Sternstunden braucht der Tag
05.03.2026 MöhlinDer Besuchsdienst Möhlin hat über 1200 davon ermöglicht: Bricht das soziale Netz weg, streckt der Besuchsdienst Möhlin seine Hand aus. Die Nachfrage bei einsamen, meist älteren Menschen steigt.
Ronny Wittenwiler
Und dann hat sie einfach Ja gesagt. ...
Der Besuchsdienst Möhlin hat über 1200 davon ermöglicht: Bricht das soziale Netz weg, streckt der Besuchsdienst Möhlin seine Hand aus. Die Nachfrage bei einsamen, meist älteren Menschen steigt.
Ronny Wittenwiler
Und dann hat sie einfach Ja gesagt. Frau Bellardita gehört jetzt auch zum Team. Keine andere Geschichte als die ihre hätte die Niederschwelligkeit des Besuchsdienst Möhlin schöner nachzeichnen können, als seine Mitglieder Generalversammlung abhielten.
Ein Fall für Mangold
Aus einem kleinen Büro heraus rettet niemand die Welt. Doch die Hebel fest im Griff, stellt Hedy Mangold auf der Vermittlungsstelle die Weichen, dann ziehen Frauen und ein paar Männer los. Als freiwillige Besucherinnen und Besucher schenken und teilen sie vorwiegend älteren, einsamen Menschen etwas Zeit. Die Welt wird nicht gerettet, doch irgendwo im Dorf wird für diesen einen Menschen aus einem normalen Tag ein besonderer.
Vor zehn Jahren wurde aus der Trägerschaft «Besuchsdienst Möhlin» ein Verein. Corona bedeutete eine Zäsur, ein regelrechter Zusammenbruch. Jetzt ist der Dienst zurück in der Spur, mehr noch: er wächst. 1243 Stunden Besuchszeit notiert der Dienst Ende 2025 (Vorjahr 951). Die Besuchten sind vor allem Personen im Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach. Co-Geschäftsleiterin Marion Wegner-Hänggi liess es sich nicht nehmen, der Generalversammlung beizuwohnen. «Ihr zeigt, wie wertvoll Freiwilligenarbeit ist, die Zusammenarbeit mit euch könnte nicht besser sein.» Sehnsüchtig jeweils würden die Besucherinnen und Besucher von den Bewohnenden erwartet. Auch Möhlins Gemeinderat Hans Metzger würdigte die Arbeit des Besuchsdienstes. Es sei enorm, was dieser das ganze Jahr hindurch leiste. 1243 Stunden, in denen man einfach da ist, manchmal Zuhörerin, manchmal Erzähler, vielleicht Vorleser – ihren Rückblick auf das vergangene Jahr schloss Vermittlerin Mangold an das Besuchsteam so: «Ihr seid mit ganzem Herzen dabei. Für die Menschen, die ihr besucht, seid ihr der Lichtblick der Woche.»
Und da wäre dann noch Frau Bellardita
Gerade erst im Januar habe sie, Hedy Mangold, eine Anfrage erhalten: Ob es vielleicht möglich sei, eine fremdsprachige Frau zu besuchen. Mangold fragte ihre Nachbarin. «Nach einer kurzen Bedenkzeit hat sie zugesagt. Danke Giusi!» Jetzt gehört auch Giuseppina Bellardita zu den Freiwilligen im Besuchsdienst – und wird künftig einem anderen Menschen ein bisschen Zeit schenken. Auf dass ein normaler Tag seine Sternstunde bekommt. Grazie!
Kontakte bis ins hohe Alter
Aktuell zählt der Besuchsdienst 17 Ehrenamtliche (vorwiegend Frauen), die jemanden regelmässig besuchen und dieser Person so ihre Zeit schenken. Weitere Besucherinnen und Besucher seien sehr willkommen, sagt Präsidentin Hedi Soder. Oft sei eine Hemmschwelle zu spüren, die verhindere, dass einsame Menschen den Besuchsdienst in Anspruch nähmen, das geschehe nicht selten aus Scham. Soder hofft deshalb auch auf eine wachsende Sensibilisierung im Umfeld möglicher «Klientel». Dieses Umfeld zu erreichen, sei nach wie vor eine Knochenarbeit. «Ich bin überzeugt, dass es noch viele ältere Menschen gibt, die sich tief drin im Herzen wünschen, etwas Zeit mit jemandem verbringen zu können», sagt Vorstandsmitglied Renate Odermatt. «Es wäre schön, erhielten alle Menschen diese Möglichkeit, selbst jene im hohen Alter.» Die weiteren Mitglieder im Vorstand sind Hedy Mangold, Maria-Pia Scholl und Marlise Meyer. Personen, die den Besuchsdienst gerne in Anspruch nehmen würden oder jemanden kennen, können sich bei der Vermittlungsstelle melden: Tel. 077 402 94 69; vermittlung@ besuchsdienst-moehlin.ch (rw)

