«Steuererklärungen ausfüllen ist spannend»
26.02.2026 FrickHugo Imhof aus Kaisten arbeitet im Steuererklärungsdienst der Pro Senectute Bezirk Laufenburg
Alle Jahre wieder: Anfang Februar flattert die Steuererklärung in die Haushaltungen. Gerade ältere Menschen fühlen sich mit der Aufgabe zunehmend überfordert. Hier ...
Hugo Imhof aus Kaisten arbeitet im Steuererklärungsdienst der Pro Senectute Bezirk Laufenburg
Alle Jahre wieder: Anfang Februar flattert die Steuererklärung in die Haushaltungen. Gerade ältere Menschen fühlen sich mit der Aufgabe zunehmend überfordert. Hier springt die Pro Senectute mit ihrem Angebot ein. Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen Seniorinnen und Senioren beim Zusammenstellen der Unterlagen und füllen die Steuererklärung fachkundig aus. Einer von ihnen ist Hugo Imhof aus Kaisten.
Sonja Fasler
Vielen ist es ein Graus, die Steuererklärung auszufüllen. Gerade ältere Menschen tun sich zunehmend schwer damit, zumal sie unter Umständen keinen Computer besitzen oder sich in der digitalen Welt nicht sicher bewegen. Zum Glück gibt es Leute wie Hugo Imhof, die das Ausfüllen nicht nur aus dem Effeff beherrschen, sondern sich auch gerne für andere engagieren.
«Ich bin ein Zahlenmensch»
«Ich wollte mich nach meiner Frühpensionierung mit 63 Jahren sinnvoll betätigen und mein Hirn in Schwung halten», erzählt der rüstige 72-Jährige, der früher im Treuhandsektor und zuletzt im Personaldienst tätig war. Nicht nur beruflich hatte der Kaister mit Steuererklärungen zu tun, sondern füllte diese auch regelmässig für Freunde aus. «Ich bin ein Zahlenmensch und finde Steuererklärungen spannend», sagt er schmunzelnd.
Den Dienst der Pro Senectute findet er eine tolle Sache. Die Kundinnen und Kunden werden ihm von der Beratungsstelle in Frick zugewiesen, viele betreut er schon seit Jahren. Oft melden sie sich direkt bei ihm, wenn Unterstützung gefragt ist. Trifft später die Steuerrechnung ein und weicht sie vom Budget ab, steht er ebenfalls beratend zur Seite. «Man hat nur 30 Tage Zeit, um zu reagieren», gibt er zu bedenken
– danach gilt die Rechnung als akzeptiert.
Pro Saison bearbeitet er rund 16 Steuererklärungen, Tendenz steigend. Die meisten seien unkompliziert. Anspruchsvoller werde es etwa bei einem Umzug ins Altersheim. Zu seinen Kundinnen und Kunden zählen vor allem Alleinstehende im AHV-Alter sowie IV-Rentnerinnen und -Rentner. «Sobald ich einen Auftrag erhalte, vereinbare ich einen Termin bei ihnen zu Hause. Das eigentliche Ausfüllen macht nur einen kleinen Teil der Arbeit aus», erklärt Imhof. Anhand der letzten Steuererklärung geht er die benötigten Belege systematisch durch. Manche brauchen etwas länger, um alles zusammenzutragen, andere haben ihre Unterlagen ordentlich abgelegt. Mitunter stellt er die Dokumente selbst aus einem Stapel zusammen. Nach getaner Arbeit bleibt oft Zeit für einen Kaffee und ein Gespräch. «Viele ältere Menschen sind einsam und schätzen den Kontakt. Ich nehme mir bewusst Zeit», sagt er. Verrechnet wird allerdings nur der tatsächliche Aufwand für die Steuererklärung. Gelegentlich übernimmt er auch eine «Steuererklär u ng i m Todesfa l l », wen n Angehörige ihn darum bitten.
Kein Problem mit eTax
Die eigentliche Datenerfassung erledigt er später zu Hause in Ruhe; sie dauert rund eine halbe Stunde. Mit dem neuen System eTax kommt er gut zurecht. Er kennt es bereits aus Basel, wo er aufgewachsen ist und wo seine Mutter noch lebt. Nach der Registrierung bei AGOV lassen sich die Daten aus dem bisherigen Programm EasyTax übernehmen, anschliessend führt ein Assistent Schritt für Schritt durch die Eingabe. Für Hugo Imhof ist das ein Kinderspiel. Die Unterlagen scannt er ein und reicht alles elektronisch ein. Einmal jährlich findet in Aarau eine Informationsveranstaltung statt, an der die kantonale Steuerverwaltung über Neuerungen orientiert. Auch der Austausch im Team der Pro Senectute Bezirk Laufenburg sei bereichernd, sagt er. Reich wird er mit seinem Engagement nicht, aber das ist auch nicht sein Ziel: Rund 60 Franken erhält er pro Dossier als Entschädigung. Die Kundinnen und Kunden bezahlen eine Gebühr, die sich nach Einkommen und Vermögen richtet und zwischen 35 und 390 Franken liegt.
Aktuell sind elf Freiwillige für die Pro Senectute im Bezirk Laufenburg im Einsatz, weiss Stellenleiterin Eveline Dillinger. Im vergangenen Jahr nutzten rund 140 Personen das Angebot, dieses Jahr ist die Nachfrage deutlich höher – nicht nur in Frick, sondern im ganzen Kanton. «Das hängt wohl mit der Umstellung auf eTax zusammen. Vielen ist das neue System nicht ganz geheuer», sagt Dillinger. Neben den technischen Anforderungen dürfte auch die Neubewertung der Liegenschaften manche überfordern.
Viele Ratsuchende standen bereits zuvor mit der Pro Senectute in Kontakt, etwa wegen Ergänzungsleistungen, Hilflosenentschädigung oder einer Haushaltshilfe. Andere erfahren über Bekannte vom Angebot. Die moderaten Preise trügen sicher ebenfalls zur Beliebtheit bei. Neue Mitarbeitende werden immer wieder unter pensionierten Fachleuten aus Steuerämtern oder Treuhandbüros gefunden. Entscheidend seien Fachwissen und Einfühlungsvermögen im Umgang mit älteren Menschen. Das Angebot versteht Dillinger als sinnvolle Ergänzung zu privaten Anbietern.
Wenn nicht Steuern, dann Velo – oder Fasnacht
Von Februar bis Juni ist Hugo Imhof regelmässig mit Steuererklärungen beschäftigt. Doch auch ausserhalb der Saison wird es ihm nicht langweilig. Für die Pro Senectute leitet der begeisterte Velofahrer E-Bike-Touren, die rund zwölf Mal pro Jahr stattfinden. Zudem wurde er angefragt, Mandate für den administrativen Dienst der Pro Senectute Aargau im Bezirk Laufenburg zu übernehmen.
Diese Woche allerdings stehen keine Steuerformulare im Zentrum, sondern die «drei scheenschte Dääg». Als waschechter Basler ist er Mitglied im Pfyffergrüppli «Heimlifaisse». «Es ist meine 62. Fasnacht», sagt er stolz. Seine Partnerin wirkt im sogenannten Vortrab mit und bahnt den Pfeifern den Weg durch die Menge.
Und ganz nur bei Zahlen bleibt es für den Zahlenmenschen dann doch nicht: Er schreibt Schnitzelbänke – und Gedichte. «Meine Partnerin erhält jeden Tag eines», erzählt er verschmitzt.

