Stromreserve als Versicherung
24.09.2026 FricktalAm Dienstagabend erklärten Vertreter des Bundes, des Kantons sowie Projektverantwortliche in Eiken, warum es Reservekraftwerke braucht und weshalb gleich zwei davon im Sisslerfeld geplant sind.
Susanne Hörth
Angesichts der geopolitischen Lage und der damit verbundenen Risiken ...
Am Dienstagabend erklärten Vertreter des Bundes, des Kantons sowie Projektverantwortliche in Eiken, warum es Reservekraftwerke braucht und weshalb gleich zwei davon im Sisslerfeld geplant sind.
Susanne Hörth
Angesichts der geopolitischen Lage und der damit verbundenen Risiken will der Bundesrat die Versorgungssicherheit mit fünf neuen Reservekraftwerken (RKW) für insgesamt 2,3 Milliarden Franken stärken. Ab zirka 2030 sollen diese Anlagen während 15 Jahren als Absicherung gegen mögliche Strommangellagen zur Verfügung stehen. Das zweitgrösste dieser fünf RKW mit einer Leistung von 180 Megawatt (MW) ist auf Eiker Boden vorgesehen, ein weiteres mit 57 MW in Stein.
In Eiken wie auch in Stein sind zwei eigenständige Projekte geplant, die jedoch aufeinander abgestimmt werden. Projektantin in Eiken ist die Reservekraftwerk Eiken AG. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Sidewinder AG und der Swiss Life AG. In Stein zeichnet für das Projekt die Getec Park Stein AG (gehört zur Getec Gruppe) verantwortlich. Die beiden Unternehmen waren am Infoabend in Eiken mit Christoph Hugi (Sidewinder) und Stephan Buser (Getec Park Stein AG) vertreten.
«Die Stromreserve ist eine Art Versicherung. Sie liefert, wenn Energie knapp wird», sagte Thomas Rapp, Leiter Energiereserve beim Bund, am Dienstagabend in Eiken. Mit dem Bevölkerungswachstum nehme auch der Strombedarf zu, während die Stromproduktion nicht im gleichen Masse wachse; zudem könne der Stromimport nicht immer garantiert werden, erläuterte Rapp.
«Reservekraftwerke sind keine Notkraftwerke. RKW durchlaufen die ordentlichen Bewilligungsverfahren und müssen sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllen», betonte Sebastian Deininger vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BV U). Die Reservekraftwerke werden mit CO2-neutralem Brennstoff betrieben. «Zu 100 Prozent aus Rest- und Altstoffen, etwa aus altem Frittieröl», hiess es dazu am Infoabend. Derzeit muss dieser flüssige Betriebsstoff noch importiert werden; in der Schweiz ist ein entsprechendes Unternehmen in Planung.
Reservekraftwerke im Sisslerfeld
Das Sisslerfeld sei einer der besten Standorte der Schweiz, wurde betont. Es zeichne sich durch die bestehende Infrastruktur mit Bahnund Tanklogistik sowie durch die Nähe zum Schweizer Übertragungsnetz, dem «Laufenburger Stern», aus. Als Nutzen für die Region wurden Investitionen, neue Arbeitsplätze, regionale Aufträge sowie finanzielle Abgeltungen in Form von Steuererträgen genannt. Die Frage, was dies für den Standort Eiken bedeutet, wurde mit «150 000 Franken pro Jahr sowie bei Einschaltung eine zusätzliche Abgeltung» beantwortet.
Braucht es neben dem im Bau befindlichen Batteriespeicher von FlexBase in Laufenburg wirklich ein Reservekraftwerk? Auf diesen Einwurf eines Versammlungsteilnehmenden, entgegnete Thomas Rapp, die Batterie diene dazu, Schwankungen im Netz kurzzeitig abzu federn. Ein Reservekraftwerk könne mit seiner deutlich höheren Leistungskapazität die Stromversorgung während mehrerer Wochen sichern.
Damit der Strom bei Bedarf ins Netz eingespeist werden kann, muss das Unterwerk in Münchwilen vergrössert werden. Ein im Saal anwesender Swissgrid-Mitarbeiter entkräftete die Befürchtung eines Votanten, dafür müssten neue Masten gebaut werden und das Gebiet könnte dereinst aussehen wie das Kaisterfeld.
Von der Planung bis zur Betriebsphase
Bevor die Anlagen wie erhofft in den Jahren 2028 bis 2031 gebaut und in Betrieb genommen werden können, sind umfangreiche Planungs-, Prüfund Bewilligungsverfahren nötig. Dazu gehören eine Richtplan - an passung mit Anhörung und Mitwirkung, ein Nutzungsplanverfahren, Beschlüsse der Gemeindeversammlungen sowie ein Baubewilligungsverfahren inklusive umfassender Umweltprüfung.

