Stiller Tod im Möhlinbach
12.03.2026 WegenstettenNach einer Havarie auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Wegenstetten fliesst massenweise Gülle in den Möhlinbach. Hunderte Forellen verenden. Es ist nicht das erste Fischsterben oben im Tal.
Ronny Wittenwiler
Der Vorfall ereignet sich am Montagnachmittag. Von einem Landwirtschaftsbetrieb gelangt Gülle über die Drainageleitungen zuerst in den Seitenarm «Gheibach» und anschliessend in den Möhlinbach. In einer Mitteilung tags darauf hält der Gemeinderat Wegenstetten fest, dass «im Dorfgebiet von Wegenstetten und Hellikon während langer Zeit erhebliche Geruchsimmissionen festzustellen waren». Das Trinkwasser sei glücklicherweise nicht verunreinigt worden und jederzeit in einwandfreiem Zustand gewesen. Allfällige Auswirkungen auf Flora und Fauna seien Gegenstand der Ermittlungen, heisst es zudem. Mit dokumentiertem Material, das der NFZ vorliegt, lässt sich allerdings bereits jetzt festhalten: Das Ereignis hat einen massiven ökologischen Schaden verursacht. Bilder und Videosequenzen zeigen, wie sich kurz nach der fatalen Havarie Schaumkronen an der Oberf läche bilden, die Gülle färbt den Möhlinbach braun. Am Dienstagmorgen dann bestätigen sich die Befürchtungen vom Vortag. Fotos und weitere Videosequenzen zeichnen ein trauriges Bild: Überall liegen tote Bachforellen auf Grund, andere hat es ans Ufer und unters Wurzelwerk gespült.
«Ein Totalschaden»
Rolf Bürgi ist Pächter des Möhlinbachs mitsamt der kleineren Nebenbäche. Er spricht von mindestens 650 toten Bachforellen, die auf dem betroffenen Abschnitt zu beklagen seien, die Dunkelziffer sei womöglich noch höher. Hinzu kämen Kleinfische wie die Schmerle. Auch Dohlenkrebse verendeten, zahllose kleine Nährtiere wie Bachf lohkrebse, Köcherf liegenlarven und weitere Insekten wurden unter der massiven Schlammschicht aus Gülle regelrecht begraben. «Auf diesem Teilabschnitt im Oberlauf des Möhlinbachs ist alles kaputt gegangen», sagt Bürgi. «Ein Totalschaden.»
Noch Schlimmeres verhindert
Betroffen ist eine Strecke von rund einem Kilometer, von Wegenstetten bis hinunter nach Hellikon. Dort, auf ungefährer Höhe des Dorfeingangs, gelang es der Feuerwehr, eine Sperre einzurichten, um zusätzlichen Schaden im weiteren Bachverlauf talwärts Richtung Möhlin zu verhindern. «Die Feuerwehr hat einen super Job gemacht», zeigt sich Bürgi erleichtert. Auch der Gemeinderat Wegenstetten bedankt sich im Rahmen der Mitteilung «bei allen Einsatzkräften für ihre wertvolle Unterstützung zur Schadensminimierung». Den Schaden allerdings, wie er mit den hunderten von toten Bachforellen nicht von der Hand zu weisen ist, wird der Kanton genau unter die Lupe nehmen. Der kantonale Gebietsaufseher Robert Knecht von der Sektion Fischerei war kurz nach dem Ereignis am Montag vor Ort, am Dienstagmorgen schaute er sich den gesamten Abschnitt im Rahmen einer Bestandsaufnahme genau an. Er bestätigt gegenüber der NFZ den Eindruck des Pächters: «Da ist alles tot, dort hat kein Fisch überlebt.»
Schon wieder
Nicht zum ersten Mal ereignet sich im Tal ein menschgemachtes Fischsterben. So etwa jenes im Oktober 2018, ebenfalls in Wegenstetten. Ursache damals war eine Leitungsspülung, vorgenommen von einer Kanalreinigungsfirma im Auftrag einer Bauunternehmung. Durch die Spülung und den damit erzeugten Wasserschwall gelangten Kalkrückstände und Feinsedimente aus der Rohrleitung direkt in einen kleinen Seitenbach. Die Rückstände und Sedimente verstopften die Kiemen der Fische – vierzig bis sechzig Forellen verendeten kläglich. Eine Bewilligung für die Spülung, wie sie gemäss Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons, erforderlich gewesen wäre, lag damals nicht vor.
Der jüngste Vorfall jetzt mit dem stillen Tod im Möhlinbach ist ein Déjà-vu, in Anbetracht der enorm hohen Verluste allerdings eines der besonders schmerzhaften Sorte. «Es wird Jahre dauern, bis sich dieser Abschnitt wieder erholt», befürchtet Bürgi. Die Behörden seien vom Verursacher unverzüglich über den Vorfall informiert worden, erklärt der Gemeinderat zum Schadensereignis vom Montag.






