bestmöglich mit Sportangeboten unterstützen können.»

